Der Zünsler frisst sich durch

Geknickte Stängel wie nach einem Hagelunwetter: Der Maiszünsler leistet ganze Arbeit.

Auf den Maisfeldern wird heuer ordentlich aufgetischt. Die gut entwickelten Bestände wecken auch den Appetit des Maiszünslers. Er frisst sich vor allem im südlichen Landkreis und im Raum Neunburg vorm Wald durch die Stängel. Doch es gibt wirkungsvolle Appetitzügler.

Nabburg/Schwandorf. (cv) Pflanzenbauberater Karl Seegerer hat nahezu 40 Jahre Berufserfahrung. Die Ernte ist heuer "guter Durchschnitt". Ein großer Teil ist eingefahren. Der Experte am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nabburg weiß, dass das Problem des Schädlingsbefalles "unterschwellig immer da ist, wo verstärkt Maisanbau betrieben wird". Bei einer Gesamtackerfläche von 41 800 Hektar sind das im Landkreis 10 800 Hektar. Ein Vergleich: Im Jahr 2005 waren es 7575 Hektar.

Stängel knicken

Der Zünsler versteckt sich auch, wo man ihn nicht vermutet. Kürzlich stellte der Maschinen- und Betriebshilfsring Schwandorf gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf dem Betrieb von Georg Dirmeier in Haselbach bei Schwandorf neue Bekämpfungsmethoden vor. Der Hofbesitzer war ganz perplex, als ihm Karl Seegerer und Christian Weiß einige ungebetene "Restaurantgäste" zeigten.

"Die Larve verursacht die Schäden", erläutert Karl Seegerer. Der Zünsler wird im Juni/Juli flügge. Dann legt das Falterweibchen an den Maisblättern seine Eier ab. Die schlüpfenden Räupchen haben ungebremsten Appetit. Wenn sie ihn im oberen Drittel der Maispflanze stillen, hat das relativ wenig Folgen. Die angefressenen Pflanzen werden mitgehäckselt und siliert. Ist der Zünsler jedoch im unteren Bereich am Werk, frisst er sich schnell durch die etwa drei Zentimeter dicken Stängel, die dann einfach abknicken. Der ungebetene und gut genährte Gast bleibt, die Larven überwintern im Stängel. Bleiben die Mais-Stoppel nach der Ernte unbearbeitet auf dem Feld, bleibt auch der Maiszünsler - bereit zur Fressattacke im nächsten Jahr.

Stoppeln aufsplissen

Was ist zu tun? Wenn der Boden nur gegrubbert, also gelockert wird, richtet das wenig aus. Besser ist es, die Pflanzenreste unterzupflügen. "Doch damit ist das Winterquartier des Zünslers noch nicht zerstört", betont Christian Weiß. Die Stoppel müssen mechanisch aufgesplisst werden. "Dann kann Wasser rein, die Pflanze zersetzt sich", erläutert Weiss. Der Zünsler wird heimatlos.

Um das zu bewerkstelligen, muss gemulcht, geschlegelt, gewalzt werden. Entsprechende Geräte können vom Maschinen- und Betriebshilfsring Schwandorf vermittelt werden. Beim Mulchen oder Schlegeln reißen rotierende Walzen die noch stehenden Stoppeln auf. Beim Walzen wird auf die sogenannte Prismen- oder Stabwalze ein Vierkantrohr gesetzt, das dem Schädling den Garaus macht. Das Gerät nennt sich übrigens passenderweise "Zünslerschreck". Auch hier wird die Pflanze zur Zersetzung aufgesplisst. Der Effekt ist der gleiche, nur der Kraftstoffverbrauch ist unterschiedlich.

Bewusst machen

"Unser Ziel ist es, dafür zu sensibilisieren, dass das Problem aktuell ist und bei Befall gehandelt werden muss", so Karl Seegerer. Der letzte stärkere Befall war laut Seegerer vor drei bis vier Jahren. Dann war Ruhe. Doch derzeit gehen wieder etliche Anrufe im Amt ein. Wichtig ist, dass sich die Landwirte bei der Bekämpfung absprechen: "Der Zünsler fliegt einige Kilometer".

Karl Seegerer ist noch ein stark befallenes Feld bei Regenstauf in Erinnerung: "Das sah aus, als ob es gehagelt hätte oder von Wildschweinen heimgesucht worden wäre." Sein Rat: Auf die Fruchtfolge achten. Wenn auf einer Fläche der Anbau mit Mais ausgesetzt wird, hat der Zünsler nichts zu fressen und wird quasi ausgehungert. Seegerer und Weiß sind sich einig: "Der Zünsler ist noch kein Problem. Damit es keines wird, muss gegengearbeitet werden".
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