Der Ort, wo keiner dreinredet

Grete Pickl, Harald Pilhofer und Hermann Gnahn (links) gestalteten einen Abend mit Mundart und Musik auf dem Goglhof. Bild: hka

Von Walther von der Vogelweide über Hildegard von Bingen bis zu James Krüss - zu allen Zeiten wurde der Garten beschrieben und besungen. Grete Pickl macht das auf ihre eigene Art. In Mundart erzählte sie auf dem Goglhof über "Gartenlust und Gartenfrust".

Eine Schale mit Narzissen auf dem Tisch in der Goglhof-Stube weist darauf hin: Das Gartenjahr hat begonnen. "Den Ersten habe ich schon geschnitten", sagt die Mundartdichterin und Autorin aus Kastl. Sie meint den Schnittlauch. Vom Frühlingsanfang führt Grete Pickl dann mit Geschichten und Gedichten, Bauernregeln, Rätseln und Mundartausdrücken durchs Jahr.

Urahnin "ausgegraben"

Mit ihr am Tisch sitzt Harald Pilhofer, der, obwohl von Kindheit an blind, seine Ziehharmonika bestens beherrscht und die Wortbeiträge in Musik einkleidet. Staunend hört der junge Edelsfelder zu, was Hermann Gnahn, der Vorsitzende des Goglhof-Förderervereins, "ausgegraben" hat: Eine Urahnin von ihm, eine geborene Birner, war im Jahr 1765 Bäuerin auf dem Goglhof. Das ist auch der heutigen Hausherrin Margarete Jäkel neu.

Der Garten ist für Grete Pickl der Ort, "wou ma nemads wos drei'red". Er ist auch "hinterm Haus a Paradies" und, wie Hildegard von Bingen es beschrieb, "Grünkraft". Dabei gibt es nicht nur eine Art, sondern viele verschiedene Gärten, die allesamt ihre Berechtigung und Bedeutung haben, Vom Apothekergarten über den botanischen, den Bibelgarten, den Schreber-, Schul- und Kräutergarten bis hin zum Bauerngarten. Nicht zu vergessen natürlich den Biergarten.

Immer was zu tun

"Der Gartn will jeden Tog sein Herrn sehng": Dieser Spruch drückt aus, dass es immer was zu tun gibt draußen. Grete Pickl listet auf, was gesät, gesteckt und gepflanzt wird. Sie nennt die Blumen, die in einen Bauerngarten gehören, und was mit den Früchten vom "Hullabaam", der "Schläiastauan" oder dem alten Apfelbaum gemacht werden kann.

Mit "Johanni is kumma, vom Baam leichts ora" beschreibt sie den üppig tragenden Kirschbaum. Sie warnt vor den Eismännern und der Kalten Sophie und fragt ihre Gäste nach der Bedeutung des alten Ausdrucks "Erdäpfel stoussn". Die Kastlerin liebt ihren Garten, ihr "Bankerl vorm Haus" und den Duft der Bauernrosen. Das alles macht sie zufrieden - mit dem Garten, mit sich und der Welt.

Wie schon Walther von der Vogelweide, den sie zitiert, kennt sie aber auch den Gartenfrust, der da entsteht durch Läuse, Schnecken und diverse Wildkräuter. "As Unkraut, des moch de", weiß sie. "Wennst as heint ausrupfst, is morgn wieda dou." Ihr literarischer Streifzug endet mit einem Gedicht von James Krüss über den Gärtner Ming und eine leider unerwiderte Liebe.

"Grod a kloins Platzerl"

Natürlich wird, wie immer, auch gesungen an diesem Abend, begleitet von Harald Pilhofer und Hermann Gnahn, der seine Gitarre mitgebracht hat. Er zieht als Resümee des Abends, dass "die Gartenlust wohl größer ist als der Gartenfrust", was Grete Pickl bestätigt: "Nu grod a kloins Platzerl wennst houst, houst däi Rouh."
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