Deutsche Schachhochburg
Baden-Baden

Mit dem Grenke Chess Classic ging in diesem Monat in Baden-Baden das stärkste Turnier Deutschlands über die Bühne. Damit hat diese Stadt ihren Ruf als Schachhochburg weiter gefestigt. Sie knüpft damit an die Glanzzeiten des 19. und 20. Jahrhunderts an.

Das 1996 in Baden-Baden gegründete Schachzentrum hat sich mittlerweile als bedeutendes Zentrum des europäischen Schachs etabliert. Dieses und Mäzen Wolfgang Grenke, Vorstandsvorsitzender des Bankhauses Grenke-Leasing AG, waren Garanten dafür, dass die Schachgesellschaft Baden-Baden bereits zum zehnten Mal in Folge deutscher Mannschaftsmeister wurde.

Das Turnier sah mit Weltmeister Magnus Carlsen, Exweltmeister Viswanathan Anand, dem Weltranglistenzweiten Fabiano Caruana und der Nummer 6, Levon Aronian, vier Spieler aus den Top 10 am Start. Es wurde komplettiert durch Michael Adams (17), Etienne Bacrot (39), der deutschen Nr. 1 Arkadij Naiditsch (49) und dem deutschen Nationalspieler David Baramidze (236).

Nach sieben hart umkämpften Runden gab es Gleichstand an der Spitze. Der Weltmeister hatte mit 4,5 Punkten ebenso viele Punkte auf dem Konto wie die deutsche Nr. 1, Arkadij Naiditsch. Den Sieg holte sich der Weltmeister erst durch den Gewinn. Aus diesem Turnier zeigt unsere Partie eine Neuauflage des letzten Weltmeisterschaftskampfes.

Weiß: Viswanathan Anand

Schwarz: Magnus Carlsen

1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 e6 4.c4 c6 5.Sf3 d5 6.0-0 Ld6 7.b3 De7 8.Se5 0-0 9.Sd2 a5 10.Lb2 Sbd7 11.Dc2 a4 12.Sdf3 Se4 13.e3 a3 14.Lc3 Sxe5 15.Sxe5 Ld7 16.Sxd7 Dxd7 17.c5 Lc7 18.b4 h5 19.Le1 e5 20.dxe5 Lxe5 21.Td1 De6 22.f3 Sf6 23.Lh3 g6 24.e4 dxe4 25.fxe4 Lb2 26.exf5 Dxa2 27.Lf2 g5 28.Tfe1 Df7 29.Te6 Sg4 30.Lxg4 hxg4 31.Tg6+ Kh7 32.Td7 Dxd7 33.f6 Dd1+ 34.Dxd1 Kxg6 35.Dd3+ Kh6 36.h4 gxh3 0-1

Tagesnotizen: Die Taktikaufgabe Nr. 91a entnehmen wir dem heute vorgestellten Buch. Der Autor hatte sie beim Liechtenstein Open 1999 gegen den holländischen IM (heute GM) Karel Van der Weide gespielt. Weiß kämpfte um das Remis. Dies änderte sich jedoch nach dem letzten Zug von Schwarz, in dem dieser den angegriffenen Turm f8 nach 0...Tf7 zog. Sehen Sie, wie Weiß diesen Fehlzug noch zu seinen Gunsten nutzt?

Mit Aufgabe Nr. 91b bieten wir einen Vierzüger des Internationalen Meisters für Schachkompositionen zum Lösen an. Weiß steht einer materiell großen schwarzen Übermacht gegenüber. So erhebt sich die Frage, wie die drei weißen Figuren ein Mattnetz bauen. Sehen Sie, wie Weiß dabei vorzugehen hat? Ein Pluspunkt: Der weiße König steht sicher.

Lösungen: Die Position zu Taktikaufgabe Nr. 90a (Seyb-Safarli, W: Kb1, Da7, Td1, Lc1, Lf5, Ba2, b2, c2, d5, g4, h3 [11], S: Kg8, Dc8, Te5, Lf6, Sc4, Ba6, b5, d6, f7, g7, h6 [11]) kam beim letztjährigen Katar-Masters aufs Brett. Der junge deutsche FM Alexander Seyb hatte gegen den aserbaidschanischen GM Eltaj Safarli in der Erwartung auf einen Wegzug der Dame zuletzt 1.Lf5? gezogen. Für Schwarz war dies jedoch der Start zu einer schönen Gewinnkombination, mit 1...Txf5! eingeleitet. Mit dem Qualitätsopfer demaskiert Schwarz die Diagonale a1/h8. Nach2.gxf5 lässt Schwarz2...Sa3+! folgen, worauf Weiß die Waffen streckte. 3.bxa3 würde die Diagonale zum weißen König völlig öffnen. Nach 3...Dc3 gäbe es gegen 4...Da1# kein Mittel.

Würde Weiß den Springer nicht schlagen, 3.Ka1, so 3...Dxc2, und Schwarz kann sich entscheiden, ob er mit 4...Db1# oder, nach einem Wegzug des Läufers mit 4...Dxb2# matt gesetzt werden will.

Zu erwähnen bleibt noch, dass Schwarz nach 2.b3 mit Gegenangriff auf den Springer den weißen König mit 2...Sa3+ 3.Lxa3 Dc3 4.Kc1 Da1+ 5.Kd2 Lg5+ 6.Ke2 De5+ 7.Kd3 Tf3+ 8.De3 Dxe3# erledigt.

Kaltblütig hat der Großmeister die ihm gebotene Chance genutzt!

In den Dreizüger der Aufgabe Nr. 90b (Höller, W: Ke7, Tb2, Lg1, Se1, Be4, e5 [6], S: Kc6, Bc7, f4, f7 [4]) hat der bekannte oberbayerische Problemkomponist zwei Stolpersteine eingebaut. So führt 1.Sf3? nicht zum Ziel. Weiß beabsichtigt damit, mit 2.La7 das kritische Feld d4 zu überschreiten, um nachfolgend mit 3.Sd4# matt zu setzen. Dagegen wehrt sich Schwarz erfolgreich mit 1...f5!, da der schwarzen König nach 2.La7 fxe4 das Fluchtfeld d5 erhält.

Auch 1.Sd3? führt in die Irre. Weiß strebt damit 2.Tb8 mit Überschreitung des kritischen Feldes b4 und nachfolgendem 3.Sb4# an. Diese Absicht macht 1...f3! zunichte. 2.Tb8 (droht 3.Sb4#) würde Schwarz mit 2...f2! beantworten. Der Bauer unterbricht die Läuferlinie und liefert nach 3.Sb4+ das Fluchtfeld c5.

Erst der Auswahlschlüssel 1.Sc2!macht die Aufgabe wasserdicht. Auf 1...f3muss Weiß zum "Antikritikus" 2.La7! greifen. Antikritisch deshalb, weil der Läufer, um nicht ausgesperrt zu werden, das kritische (Matt-)Feld d4 überschreitet. Auf jeden schwarzen Zug, 2...f2/f6/f5, folgt 3.Sd4#: Die schwarze Antwort 1...f5 zeigt das gleiche Lösungsschema. Die drohende Eroberung des Fluchtfeldes d5 muss Weiß mit dem Springerausfall nach b4 beantworten. Dies würde die Wirkungslinie des Turms unterbrechen. Deshalb geschieht vorbeugend und ebenfalls "antikritisch" 2.Tb8! und auf jeden schwarzen Zug, auch auf 2...fxe4,3.Sb4#.
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