Der Pauleverl-Hof im Freilandmuseum Neusath-Perschen bekommt eine neue "Frisur"
Ein Dach für eine weitere Generation

Anton Götz (von links), Markéta Hojková und Max Goller nutzen jeden schönen Tag, um das Dach zu decken. Bild: Götz
 
Der Pauleverl-Hof an seinem Ursprungsort in Pavelsbach im Landkreis Neumarkt. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert steht seit etwa 30 Jahren im Freilandmuseum Neusath-Perschen in Nabburg. Bild: hfz
 
Vor 30 Jahren bekam das Hof-Dach im Freilandmuseum wieder Stroh. Bild: hfz

Schaffe, schaffe Häusle baue: Bauherren wissen, was es heißt, ein Haus zu errichten. Heutzutage hilft dabei modernes Werkzeug. Was es heißt, unter 300 Jahre alten Bedingungen zu bauen, wissen die Mitarbeiter im Freilandmuseum. Derzeit sind sie dabei, einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert eine neues Dach zu verpassen.

Die letzten trockenen Tage musste Konrad Uschold mit seinem Team noch ausnutzen, bevor der Regen kam. Denn wenn alles nass wird, ist an Dacharbeiten nicht zu denken. Dabei haben er und seine Kollegen eine Fläche von etwa 900 Kubikmetern zu decken.

Stroh wird knapp

Das Dach des Pauleverls-Hofs im Freilandmuseum Neusath-Perschen ist zu erneuern. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und muss wie die anderen Gebäude gepflegt und renoviert werden. "Da muss man schon da hinter sein", sagt Uschold. Der Hof steht seit etwa 30 Jahren im Freilandmuseum und bekam damals zum ersten Mal ein Strohdach. Denn als das Gebäude in das Museumsgelände überführt wurde, hatte es ein Ziegeldach. "Jedes Haus durchläuft eine Umbauphase, so auch das Pauleverl", erklärt Uschold. "Wir gingen von der Zeitstellung im 17. Jahrhundert aus und da hatte das Gebäude ein Strohdach." Uschold ist der Bauhofleiter des Museums und weiß genau, wann welche Arbeiten an den 50 Gebäuden in dem 30 Hektar großen Museumsgelände anstehen.

In diesem Jahr war eben das Pauleverl-Gebäude an der Reihe. Zum letzten Mal war das Dach vor dreißig Jahren erneuert worden - als der alte Hof im Gelände des Freilandmuseums aufgebaut wurde. Sein Ursprungsort war Pavelsbach im Landkreis Neumarkt, von dort wurde der Hof in das Museum übertragen. Damals hatten Studenten das Stroh für das Dach geerntet und vorbereitet. Das heißt: die Körner aus dem Getreide entfernt, gebrochene Halme aussortiert, Unkräuter entfernt, nach Stockflecken untersucht und das Getreide schließlich getrocknet.

Damals reichte das Stroh aus, um das ganze Dach zu decken und auch die Ausbesserungsarbeiten in den Folgejahren vorzunehmen. "Vor zehn Jahren allerdings war das Stroh aufgebraucht", sagt Uschold. Weil das Stroh zur Neige ging, bauten es die Mitarbeiter im Museum an. "Für die Reparaturen hat es ausgereicht", wie Uschold sagt. Wenn die Halme verwittert waren, wurden diese ausgewechselt. "Wenn es am heißesten ist, dann müssen wir aufs Dach und die Moos und Flechten entfernen." Durch Abklopfen fallen diese dann herunter, die Halme können trocknen. Hinzu kam, dass Vögel das Stroh vom Dach geholt haben. Der First ist laut Uschold der gefährlichste Punkt des Daches, weil da das Wasser am schlechtesten ablaufen kann. Der First musste jährlich repariert werden, der Vorrat wurde immer knapper.



"Dieses Mal haben wir das Stroh eingekauft", sagt Uschold. "In Deutschland, Dänemark, Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich und Italien haben wir eine Ausschreibung gestartet", erzählt er. Im ersten Jahr, 2012, gab es keinen geeigneten Lieferanten, der die hohen Anforderungen erfüllte. Erst im vergangenen Jahr bewarb sich ein holländischer Geschäftsmann, dessen Firma in Polen sitzt. "Der war zuverlässig und hat geliefert." 17 000 Euro kostete der Winterroggen für die 900 Kubikmeter Dachvolumen. Mit dem Dachdecken konnten die Dachdecker allerdings erst heuer beginnen, "weil das Wetter 2013 zu schlecht war".

