Der Preuße beißt auf Granit

Keine Frage, wer auf diesem Bild der Bayer ist und wer der Preuße. Mit dem Sketch "Der Wettstreit zwischen den Oberpfälzern und den Preußen" brachten Günter Seibold und seine Enkelin Amelie das Publikum zum Lachen. Bilder: wku (2)

Der Weltgästeführer-Tag ist in der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt. Aber sein Motto passte dieses Jahr perfekt zum Veranstaltungsort: "Steine".

Beim Hutza-Abend erklärte Irene Scharmacher, die Vorsitzende des Gästeführervereins Leo, warum dieses Thema so treffend ist: "Wir sind hier in der Steinpfalz im Ort Königstein und halten diese Veranstaltung im Steinstadel ab."

Viele Gäste waren gekommen, um einen Abend mit Geschichten, Legenden und Märchen aus der "Stoipfalz" zu verbringen. Musikalisch umrahmten ihn die Ossingermusikanten Paul Pesold, Günter Seibold und Hermann Bruhn. Da durfte auch das berühmte Ossingerlied nicht fehlen, das eine Lobeshymne auf den Berg und seine Hütte darstellt.

Das Königsteiner Bauerntheater unter der Regie von Günter Seibold spielte lustige Szenen: In "Da Urlauber und die g'sunde Kinstoiner Luft" - diese Spielszene hatte Günter Seibold eigens für den Hutza-Abend verfasst - lobte die norddeutsche Urlauberin Helga Bernt begeistert die Naturschönheiten, während Sepp (Franz Bernt) ihr etwas wortkarg antwortete. Günter Seibold brillierte mit seiner Enkelin Amelie in dem Stück "Der Wettstreit zwischen den Oberpfälzern und den Preußen". Selbstverständlich gewann der Oberpfälzer durch seine Schlagfertigkeit.

Die böse Bäuerin

Eigentlich kennt jeder Königsteiner die Sage von der Breitensteinbäuerin: Sie war eine hartherzige und böse Frau, die nach ihrem Tod keine Ruhe fand und im Unteren Wald seit fast 300 Jahren umgeht. Günter Seibold erklärte, dass es zwei Variationen der Sage gebe: Zum einen wurde die Bäuerin in einen Hasen verwandelt, in einen Baumstamm gesteckt und mit Spinnweben eingesperrt. In der anderen wird sie zur Krähe, die sich in einem Spalt des Bauernloches versteckt und um Mitternacht erscheint. Als das Licht im Steinstadel ausging, tauchte zum Erstaunen aller Gäste die Breitensteinbäuerin (Linda Hirsch) im Federkleid auf und berichtete jammernd über ihr Leben und über ihre Verbannung.

Irene Scharmacher stellte fest, dass Königstein drei Dichter in drei Jahrhunderten besaß: Zuerst den Heimatdichter Johann Weiß, der 1857 starb. Hans-Jürgen Pirner trug dessen Gedichte "Die Brandwundn" und "Der schäinste Freithuf af der Welt" vor. Dann war es 100 Jahre später Artur Linke, der einen Gedichtband veröffentlichte. In diesem Jahrhundert ist es Günter Seibold, der meinte: "Die Mundart ist das Beste, was es auf der Welt gibt." Er trug sogleich ein Gedicht mit ganz alten Mundartwörtern vor. Seibold bedauerte es sehr, dass die Schulen die Mundart mehr verbieten als fördern. "Die Lehrerschaft bildet sich ein, die Sprache muss jetzt preußisch sein", reimte er passend dazu.

Jede Menge Legenden

Königstein und seine Umgebung sind bekannt für die vielen Sagen und Legenden. Irene Scharmacher, Rosi Renner und Amelie Seibold lasen einige davon vor: die Sage über die Entstehung von Königstein, "Über das Holzmännlein und Holzweiblein" und über das Burgfräulein Susanne vom Suzerberg.

Alle Gäste waren sich einig, einen amüsanten, kurzweiligen und unterhaltsamen Heimatabend erlebt zu haben. Dafür bürgt ja allein schon das Königsteiner Bauerntheater.
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