"Der Mensch war eine Null"

Die Schlacht ist geschlagen. Den Inhalt der Kriegskasse übergaben (hinten, von links) Thomas Hys, Ernst Herrmann, Hans Balk, Dr. Heinrich Bücherl und BI-Schatzmeister Franz Voit an (vorne) Bürgermeisterin Marianne Rauh, Kindergartenleiterin Stefanie Peschla und OWV-Schatzmeister Heribert Schiller. Bild: Wieder

Drei Bürgerinitiativen feiern: Der Kampf gegen den Windpark Matzlesrieth ist gewonnen. Die BI Matzlesrieth und Theisseil/Letzau lösen sich auf. Die BI Weiden-Ost geht nur in den "Stand-by-Betrieb". Sie wappnet sich für den Kampf gegen die Naturzerstörung am Fischerberg durch die Verlängerung der Südost-Tangente nach Tröglersricht.

Wie vor inzwischen über sieben Jahren, so lange dauerte der Kampf gegen den Windpark, treffen sich die Bürgerinitiativen im Gemeindehaus Letzau. Wieder müssen zusätzliche Tische und Stühle geholt werden. Und alle wissen, dass sie dem Schwarzstorch ihren Erfolg zu verdanken haben - und einer korrekt arbeitenden Weidener Stadtverwaltung. Darum luden sie am Freitagabend zum "Schwarzstorchfest".

Unvergessen bleibt das Verhalten der Mehrheit im Weidener Stadtrat, die den Windpark aus politischen Gründen durchsetzen wollte - "auf Teufel komm raus". "Die Bürger und ihre Rechte spielten keine Rolle. Der Mensch war eine Null", zieht Hans Balk, Motor und Herz des Widerstands, bittere Bilanz.

"Teuflisches Trio"

"Wir haben bewiesen, dass ein Stück Natur mehr wert ist als eine windige Kohlenstoffdioxid-Rechnung", eröffnet Dr. Heinrich Bücherl, Vorsitzender der BI Matzlesrieth, den langen Abend. Die drei BI, die sich am Freitagabend zusammenfanden, seien ein "teuflisches Trio" gewesen, das dafür gesorgt habe, dass man inzwischen auch in München wisse, wo Matzlesrieth, Theisseil und Letzau liegen. Er dankte Balk sowie den Ornithologen Erich Spickenreuther und Dr. Gerald Henkel, die mit ihrer Arbeit verhinderten, "dass uns ein Riesenunglück passiert." Bücherl dankte darüber hinaus allen, die sich engagierten "und dafür auch Anfeindungen ertragen mussten".

Der Vorsitzende der BI Weiden-Ost, Thomas Hys, bekannte, dass er in diesen sieben Jahren gelernt habe, "wie Politik funktioniert". Der Einsatz um Natur und Landschaft am Fischerberg gehe aber mit der Diskussion um die Verlängerung der Südost-Tangente in eine neue Runde. "Darum gehen wir in Weiden-Ost nur in den Stand-by-Betrieb."

"Vor sieben Jahren begann der Windrad-Wahnsinn in Weiden", blickte Ernst Herrmann, Vorsitzender der BI Theisseil-Letzau, zurück. Hans Balk habe sich zum "Vater des Widerstands gegen die Windradmonster" entwickelt und der Überrumpelungspolitik der Stadt Weiden und der Investoren Stand gehalten.

Er habe nichts gegen Windenergie, wenn sie mit den Belangen von Mensch, Natur und Umwelt vereinbar sei, versicherte Balk. Beim Projekt in Weiden-Ost sei dies aber nicht der Fall gewesen. Er schilderte die drei auffallende "Qualitätsmerkmale", mit denen sich der Investor und auch die Mehrheit des Weidener Stadtrats nicht mit Ruhm bekleckert hätten. So sollten mit einem unglaublichen Eiltempo Widerstand verhindert und die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Balk geißelte die mangelnde Transparenz und Ehrlichkeit und den sonderbaren politischen Willen, den Windpark durchzusetzen. Den BI sei es schließlich gelungen, aufzuklären. Sie seien es gewesen, die ihren Beitrag leisteten, dass die Weidener Stadtverwaltung nach Recht und Gesetz entscheiden konnte. "Ohne uns wäre es anders gelaufen."

Spenden verteilt

Den Rest aus ihrer Kasse verteilte BI Matzlesrieth für die Kinderkrippe in Letzau an Bürgermeisterin Marianne Rauh und Leiterin Stefanie Peschla. OWV-Schutzmeister Heribert Schiller darf sich ebenfalls über eine Spende freuen, die aber zweckgebunden für Nistkästen zu verwenden ist.
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