Die Breidbach-Berichte

Die drei Briefe sind verlorengegangen. Der erste datiert vom 9. September 1942, der zweite vom 31. Oktober und der dritte wurde im November verfasst. Andreas M. Rauch zitiert in seinem Buch "Ein Offizier gegen Hitler - Oberleutnant Dr. Randolph von Breidbach-Bürresheim (1912-1945)" Passagen, die aus den Prozessunterlagen stammen:

". . .wie der russische Mensch halb verachtend, halb wohlwollend belehrend 'nei Kultura'sagt, wenn z.B. von den deutschen Besatzungstruppen von einer nach hunderten zählenden Menschenmenge mitten in einer Stadt Verurteilte erhängt oder mit dem Genickschuss erledigt würden. "

"Auf dem Lande knien die Menschen nieder, wenn gerade ein Priester vorbeikommt, um von dessen Hand den Segen zu empfangen. SS-Posten, die dies bemerken, schlagen die Priester bewusstlos und stoßen die Knieenden in den Straßengraben."

Von Breidbach schildert auch die Verzweiflung und die Untergangsstimmung in der Truppe. Er zitiert einen Soldaten, der eine höhere Position ablehnt, mit den Worten: " Ich müsste Schiebungen für die Bonzen organisieren und Judenfrauen erschießen, deren Blut, so sicher wir hier stehen auf uns zurückkommt. Hier stirbt es sich besser.""

Es finden sich auch Textpassagen über die menschenunwürdige Behandlung russischer Arbeitskräfte im deutschen Industrieeinsatz und darüber, dass die Verwandtschaft des Bolschewismus mit der nationalsozialistischen Staatsauffassung augenfällig sei. Den Natials "als Teil jener Kraft, die stets das Böse will". In einem seiner Briefe spricht er sich für die Wiedererrichtung Polens aus.

Als Antikommunist rät er: " . . . der übrigen Welt bleibt nur noch zu tun übrig, Russland die Befreierrolle Europas abzunehmen. Die europäische Befreiung muss auf die Erfolgsseite alten europäischen Gedankengutes gebracht werden. Deshalb muss die Entscheidung an einer west- oder südeuropäischen Grenze fallen, so schnell wie möglich, bevor die Größe des Elends den europäischen Völkern die letzte Urteilskraft nimmt und deren Hysterie unheilbar macht."
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