Der Wald in der Stiftskirche

Während der Renovierung in den Jahren 1955 und 1956 zeigte sich der Innenraum der Stiftsbasilika mit vielen Holzbalken und Arbeitsbühnen. Bild: hfz

Die Innensanierung der Basilika stellt die beauftragten Firmen vor besondere Herausforderungen. Der Start des zweiten Bauabschnitts ist Anlass für einen Rückblick auf die Renovierung des Kirchenraums vor gut 60 Jahren.

Nachdem 1954 das Äußere der Kirche einen neuen Anstrich erhalten und man im November 1954 das 250-jährige Weihejubiläum der Kirche festlich gewürdigt hatte, wurde bereits wenig später der Wunsch laut, nun auch an die längst fällige Renovierung des Innenraumes zu denken, was aber umfangreiche Vorarbeiten und die Beschaffung der nötigen Mittel erforderte.

Bis zum Spätsommer 1955 waren dann die wichtigsten Hürden genommen und es konnte damit begonnen werden, die Apostelfiguren und Ovalbilder vom Chorgestühl abzunehmen, um sie in die Werkstatt des Kirchenmalers nach Regensburg zu schaffen. Schließlich erfolgte ab 9. September 1955 die Einrüstung des Presbyteriums durch die Firma Theodor Hötzel aus Waldsassen, womit der erste Bauabschnitt begann.

Ein ganzer "Wald" von Gerüststangen, Streben und Leitern sowie mehrere Arbeitsbühnen beherrschten nun den Chorraum. Mit großen Stoffbahnen wurden anschließend das Chorgestühl und auch die "Baustelle" zum Hauptschiff hin abgeschottet.

Als Initiator, Seele und Motor des Projekts fungierte souverän der damalige Stadtpfarrer BGR Josef Wiesnet (1897-1958). Zum Auftakt der Maßnahme gab es bereits am 1. Oktober 1955 auf der Baustelle eine spektakuläre Reportage des Bayerischen Rundfunks. Mit dabei waren neben dem Stadtpfarrer und den örtlichen Repräsentanten auch Hermann Glaubacker als Chef der gleichnamigen Kirchenmaler-Firma und der Kunstmaler Hans Krempel, beide aus Regensburg.

Neue Deckenbeleuchtung

Dank der günstigen Witterung konnten die Arbeiten schon am 10. November 1955 beendet werden und es setzte der Abbau der Gerüste ein. Damit war die "düstere Altrosa-Färbung" aus dem Chorraum gewichen und eine Neutönung erfolgt. Gleichzeitig hatten viele fleißige Kräfte die Bilder, Kirchenfenster und die Ausleuchtung erneuert. Als bei der Feier der Christmette an Heiligabend 1955 die neue Deckenbeleuchtung erstmals erstrahlte, waren die Gläubigen überrascht. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt beliefen sich auf rund 95 000 D-Mark, die durch Zuschüsse und Spenden gedeckt wurden.

Bis Ostern 1956 kehrten auch die restaurierten Bilder und Figuren für das Chorgestühl wieder zurück und man zeigte sich froh und dankbar. Doch die Kosten für die Fortführung der Arbeiten waren mit rund 183 000 D-Mark veranschlagt, die Finanzierung aber noch nicht gesichert. Dennoch entschied man sich im Frühjahr 1956 dazu, die Renovierung umgehend wieder aufzunehmen - mit der Instandsetzung des Lang- und Querhauses. Dazu hoffte man auf die Gewinnung der benötigten Mittel.

Dabei erfolgte ab 3. April 1956 wieder der schwierige Einbau der Holzgerüste, was fast vier Wochen in Anspruch nahm. Nun ragten wiederum zahlreiche Stangen und Streben in den Kirchenhimmel. Mit der Kirchenmalerfirma Glaubacker und dem Kunstmaler Hans Krempel standen wieder die gleichen bewährten Unternehmen zur Verfügung wie im Vorjahr. Diesmal dauerten die Arbeiten bis Ende September 1956. Die Gottesdienste wurden in dieser Zeit an den Werktagen in der Klosterkirche und an den Sonntagen im Jugendheim-Saal gefeiert. Zur Dokumentation der Renovierung erstellte der Stadtpfarrer im Sommer 1956 eigens eine ansprechende Broschüre mit vielen Details.

Einmal seit Einweihung

Die Finanzierung blieb ein heikles Thema. Doch standen mit MdL Otto Freundl und dem Ministerialdirektor Dr. Mayer verlässliche Helfer zur Seite. Auch der damalige Kaplan Ludwig Fischer half mit und organisierte, wo es nur ging. Wie Stadtpfarrer Wiesnet immer betonte, sei die Kirche seit ihrer Einweihung erst einmal grundlegend restauriert worden, nämlich im Jahr 1767. Bei den späteren Malerarbeiten im 19. Jahrhundert hatte man immer nur auf "Altrosa" gesetzt, was zusammen mit der Staubablagerung später zu einem düsteren Eindruck des Raumes führte. Eine wichtige Entscheidung war auch der Einbau einer modernen, wirkungsvollen Beleuchtung durch die Firma Siemens-Schuckert, wozu ein besonderes Stromkabel zur nächsten Trafostation mit Pickel und Schaufel von freiwilligen Helfern im Gehsteig des Johannisplatzes verlegt wurde - eine Knochenarbeit!

Als man dann am 6. Oktober 1956 zur feierlichen Wiedereröffnung der renovierten Pfarrkirche schreiten konnte, waren alle Mühen und Sorgen vergessen. Zum Festgottesdienst mit Erzbischof Dr. Michael Buchberger erschienen zahlreiche Ehrengäste aus nah und fern und war man stolz und überglücklich. An Spenden und Leistungen hatte die Pfarrgemeinde mittlerweile über 70 000 D-Mark erbracht und es kamen auch wieder Zuschüsse hinzu.

Die Krönung der Sanierung bildete schließlich die Übertragung der Christmette am Heiligen Abend aus Waldsassen im Rundfunk. Mit der Renovierung der sechs Seitenaltäre im Frühjahr 1957 konnte die Gesamtmaßnahme erfolgreich abgeschlossen werden und der Kirchenraum präsentierte sich seither in den gewohnten Weißtönen.
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