Deutscher Dezemberfilm "Alles ist Liebe": So stressig kann Weihnachten sein
Zu viele Kugeln am Christbaum

An und vor Weihnachten wird alles gut: Kerem (Fahri Yardim, links) und Simone (Katharina Schüttler, rechts) umarmen erleichtert ihre aus dem Fluss gerettete Tochter Lotte (Katerina Gehrckens). Bild: Universal
Weihnachtsfilme sind ein heikles Genre. Die Gefahr, mit einer Überdosis Rührseligkeit in zuckersüße Belanglosigkeit abzustürzen, lauert hinter jedem Tannenzweig. Der deutsche Komödienspezialist Markus Goller ("Friendship!", "Frau Ella") vermeidet zu Beginn seines prominent besetzten Ensemblefilms "Alles ist Liebe" alle Betulichkeiten und legt Tempo vor. Action statt Adventsruhe. Da bleibt die Figurenzeichnung zwangsläufig eher schematisch.

Kurz vor dem Fest der Liebe regiert der ganz normale Wahnsinn, hektische Betriebsamkeit allerorten: Verkäuferin Kiki (Nora Tschirner) trifft nach zehn Jahren ihre große Liebe Jan (Tom Beck) wieder, der sich vom netten Jungen von nebenan zum eitlen Filmstar gewandelt hat. Kikis schwuler Bruder Viktor (Christian Ulmen), ein Vollstreckungsbeamter, will endlich seinen Freund Klaus (Friedrich Mücke), einen Bestatter, zum Traualtar führen.

Von ihrer Ehe verabschieden kann sich Clara (Heike Makatsch), als sie vom Seitensprung ihres Mannes Hannes (Wotan Wilke Möhring) erfährt, der aber dann reumütig um Ehefrau und Kind kämpft. Und so langsam wird es dann doch rührselig: Die herzensgute Simone (Katharina Schüttler) vergibt ihrem chaotischen, arbeitslos gewordenen Mann Kerem (Fahri Yardim) jeden Fauxpas, auch wenn der Gabentisch der Kinder leer bleibt. Und dann ist da noch Elmar Wepper als gestrandeter, obdachloser Weihnachtsmann-Darsteller Martin mit Bierfahne.

Kurzweilig ist dieser Beziehungsreigen auf jeden Fall geraten, aber zum Ende hin landet Gollers Chaos-Komödie dann doch unvermeidlich im zuckersüßen Happy-End. Inklusive leuchtender Kinderaugen und Schnee an Heiligabend. Wie ein überladener Weihnachtsbaum mit zu vielen Kugeln wirkt dieser Film: Ein paar Figuren weniger wären mehr gewesen. Und von diesen Menschen und ihrem wirklichen Leben mitten im Stress der Weihnachtszeit hätten wir dann gerne etwas mehr erfahren.

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Regie: Markus Goller - Mit Heike Makatsch, Katharina Schüttler, Nora Tschirner, Wotan Wilke Möhring, Tom Beck, Christian Ulmen, Elmar Wepper - Musik: Annette Focks - Prädikat: wertvoll - 120 Minuten - frei ohne Altersbeschränkung - alles-ist-liebe.tumblr.com
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)12-2014 (6638)
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