Der "Wahnsinn" in Hamburg

Solche Jubelbilder gab es selten in dieser Saison. Die Fans hatten kaum Anlass, mit ihren Stars zu feiern. Nach dem Sieg in Mainz gab es aber gleich auf dem Spielfeld und den Rängen eine Party. Bild: dpa

HSV-Trainer Labbadia gewährt seiner Mannschaft keine Zeit zum Zurücklehnen. Er strich den freien Dienstag und will am Freitag gegen Freiburg gewinnen. Aufhorchen lässt der Coach mit der Bemerkung, der Abschied Kacars sei noch nicht besiegelt.

Die Methoden des Bruno Labbadia sind einfach, aber wirkungsvoll. "Die Spieler müssen das Gefühl haben: Ich kann gewinnen", lautet das Motto des 49 Jahre alten Trainers. Das Besondere daran: Unter ihm sind Fußballer zu Leistungsträgern geworden, die schon zur U23 aussortiert waren und nach der Saison den Hamburger SV verlassen werden. Bestes Beispiel ist Gojko Kacar, Siegtorschütze zum 2:1 beim FSV Mainz 05. "Es ist Wahnsinn, wie glücklich man sein kann", sagte der Serbe nach seinem so wichtigen 20-Meter-Schuss ins Eck.

Der 28-Jährige steht für die Berg- und Talfahrt des Bundesliga-Dinos in den vergangenen Jahren. 2010 als Hoffnungsträger von Hertha BSC geholt, kämpfte er gegen Verletzungen und erlebte zehn Trainer. Die sortierten ihn abwechselnd aus und holten ihn wieder zurück. "Er hat die letzte Woche viel gearbeitet und sich mit dem Tor belohnt. Das freut mich sehr für ihn, er hat nicht die beste Zeit gehabt und nie aufgegeben", sagte Labbadia am Montag und ließ aufhorchen, als er andeutete, der Abschied Kacars sei noch nicht besiegelt.

Der defensive Mittelfeldspieler gehört zu der Gruppe von Profis wie Rafael van der Vaart, Marcell Jansen und Ivo Ilicevic, die im Abstiegskampf auf einmal Qualitäten zeigen, die die treuen Anhänger monatelang vermisst haben. "Schickt der HSV die falschen Spieler weg?", fragte nun das "Hamburger Abendblatt". Die für viele Millionen Euro verpflichteten Lewis Holtby, Nicolai Müller und Valon Behrami spielen derzeit kaum eine Rolle. Spannend wird sein, wie sich Sportchef Peter Knäbel und der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer verhalten, wenn Kacar und Co. weiterhin die Leistungsträger bei der Nicht-Abstiegsmission sind.

Der vierte HSV-Coach

Labbadia interessiert das zunächst nur am Rande. Unbeirrt ackert er weiter, strich den normalerweise freien Dienstag und will den nächsten Dreier gegen Freiburg am Freitagabend. "Ich hoffe, dass er lange bleibt", sagte Kacar. Und der viel kritisierte van der Vaart bestätigte: "Bruno Labbadia ist einfach ein guter Trainer. Er hat unglaublich viel Qualität, wir haben nicht durch Zufall die letzten beiden Spiele gewonnen", lobte der Kapitän den vierten HSV-Coach der Saison nach Mirko Slomka, Joe Zinnbauer und Peter Knäbel.

Am 15. April übernahm Labbadia die Herkulesaufgabe an der Elbe. "Ich muss jeden Millimeter ummähen", erklärte der frühere Stürmer und ordnete gleich ein Blitz-Trainingslager mit großer Wirkung an. Der Hesse formte ein Team, das diesen Namen auch verdient. "Man hat in den letzten drei Spielen gesehen, dass wir wieder zusammenarbeiten", betonte Heiko Westermann.

Labbadias "Mission impossible" ist noch nicht beendet. Gegen den Abstiegskontrahenten Freiburg steht mit gestärktem Vertrauen der nächste Kraftakt an. "Wir haben noch nichts erreicht", erklärte Labbadia - und baut weiter auf harte Trainingsarbeit und seine Überzeugungskünste.
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