Die Beweise

Die Expertise des Historikers Dr. Stefan Hördler verträgt sich nicht mit Johann Breyers früheren Einlassungen in den USA. "Breyer sagte, er wäre immer nur in der großen Postenkette eingesetzt gewesen, ums Lager rum - ganz weit außen rum -, wo man das Lager gerade mal sieht", fasst Staatsanwalt Christian Härtl zusammen. Häftlinge habe er dabei nicht gesehen. Nur drei Mal habe er Arbeitskommandos bewacht.

Ohnehin sind Breyers Aussagen in sich widersprüchlich. "Ich habe mal nachgezählt: Es gibt zehn verschiedene Äußerungen von ihm", sagt Härtl. Für die Weidener Staatsanwälte steht nach ihren Recherchen fest: Johann Breyer, Werkzeugmacher aus Philadelphia und Vater zweier Söhne, hat sich in seinem Erwachsenenleben seine Rolle in Auschwitz kleingeredet. Vor einem US-Gericht sagte Breyer einmal, sogar seine Waffe war ungeladen. Gerhard Heindl: "Völlig unglaubwürdig."

Völlig unglaubwürdig sei auch Breyers Version, er sei nach einem Heimaturlaub im Sommer 1944 nicht mehr nach Auschwitz zurückgekehrt. Noch im Januar 1945 stellte er persönlich in Pressburg Antrag auf Angehörigen-Unterhalt für seine Eltern. Als seine Einheit wird die Waffen-SS in Auschwitz angegeben. Dieser Antrag liegt in Weiden in beglaubigter Kopie aus dem russischen Militärarchiv vor.

Historiker Hördler kann die militärische Laufbahn von Breyer relativ genau nachvollziehen. Der 17-jährige Breyer gehörte demnach zu einer Gruppe von 302 slowakendeutschen Rekruten. Sie hatten sich im November 1942 nach einem Aufruf des Karpatenführers Franz Karmasin freiwillig zur SS gemeldet. Drei Monate vor seinem 18. Geburtstag wurde Breyer mit den anderen Rekruten zur Basisausbildung in das KZ Buchenwald geschickt und zunächst dort eingesetzt. Im Juli 1943 - und nicht erst 1944, wie Breyer behauptete - ist diese Gruppe nach Auschwitz verlegt worden. Sie sollte ukrainische "Hilfswillige" ersetzen, nachdem es unter diesen zu vermehrter Fahnenflucht gekommen war. Ein Beweismittel ist auch eine Zeitungsannonce aus der slowakendeutschen Zeitung "Der Grenzbote" . Am 22. Dezember 1943 erschien dort die Anzeige: "Zum Neuen Jahr grüßen aus Auschwitz die SS-Männer: ... (es folgen 19 Namen) Johann Brejer."

Es lässt sich aber auch belegen, dass Johann Breyer tatsächlich weg wollte aus Auschwitz. Im April 1944 sprach er bei einem Heimaturlaub mit dem Bezirksvorsitzenden der Deutschen Partei, Adalbert Wanhoff. Dieser setzte sich daraufhin in einem Brief an Volksgruppenführer Franz Karmasin dafür ein, dass Breyer zurück auf den elterlichen Hof dürfe. Seine Arbeitskraft sei dort aufgrund des Alters seiner kränklichen Eltern unabkömmlich. Karmasin schrieb daraufhin an die Waffen-SS in Pressburg und bat ebenfalls um Breyers Entlassung. Auch diese Briefe liegen in Weiden vor. (ca)
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