Deutsch auf Prager Bühnen

Jitka Ludvová referierte im Kloster Speinshart über das Neben- und Miteinander von deutschen und tschechischen Theatern in Böhmen. Bild: jzk

Ein Kapitel Theatergeschichte, das fast in Vergessenheit geraten ist, beleuchtete Jitka Ludvová. Dabei war "Deutsches Theater in Böhmen" früher nichts Außergewöhnliches - bis die beiden Weltkriege kamen.

Speinshart. (jzk) Die Referentin vom Theaterinstitut in Prag gab im Dientzenhofer-Saal des Klosters Speinshart einen Überblick über die ehemals deutschen Musik- und Sprechtheater in der tschechischen Hauptstadt. Ausführlich ging Jitka Ludvová auch auf das kulturelle Miteinander von Deutschen und Tschechen ein.

Reger Austausch

"Seit einigen Jahren gibt es wieder eine deutsche Theaterszene in Prag", berichtete sie. Jedoch habe es schon im 19. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik etwa 20 deutschsprachige Bühnen und eine Reihe von Wandertheatertruppen gegeben. Auch in Prag habe eine deutsche Bühne existiert, und tschechische Theaterleute seien rege am Theaterleben in Berlin und Wien interessiert gewesen. Aber nach dem Zweiten Weltkrieg hörte der Austausch abrupt auf. "Mit der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung verschwand auch das deutsche Theater", bedauerte Ludvová.

Eine wichtige Quelle war für sie das Buch über die "Geschichte des Theaters in Mähren und Österreichisch Schlesien" des Historikers Christian d'Elvest. Demnach gab es erste Spielstätten in Karlsbad, Brünn, Olmitz, Budweis, Troppau, Eger und Marienbad. Der 1776 erschienene Theaterkalender und der Almanach für Freunde der Schauspielkunst listen die Aufführungen genau auf.

Im zweiten Teil ihres Vortrags widmete sich die Referentin nicht nur dem deutschen, sondern auch dem tschechischen Theater in Prag. Dabei beschrieb sie die Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Sie erinnerte an die Blüte des Musiktheaters, das die Uraufführung der beiden Mozart-Opern "Don Giovanni" und "La clemenza di Tito" ermöglichte.

"Das tschechische Theater entstand am Ende des 18. Jahrhunderts am Rande des damals dominierenden Theaterwesens", erklärte sie, allerdings " mit der Aktivität von Dilettanten repräsentiert". In dem auf dem Wenzelsplatz gegründeten Tschechischen Theater wurden Stücke in der Landessprache aufgeführt. 1860 erfolgte die Trennung des deutschen und des tschechischen Theaters, 1883 die Eröffnung des tschechischen Nationaltheaters und fünf Jahre später des Neuen Deutschen Theaters.

Schwierige Lage

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Position der Deutschen Bühne in der tschechoslowakischen Republik schwierig. Um 1930 stand es kurz vor dem Zusammenbruch, nachdem es tschechische Aktivisten besetzt hatten. Deutsche Theaterleute gründeten die von Privatleuten finanzierte Kleine Deutsche Bühne.

Nach 1933 spielte die Prager Deutsche Bühne eine große Rolle bei der Unterstützung der Flüchtlinge aus Deutschland. Die Künstler verhalfen bei ihrem Engagement dem Ensemble zu herausragenden künstlerischen Leistungen. 1938, als sich nach dem Münchner Abkommen das Deutsche Theater auflöste, endete die 200 Jahre dauernde Geschichte des deutschen Theaters in Böhmen.
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