Deutsche Weltmeister
Fernschach

Schon wieder fünf Jahre ist es her, dass nach Horst Rittner (1975) und Dr. Fritz Baumbach (1990) mit Ulrich Stephan aus Altlussheim bei Hockenheim, der am 7. Mai 45. Geburtstag feierte, ein dritter Deutscher Fernschachweltmeister wurde.

Beim Fernschach sitzt kein Gegner am Brett gegenüber. Vielmehr werden die Züge per Postkarte, Fax, E-Mail, auf einem Server oder durch andere Medien übermittelt. Bei durchschnittlicher Bedenkzeit von drei Tagen pro Zug kann eine Partie schon einige Monate dauern. Im Gegensatz zur "normalen" Schachpartie ist beim Fernschach jedes Hilfsmittel, insbesondere die Verwendung von Schachcomputerprogrammen, erlaubt.

Nationale Turniere werden von nationalen Fernschachverbänden organisiert. In Deutschland ist das der 1946 in Frankfurt/Main gegründete Deutsche Fernschachbund e.V. (www.bdf-fernschachbund.de). Internationale Turniere, auch Weltmeisterschaften, richtet die "International Correspondence Chess Federation" (ICCF) aus.

Sehen Sie eine bemerkenswerte Partie des dritten deutschen Weltmeisters vom Finale der Fernschachweltmeisterschaft 2007 bis 2010 gegen den Brasilianer Luis Almiron.

Weiß: Luis Almiron (Elo 2575)

Schwarz: Ulrich Stephan(Elo 2579)

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 dxc4 6.e4 b5 7.e5 h6 8.Lh4 g5 9.Sxg5 hxg5 10.Lxg5 Sbd7 11.g3 Lb7 12.Lg2 Db6 13.exf6 0-0-0 14.0-0 c5 15.d5 b4 16.Sa4 Db5 17.a3 exd5 18.axb4 cxb4 19.Le3 Sc5 20.Sxc5 Lxc5 21.Dg4+ Td7 22.Dg7 Thd8 23.Lxc5 Dxc5 24.Lh3 Kc7 25.Lxd7 Txd7 26.Dg5 Kb6 27.Df5 Db5 28.Tae1 d4 29.Df4 Dd5 30.f3 Dd6 31.Dd2 c3 32.Df2 Dc5 33.Te7 Lc6 34.Tc1 a5 35.h4 d3 36.bxc3 Dxf2+ 37.Kxf2 d2 0-1

Tagesnotizen: In Partie zu Taktikaufgabe Nr. 96a, die beim Londoner Turnier 1964 gespielt wurde, hatte der damals 16-jährige Newcomer seinen großen Gegner, den mehrfachen englischen Meister Jonathan Penrose, glatt überspielt. Doch flößte ihm der große Name seines Gegners offenbar so großen Respekt ein, dass er Remis anbot, was Penrose hoch erfreut sofort annahm. Dabei hätte der Jüngling mit einer schönen Kombination den Gewinn einfahren können. Sehen Sie, was dem Weißen seinerzeit entgangen ist?

Mit dem Dreizüger in Aufgabe Nr. 96b stellen wir den Lesern erstmals den renommierten schwäbischen Problemschachkomponisten Ralf Schreyer aus Krumbach vor. So manchem mag der 55-Jährige, Leiter des Jobcenters des Landratsamtes Günzburg, von den vier Bänden "Kniffelige Schachaufgaben", insbesondere als Co-Autor des Bandes I, bekannt sein, enthalten diese doch über 150 seiner hochkarätigen Aufgaben, die seit 1989 in der Augsburger Allgemeinen veröffentlicht wurden. Die heutige Aufgabe sollte die Löser vor keine unüberwindbaren Hürden stellen. Doch ist genaue Stellungsanalyse angesagt.

Lösungen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 95a(Wei-Haast, W: Kb1, Dh3, Td1, Tf1, Le3, Sb3, Sc3, Ba2, b2, c2, e4, f5, g2, h2 [14], S: Ke8, Dc7, Tc8, Th8, Lb7, Lf8, Sg8, Ba6, b5, d7, e5, f7, g7, h4 [14]) wurde beim diesjährigen Schachfestival in Wijk aan Zee zwischen dem erst 15-jährigen chinesischen GM Yi Wei und der 21-jährigen niederländischen WIM Anne Haast gespielt. Schwarz hatte gerade 0...Tc8? gezogen, um auf der c-Linie für Gefahr zu sorgen. Besser wäre 0...Sf6! gewesen.

