Der "Pfarrhof-Nachrichten-Dienst" (PND) in Aktion

Dass junge Kapläne Tatendrang haben und Menschen sind, die auch ein Privatleben haben, erlebte ich in all den Jahren in ihrer Nähe. Schwer hatte es Kaplan Ascherl, als die "Burglichtspiele" einen für die damalige Zeit "anrüchigen" Film zeigten. Pfarrer Bollmann riet damals Jugendlichen vom Besuch ab. Wie später bekannt wurde, wurde damals der "PND" (Pfarrhof-Nachrichten-Dienst) eingesetzt, von dem Kaplan Ascherl Listen mit den Namen jugendlicher Filmbesucher zugespielt bekam.

Schöner hatte es Kaplan Maier, ein begeisterter Autofahrer. Ich durfte ihn einmal auf seiner Lieblingsstrecke Kirchenthumbach-Heiners- reuth-Thurndorf-Zirkendorf begleiten und war froh, dass wir gesund zurück gekommen sind.

Kaplan Arnold dagegen liebte eher eine Schafkopfrunde "beim Melber" in der alten "Hafenkneipe". Einmal schämte er sich, dass er "nur" zwei Bier getrunken, aber fünf Mohnspitzeln vertilgt hatte. (gpa) Deshalb wollte er umgekehrt fünf Bier und zwei Spitzln bezahlen. "Und wer hat die andern Spitzln im Korb verdrückt?", fragte Wirtin Lotte trocken. Weil er einmal den Hausschlüssel vergessen hatte, mussten wir ihn über eine Leiter in den Pfarrhof befördern, damit die Pfarrhausfrau nicht geweckt wurde. Diese hat mir aber einige Tage später erzählt, dass sie hinter dem Vorhang hervorgelugt und die Aktion verfolgt hatte - was beweist, dass vor Pfarrersköchinnen nichts sicher ist.

Auch der Nachfolger von Arnold hatte mit der Pfarrersköchin zu kämpfen, die ihm den leeren Hühnerstall als Werkstatt verweigern wollte. Kaplan Hornauer hat aber mit Unterstützung von Pfarrer Bollmann gesiegt. Monate lang hat er daraufhin mit uns aus unzähligen Radiogeräten für die Beschallung der Fronleichnamsprozession eine Lautsprecheranlage geschaffen, die ein riesiger Erfolg wurde. Durch diesen "Workshop" kamen viele Burschen in die Gruppenstunden, die sonst sicher nie mitgemacht hätten.

Kaplan Roman Jobst begeisterte durch sein lockeres Auftreten, vor allem weil er mit uns auf der damaligen "Bummelwiese" kickte. Das war jedoch ein Dorn in den Augen einer "Dorfratschn". Sie steckte die Ungeheuerlichkeit, dass der "Kopreiter" mit "nackerte Boana" Fußball spielt, sofort der Pfarrhausfrau, die es wiederum ihrem Bruder, dem Pfarrer, meldete. Trocken sagte der nur: "Ja, soll der dazua vielleicht sein Talar anziag'n?"

Kaplan Schraml war ebenfalls Fußballnarr. Besonders erinnere ich mich daran, dass er immer Hunger hatte. Wenn er zu mir zu Programmbesprechungen kam, hat er sich stets in unserem Laden eine Wurstdose geholt und in der Küche Brot und dann gemütlich Brotzeit gemacht. Und die Maiandachten an den Kapellen waren immer mit einer Einkehr verbunden.
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