Infos aus Büchern

Im September ging es mit der Dachdeckerei los. Museums-Zimmerer Anton Götz ist schon seit den ersten Ausbesserungsarbeiten dabei, seit Jahrzehnten das Dach des Pauleverls zu renovieren. Nicht nur erfahrene, sondern auch fleißige Hände sind bei den Arbeiten nötig. Die fand Götz in Max Goller und Markéta Hojková, die beide ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) ableisten. "Zu dritt ist das eine ideale Arbeit", sagt Götz. Denn das selbst gebaute Gerüst gebe eh nicht mehr Platz als für drei Arbeiter her. Voraussetzung: schwindelfrei und keine Höhenangst. Denn für die Arbeiten mussten die drei hoch hinauf: Zu dritt standen sie auf dem etwa 45 Grad steilen Dach in bis zu elf Metern Höhe. Während zwei das Stroh verteilten und festklopften, sorgte der Dritte für Nachschub. "Wir haben die Bündel aufgedröselt und das Stroh aufgelegt", erklärt Goller. "Mit Haken wird das Stroh am Dach festgemacht." Viele Leute kommen und schauen zu, wie Uschold sagt: "Wir sind das einzige Museum in Deutschland, das das Dach mit Stroh selbst deckt." Andere Einrichtungen würden die Arbeiten an Firmen vergeben - und fertig. "Bei uns ist das eine Attraktion: Die Besucher sind sehr interessiert und wir erklären gerne die Arbeiten."

"Ein Bündel reicht in etwa für fünf Meter", erzählt Markéta Hojková. Das Stroh wird dabei aber nicht nur seitlich verteilt, sondern auch in die Höhe: Etwa 30 Zentimeter dick ist das Dach dann. Dabei muss alles schön gleichmäßig verteilt werden, damit gegebenenfalls Wasser ablaufen kann. Haselnussstecken und Drähte sorgen für den perfekten Halt.

Für ihre Arbeit brauchen Götz, Goller und Hojková natürlich auch Werkzeug. Das hat der Museums-Zimmerer zum Teil selbst gemacht. "Mit der Patsche bringen wir das Stroh in Form, dass alles schön gerade liegt", sagt er. Mit einer speziellen Nadel binden er und seine Kollegen das Stroh fest. Die Nadel ist krumm wie eine Sichel. 30 Zentimeter dick sollte eine Strohschicht sein. Als Anhaltspunkt verwendet Götz ein Brett, "damit ich weiß, wie viel Stroh ich schon gestapelt habe". Eine Schicht lasse sich um die Hälfte des Volumens zusammendrücken. Woher er weiß, wie das Stroh zu verlegen ist? "Ich habe mich aus Bücher informiert", sagt er. Der Trick mit dem Brett sei ihm auch erst während der Arbeit eingefallen. "Dann brauche ich nicht immer nach zu messen. Und es funktioniert gut."


Die Hälfte des Daches haben Götz und seine zwei Helfer schon geschafft. "Wir liegen sehr gut im Zeitplan", stellt der Museums-Zimmerer fest. Aber: "Wir müssen schon noch ein bisschen was machen. So zwei bis drei Wochen sollten wir noch arbeiten." Das heißt für Götz, Goller und Hojková: Jeder schöne und vor allem trockene Tag muss noch genutzt werden. Auch im Winter. Ansonsten geht es dann im Frühjahr wieder weiter, wenn es wieder wärmer wird.

Wenn im nächsten Jahr die Arbeiten wieder aufgenommen werden können und abgeschlossen sind, "rechnen wir schon, dass das Ganze für 25 bis 30 Jahre hält", schätzt Uschold. Das setzt eine gute Pflege voraus, "das ist nicht so einfach", sagt der Bauhofleiter. Und auch Götz bestätigt:"Bei guter Pflege und Wartung hält das Dach für 30 Jahre." In den ersten fünf Jahren sei vermutlich nichts zu tun, "dann aber fangen die Ausbesserungsarbeiten an." Aber: "Wir sind ja jetzt eingearbeitet und wissen wie's geht", sagt Götz.
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