Der vogelwuide "Vogelmayer"

Der Musik-Kabarettist, Poesiepirat und Liedermacher Thomas Mayer hielt dem Publikum einen gesellschaftskritischen Spiegel vor und regte zum Nachdenken an. Bei der letzten fetzigen Nummer stieg er gar auf den Tisch. Bild: prh

Er konnte nur zwei Akkorde auf der Gitarre und nicht singen. Was er zu sagen hatte, verpackte er in Lieder. So begann die Karriere von Thomas Mayer alias "Vogelmayer" mit Auftritten im Freundeskreis.

Diepoltsreuth. (prh) Heuer kommt der "Vogelmayer" auf 90 Gastspiele in ganz Bayern. Am Samstag machte er mit seinem aktuellen Programm "Spiegelbilder" auf Einladung des Stammtisches Station im Theaterstadl des Gasthauses Plödt.

Mayer bezeichnet sich als Musik-Kabarettist, Poesiepirat und Liedermacher, seinen Stil als "vogelwild bissige Nicht-Comedy in bayerischer Tradition". So lässt sich der 33-jährige Straubinger nur schwer einordnen, und das ist reine Absicht. Er lässt sich in keine Schublade zwängen. Im weitesten Sinn könnte man in ihm eine Mischung aus Hans Söllner und niederbayerischem Hochzeitslader sehen.

Herz auf der Zunge

Aber nur im weitesten Sinne. Vergleiche mit Söllner ehren ihn, mag er aber eigentlich nicht. Er ist der "Vogelmayer", der sein Herz auf der Zunge trägt und sagt, was er denkt, was ihm nicht passt. Er singt gegen Ausländerhass und Missstände in Gesellschaft, Politik und Kirche an. Er spart nicht mit Gesellschaftskritik und hält dem Publikum einen Spiegel vor. Der "Vogelmayer" hebt den Zeigefinger, aber er demonstriert dem Publikum, dass er so nicht Gitarre spielen kann.

Er will Respekt vor dem Anderen und erklärt, was für ihn "dahoam" ist: kein Ort, sondern ein Gefühl. Besonders beeindruckt "Das ungeschminkte Vorurteil".

Immer wieder fordert er auf, seine Lieder ganz zu hören. Einzelne Zeilen aus dem Zusammenhang gerissen lassen ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen. Aber am Ende kommt er immer auf den Punkt und zeigt, dass er einer von den Guten ist.

Verdienter Beifall

Zwischen seinen ernsten Songs macht er Quatsch und erzählt Witze und kleine Anekdoten zum Überleiten auf den nächsten Titel. Allerdings sind einige nicht mehr ganz aktuell. Aber was er in seinen Liedern zu sagen hat, ist ehrlich, kraftvoll und direkt. Der Akteur spricht vielen Zuhörern aus der Seele. So erntet er am Ende auch den verdienten Applaus nach einer gelungenen Vorstellung, die zum Nachdenken anregt. Die Zugabe widmet er Vladimir Putin, "einem der größten Verbrecher unserer Zeit". Sein Appell: "Das ist unsere Zeit und unsere Welt. Da darf es keinen geben, der uns das stiehlt."
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