Tatsächlich erlaubt der natürliche Entwicklungszug einen bilderbuchmäßigen Königsangriff. Mit 1.f6! öffnet Weiß für die Dame die Diagonale c8/h3, auf der sich Feld d7 als Schwachpunkt erweist. 1...Sf6 2.Txf6! Sofort beseitigt Weiß unter Qualitätsopfer den soeben etablierten Verteidiger des Feldes d7, um nach 2...gxf6 3.Lb6! folgen zu lassen. Die schwarze Dame ist zu 3...Dc6 gezwungen, da sie das Mattfeld d7 zu decken hat.4.Sa5!wiederum zwingt Schwarz zu 4...De6. Nun holt sich Weiß mit 5.Sxb7 die zweite Figur für den geopferten Turm.

Nach5...Tb8(Schwarz hat nichts Besseres: Nach 5...Dxh3 6.gxh3 Tb8 7.Sd6+ Lxd6 8.Txd6 steht Weiß auf Gewinn.) folgt der Hammer 6.Sd5!, der schon zu Beginn der Kombination gesehen werden musste. Nach 6...Dxh3wird Schwarz fein matt gesetzt: 7.Sc7+ Ke7 8.Lc5+! d6 9.Txd6!! f5 10.Sd5+! Ke8 11.Sf6+ Ke7 12.Tc6#. 6...Txb7, wie in der Partie geschehen, gestattet jedoch 7.Dc3! Dc6 8.Sxf6+! Ke7 (8...Dxf6 9.Dc8+ Ke7 10.Ld8+ und Schwarz verliert Dame und Turm)9.Ld8+ Ke6 (9...Kxd8 10.Dxc6) 10.Dh3#.

Ein grandioser Königsangriff des 15-Jährigen! Die wohl schönste Partie des diesjährigen Wijk-Festivals!

Der Zweizüger inAufgabe Nr. 95b (Páros, W: Ka1, Dh7, Tb6, Td1, La7, Lc6, Sc4, Sg3, Bb2, d3, e2 [11], S: Kd4, Dg2, Te4, Tf5, Lh3, Lh6, Sc5, Ba5, e5, f2, f6, h4, h5 [13]) hatte es gehörig in sich. Wie bei Zweizügern üblich ist es auch bei diesem nützlich, die Satzspiele unter die Lupe zu nehmen, also probeweise Schwarz anziehen zu lassen. Folgende Satzmatts sind erkennbar: 1...Txe2 2.Sxe2#, 1...Tef4 2.e3#, 1...Tg4 2.Sxf5#, 1...Sb3 2.Txb3#. Allerdings bringen uns diese Satzspiele der Lösung nicht viel näher. Ganz anders sieht es bei den Zügen des Turms f5 aus. Satzmatts scheitern regelmäßig an der Verteidigungskraft des Springers c5. So liegt es nahe, diese im Schlüsselzug auszuschalten. Dies schafft das Turmopfer 1.Tb4!, mit dem Weiß eine Springer/Turm-Batterie aufbaut, den Springer c5 fesselt und deshalb das Fesselmatt 2.Dd7# droht. Folgende Paraden gegen das Drohmatt stehen Schwarz zur Verfügung:

a) Züge des Turms e4, um 2...Dd5 zu ermöglichen:

1...Te3 (Block)2.Sxa5# nach Batterienutzung, 1...Txe2 2.Sxe2#, 1...Tg4 2.Sxf5# und 1...Tf4 2.e3#.

b) Züge des Turms f5, wonach Läufer h3 das Mattfeld d7 deckt:

1...Tf4 und 1...Tg5(Lg2) 2.dxe4#, 1...Tf3 2.Dxe4# mit Fesselmatt.

Interessant zu sehen, wie die schwarzen Türme jeweils die Linie einer schwarzen Figur öffnen, gleichzeitig die einer anderen schwarzen Figur schließen, was Weiß zum Matt nutzt, eben ein Bi-Valve.

Hervorragend komponiert und zu Recht mit dem 1. Preis bedacht!
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