Diabetes ein Leisetreter

Jeder Fünfte ist an Diabetes erkannt. Weil diese Stoffwechselkrankheit nicht weh tut, wird sie oft zu spät erkannt. Wer zuckerkrank ist, sollte sich rechtzeitig das richtige Schuhwerk besorgen.

Kemnath. (jzk) Warum das so wichtig ist, erklärte der Orthopädieschuhmachermeister Benjamin Prexler beim Seniorenclub. "Diabetes ist kein Zuckerschlecken", warnte er im Kormannsaal. Diese gefährliche Krankheit könne jeden treffen. Der Filialleiter des Sanitätshauses Schug am Marktplatz wies auf die Unterschiede zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2 hin und nannte die wichtigsten Anzeichen für Zuckerkrankheit: trockene oder juckende Haut, Müdigkeit, Durst, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und starker Harndrang.

"Jeder Diabetiker ist anfällig für Infektionen und Pilzbefall", betonte Prexler. Wunden und Verletzungen würden schlechter heilen. Kleine und große Blutgefäße seien beschädigt oder verschlossen und die Knochensubstanz sei verändert. "Es kommt zu Durchblutungsstörungen, das sensomotorische Gefühl ist eingeschränkt, das Wärme- und Kälteempfinden nimmt ab, Gewebe und Nerven sterben ab", beschrieb Prexler den Krankheitsverlauf. Weil das Schmerzempfinden gestört ist, werden Verletzungen oft zu wenig beachtetet und deshalb erst sehr spät entdeckt.

Regelmäßig Arztbesuche, Ernährungsumstellung, Abnehmen, viel Bewegung seien unbedingt notwendig, betonte der Redner. Sehr wichtig sei auch die Eigenkontrolle der Füße und die Überprüfung auf Verletzungen, die wegen der Schmerzunempfindlichkeit nicht bemerkt werden. Außerdem empfahl er regelmäßige Fußpflege, ein spezielles Schuhwerk sowie dessen richtige Anpassung durch einen orthopädischen Fachmann.

Diabetikereinlagen müssten mit einem dreischichtigen Material versehen sein, betonte er. Individuell angepasste Einlagen, Orthopädieschuhe und weitere Hilfsmittel fertige ein orthopädischer Schuhmachermeister an. Bei der Bestellung benötige der Patient eine ärztliche Verordnung.

Um Schmerzen beim Laufen zu ersparen, muss der orthopädische Schuhmacher beim Anpassen erkennen und berücksichtigen, wie schwer die Zuckerkrankheit die Füße bereits geschädigt hat. Wer sich nicht mit einem "Kassenmodell" zufrieden gebe, müsse den Aufpreis selbst zahlen. Die Herstellung orthopädischer Schuhe und Einlagen erfordere viel Handarbeit, denn kein Fuß gleiche dem anderen.

Prexler benötigt bei seiner Arbeit viele unterschiedliche Materialien wie Kunststoffe, Metalle und verschiedene Lederarten. Handwerkliches Geschick, Erfahrung, Hintergrundwissen über das Zusammenspiel zwischen Knochen, Nerven und Muskeln sowie umfangreiche Kenntnisse über Diabetes sind grundlegende Voraussetzungen für seine Arbeit.

Auf Anfrage gab er auch die Preise und die Kostenerstattung durch die Krankenkasse bekannt. Bereitwillig beantwortete er Fragen der Zuhörer. Reinhard Herr bedankte sich bei ihm mit einem Präsent.
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