Der Spaß mit der Angst

An Halloween ist Gänsehaut garantiert. Viele verkleiden sich, dass es einen nur so graust. Vor allen Dingen sind viele Kinder und Jugendliche unterwegs, um an den Häusern um Süßigkeiten zu betteln. Dabei stellt sich die Frage: Wie viel Angst und Furcht "verträgt" ein Kind? Bild: doz

Am Samstag wird es wieder gruselig: Dann steigen Zombies aus ihren Gruften, fliegen Hexen auf ihren Besen, Geister treiben ihr Unwesen. An Halloween kommen Gruselfreunde voll auf ihre Kosten. Nur: Ist das Spiel mit Angst und Furcht nicht auch gefährlich?

Kemnath/Eschenbach/Weiden. (esc) Spinnweben, Särge, Fratzen und Monster - an Halloween schmücken nicht nur Amerikaner ihre Häuser. Mittlerweile richten auch immer mehr Kemnather, Eschenbacher, Erbendorfer und so fort ihre Heime her, dass es einen nur so gruselt. Gänsehaut ist garantiert. Viele Kinder machen sich am Samstag wieder auf den Weg und betteln an den Häusern nach "Süßem", sonst gibt's "Saures".

Das, worüber viele Erwachsene nur schmunzeln, ist für Kinder oft richtig furchteinflößend. Da stellt sich die Frage: Wie viel Angst "verträgt" ein Kind? Wie sollten Eltern mit der Furcht ihrer Kinder umgehen? Eine Kinderärztin, eine Sozialpädagogin und ein Diplom-Psychologe geben Antwort.

Angst oder Furcht

"Zunächst einmal muss man zwischen Furcht und Angst unterscheiden", sagt die Kemnather Kinder- und Jugendärztin Dr. Ulrike Werner-Jung. Demnach sei Angst eine innere Beunruhigung auf eine unbestimmte Gefahr hin, wohingegen sich Furcht auf eine bestimmte Gefahr beziehe. Halloween betreffend handle es sich daher also eher um Furcht, sagt die Ärztin weiter. Sollte es sich bei einem Kind um ein eh schon ängstliches handeln, wäre eine Möglichkeit, den Nachwuchs von zu Hause aus ans Gruselspektakel heranzuführen. Sprich: Daheim schmücken und sich eventuell verkleiden und Kinder an der Türe klingeln lassen.

Dabei müsse man auch im Alter unterscheiden: "Die Drei- bis Fünfjährigen sind oft die ängstlicheren", weiß Werner-Jung. "Sie können Realität und Fiktion nicht unterscheiden." Deswegen sei es besonders wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern sprechen. "Sie sollten erklären, dass keine echte Gefahr besteht." Das sei wie im Märchen, oder wie ein gewisses Erlebnis. Außerdem sollten die Großen den Kleinen den Brauch erklären - "wenn ich weiß, um was es geht, kann ich mich darauf vorbereiten".

Sollte der Nachwuchs dennoch Angst bekommen, sei es wichtig, mit dem Kind zu sprechen sowie Furcht und Angst ernstnehmen. "Eltern können auch darauf hinweisen, dass sie selbst auch schon einmal Angst hatten und erklären, dass das was ganz normales ist und wieder vorbeigeht", rät die Ärztin. A und O seien auf jeden Fall Gespräche und die Ängste der Kinder nicht abzutun.

Das bestätigt auch Sozialpädagogin Elvira Brand, Leiterin der Kindertagesstätte Eschenbach. "Grundsätzlich denke ich, dass Eltern ihre Kinder einschätzen müssen", sagt sie. Gerade bei unter Sechsjährigen sei das wichtig. Etwa ein Viertel der Kinder, die die Eschenbacher Einrichtung besuchen, sind laut Brand deutsch-amerikanisch. "Das Thema Halloween ist also bei uns präsent." Die Kinder erzählen viel über den Brauch und würden auch von Haus zu Haus zum Sammeln von Süßigkeiten gehen. "Es gibt schon schaurige Verkleidungen", weiß Brand. Sie könne sich durchaus vorstellen, dass Kinder da Angst bekämen.

Einen Tipp für Eltern hat sie auch noch: "Mit dem Kind sprechen und da sein." Und vor allen Dingen: "Das Kind auch ernstnehmen." Überhaupt sei das Gespräch mit dem Nachwuchs wichtig, allgemein über Gefühle und auch über Ängste. "Angst ist auch hilfreich, sie schützt uns ja." Oft sei es außerdem so, dass Jungs oft mutig sein wollen und sagen, sie hätten vor nichts Angst. Dann sei es hilfreich, zu erzählen, dass man selbst auch Angst habe und es auch wichtig sei, diese auch zuzulassen. "Wenn ich zum Beispiel sage, ich fürchte mich im Dunkeln, deswegen nehme ich eine Taschenlampe mit oder schaue, dass ich ein Licht anmachen kann."

Mit Drei- und Vierjährigen würde sich Brand an Halloween nicht auf den Weg machen. "Sie können oft Fiktion und Realität nicht unterscheiden." Wenn Sohn oder Tochter doch Angst bekämen, sollten Eltern als Vertrauensperson da sein, das Gespräch suchen und die Ängste ernstnehmen. Und sie appelliert an die Erzieher: "Eltern sind in der Verantwortung, wie viel sie ihrem Kind zumuten können."

Gefühle seien eine Grundausstattung des Menschen - und zu denen gehöre eben auch die Angst, erklärt Gunter Hannig von der Erziehungs- und Beratungsstelle Weiden. Als "Gegenstücke" zur Angst bezeichnet er Vertrauen, Gelassenheit und Sicherheit. Für die Kleinen sei es wichtig, den "Umgang mit Ängsten, mit der Sicherheit und der Gelassenheit der vertrauten Erwachsenen zu lernen". Laut dem Diplom-Psychologen besitzen Kinder eine Art Selbstregulation, sich ihrer Angst vor Neuem oder Unbekanntem zu stellen, soweit es ihnen ein gutes Gefühl macht. "Darüber hinaus bedürfen sie den besonderen Schutz der Erwachsenen", sagt der Leiter der Beratungsstelle. Eltern sollten deswegen ihren Kindern die notwendige Sicherheit vermitteln.

Ein gutes Gefühl

Halloween sei seiner Meinung nach weniger ein Brauch der Angst und Bedrohung, er sollte für Kinder eher mit guten Gefühlen verbunden sein. In Begleitung vertrauter Erwachsener gibt es Buben und Mädchen die Möglichkeit, andere Erwachsene zu erschrecken mit anschließender Entlastung und Gefühlen der Freude. Kinder sollten sich nicht gegenseitig erschrecken oder gar bedrohen, sie wissen in der Regel nicht, wo dabei die Grenzen sind.

Viele Kinder wollten auch keine angstbesetzten Situationen erleben - "die Kinder sollte man auf keinen Fall zwingen", betont Hannig. Auch er weiß: "Eltern kennen ihre Kinder am besten." Und: "Unterm Strich soll's Spaß machen."
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