Der Weimarer Cranach-Altar

Der Altar von 1555 in der Stadtkirche St. Peter und Paul verbindet die biblische Kreuzigungsszene mit der protestantischen Grundüberzeugung des Weimarer Fürstenhauses. Die Mitteltafel zeigt rechts neben dem gekreuzigten Christus Johannes den Täufer, den Maler Lucas Cranach d.Ä. und Martin Luther. Der Blutstrahl aus der Seitenwunde auf Cranachs Kopf verweist auf die Bedeutung des Künstlers für die entstehende evangelische Kirche.

Hinter dem Hauptmotiv erinnern Zelte an das wandernde Gottesvolk und seinen Weg aus der Knechtschaft in Ägypten. Links von der Kreuzigungsszene ist der Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen zu sehen, zu Füßen des Kreuzes ist das Lamm als altes Symbol für Christus abgebildet. Auf dem Stamm des Kreuzes verweist die Signatur mit der geflügelten Schlange und der Jahreszahl 1555 auf die Cranach-Werkstatt, in der das Kunstwerk von Lucas Cranach dem Jüngeren vollendet wurde.

Der linke Altarflügel zeigt Kurfürst Johann Friedrich mit seiner Gemahlin Sibylle von Kleve. Sie bekamen nach der verlorenen Schlacht der Protestanten im Schmalkaldischen Bund 1547 bei Mühlberg und dem Verlust der Kurwürde als neue Residenz Weimar zugesprochen, wo sie nach ihrem Tod vor dem Cranach-Altar beigesetzt wurden.

Die drei Söhne des Kurfürsten auf dem rechten Altarflügel veranlassten die Inschrift auf der Predella, die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erstmals wieder als Rekonstruktion den Altar ergänzt. Der in Form eines Kelches gefasste lateinische Text würdigt die Verstorbenen, bekräftigt die Hoffnung der Landesherren auf Wiedererlangung der verlorenen Kurwürde und enthält zudem die Bitte um die Bewahrung des Glaubens. (epd)
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