Die alte Liebe des Siegfried Walter

Dank der Initiative von Siegfried Walter spart die Gemeinde Bärnau enorm Heizkosten. Die Abdeckfolie hilft bei frischer Lufttemperatur, das Wasser lange Zeit warm zu halten.

Er ist mit "seinem" Freibad verwurzelt wie wohl kaum ein anderer Schwimmmeister. Und dennoch denkt der "Sigi" langsam ans Aufhören. Aber glauben mag das eigentlich niemand.

Im höchstgelegen Freibad der Region führt Siegfried Walter seit 1974 das Regiment. Ehefrau Roswitha ist seit 35 Jahren für den Kiosk zuständig. Ohne Walter gäbe es das höchstgelegene Bad der Region wohl schon seit 15 Jahren nicht mehr. Denn seit er Rentner ist, arbeitet er ehrenamtlich für "sein" Bad und kostet der Stadt Bärnau keinen Cent. "Hier bin ich zu Hause", heißt der Titel unserer Serie und der passt perfekt zu Siegfried Walter, der praktisch im Waldfreibad Altglashütte wohnt.

Von April bis Oktober werkelt er täglich etwa 12 Stunden in der Badeanstalt, die Gäste von weither anlockt. Etwa 30 000 sind es, die hier jedes Jahr die heiße Jahreszeit genießen. Sie kommen aus Floß, Flossenbürg, Weiden, Neustadt/Waldnaab, Plößberg, Tirschenreuth, Wiesau und sogar aus Eger.

Bad mit gebaut

"Du hast es schön", werde er immer von den Bekannten gefoppt, "kannst den ganzen Tag im Bad verbringen und schöne Mädels anschauen. Stimmt schon", schmunzelt er. Aber die vielen Aufgaben, die täglich auf den 74-Jährigen warten, sieht niemand.

Die außergewöhnliche Liebe zum Bad geht lange zurück. Siegfried Walter war von Beruf Maurerpolier bei der Baufirma Franz in Hohenthan. Von 1970 bis 1972 arbeitete er in dieser Funktion aktiv bei der Anlage des Freibades mit. Als dann ein Bademeister (das hieß damals noch so) gesucht wurde, bewarb sich der 32-Jährige für den Job. Er wurde eingestellt und machte 1973 gleich freiwillig die Ausbildung zum Schwimmmeister. Das war in Saarbrücken, denn in Bayern war sie damals noch nicht Pflicht.

Sein Engagement beschreibt er so: "Das war so als hätte ich am eigenen Haus mitgebaut. Ich kenne hier jede Leitung und jeden noch so versteckten Winkel." Vier Bürgermeister waren die Chefs im Rathaus in dieser langen Zeit. "Sie waren alle zufrieden mit meiner Arbeit", weiß Mister Freibad aus deren eigenen Mündern.

Kinderfreundliches Bad

"Wer eine solche Anlage in Schuss halten will, muss auch immer wieder renovieren und erneuern. Ständig ist etwas kaputt oder nicht mehr zeitgemäß. Besonders die vergangenen drei Jahre war viel zu machen. Aber ich werde alles tun, um das Bad solange wie möglich zu erhalten."

Die neueste Investition belief sich auf 20 000 Euro für die Restaurierung und Ausstattung mit neuen Spielgeräten für das Planschbecken. "Aber das war jeden Cent wert, denn Kinder sind unsere Zukunft und wir sind vor allem ein kinderfreundliches Bad", sagt Siegfried Walter.

120 000 Liter Heizöl verschlang die Heizung in den Anfangsjahren. Jetzt werden noch zwischen 10 000 und 20 000 Liter verbrannt. Abdeckfolien, die auf die Initiative des Bademeisters angeschafft wurden, und Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Betriebsgebäude ist dieser enorme Spareffekt zu verdanken. Die Solarzellen heizen auch das Wasser für die sechs Warmduschen auf. Ein kostenloser Luxus, wie auch seit neuestem das W-LAN. Zehn Tagwerk Grundfläche weist die Anlage auf, davon sind allein 2,5 Liegewiese in Hanglage.

Von dort hat der Gast einen hervorragenden Blick auf das Bad. Und als landschaftliche Zugabe fließt der Silberbach mitten hindurch. Siegfried Walter hat seine täglichen Arbeiten so optimiert, dass er, bevor in der Früh der große Ansturm kommt, sein Bad für eine halbe Stunde lang aus dem Wasser heraus genießen kann. Seit 2001 existiert der Förderkreis Freibad und setzt zusammen mit Siegfried Walter alles daran, dass die Einrichtung erhalten bleiben kann.

Der Schwimmmeister vom Altglashüttener Waldfreibad" denkt aktuell, was aber bestimmt niemand ernsthaft glauben wird, tatsächlich ans Aufhören. Einen Nachfolger will er zuvor noch für sein "großes Kind" das Rüstzeug mit auf den weg geben, damit der in seinem Sinne die Anlage weiterführen kann.

Nicht das Siegfried Walter keine Lust mehr hat. "Aber ich habe drei Kinder und acht Enkel, die auch etwas von mir haben wollen. Dazu wollen mein Haus und mein Garten gepflegt werden." Und da ist dann noch das Hobby, das Siegried Walter gewaltig umtreibt. Seine kreative Ader, die endlich mehr zu ihrem Recht kommen möchte. In seiner Werkstatt will er, noch viel mehr als bisher, Accessoires für den Garten herstellen. Zum Beispiel Blumen aus Blech oder gegenläufige Windräder und viele andere Dinge. Kunsthandwerk war schon immer sein Steckenpferd. Aber nie fand er die nötige Zeit dafür.

"Walter-Naturfreibad"

Er wäre schwer enttäuscht, müsste das Bad einst geschlossen werden. Wenn nicht, ist zu erwarten, dass es künftig in "Siegfried-Walter-Naturfreibad" umbenannt wird.
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