"Die Entscheidung fällt nicht vom Himmel"

Sie ist die Seele und das Gesicht von Regens Wagner Michelfeld. Still, bescheiden und einfühlsam, aber dabei doch immer irgendwie präsent und für jeden ein offenes Ohr: Schwester Madlen Kolbrand feiert in diesen Tagen ihr 50-jähriges Professjubiläum.

Die Ordensschwester lebt und arbeitet aber schon viel länger im Kloster. 1955 kam die gebürtige Freystädterin mit ihrer Mutter nach Michelfeld. Familiäre Umstände hatten zu diesem Schritt geführt. Das junge Mädchen besuchte die Volksschule in Auerbach und anschließend die Frauenfachschule für Handarbeit und Hauswirtschaft in Maria Medingen. Lehrerin wollte die junge Madlen aber nicht werden.

Damals reifte der Entschluss, in das Noviziat der Dillinger Franziskanerinnen einzutreten. Schon in ihren jungen Jahren lag ihr die Hilfe für andere Menschen sehr am Herzen. Der persönliche Weg nahm einen ersten Höhepunkt, als Schwester Madlen am 1. September 1965 in Dillingen an der Donau eingekleidet wurde.

Weg in die Krankenpflege

"Der Glaube an meine Berufung, das war ein Prozess. Die Entscheidung fällt nicht vom Himmel", erklärt Schwester Madlen im Gespräch mit unserer Zeitung. Beruflich entschied sie sich für eine Ausbildung in der Krankenpflege. Die drei Jahre absolvierte sie in Rottweil. Zu den Fächern gehörte Psychiatrie. Damit war klar, wohin der Weg führen würde.

1968 kehrte Schwester Madlen nach Michelfeld zurück, um behinderte Menschen zu betreuen und zu pflegen. Viele Ausbildungen und Lehrgänge folgten: in Dillingen, Freiburg oder Regensburg. Sie erwarb die Qualifikation als Gruppenleiterin und später auch als Pflegedienstleiterin. Sie arbeitete mit der Gesamtleiterin Schwester Jolenta Maier zusammen und wurde schließlich ihre Stellvertreterin.

Bereits seit 1955 verfügte das Kloster über eine eigene Wäscherei, die 1990 in die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) ausgegliedert wurde. An diese Entwicklung erinnert sich Schwester Madlen ebenso wie an die Veränderung in der Wohnpflege. Bereits Anfang der 1990er Jahre lagen Pläne für die modernen Wohngebäude von heute vor. "Dann kam die Wende, es war kein Geld da," erinnert sich die 70-Jährige. Erst Anfang 2000 konnten die Pläne in die Tat umgesetzt werden, 2004 wurde dann das neue Wohnpflegezentrum und die WfBM in ihrer heutigen Form eingeweiht.

"Die Zeit ist wahnsinnig schnell vergangen", sagt Schwester Madlen, die 2004 mit einem einschneidenen Erlebnis fertig werden musste. Schwester Jolenta Maier, starb nach langer Krankheit. Wie viele Momente hätte sie auch diesen nicht überstanden, wenn sie nicht ihren tiefen Glauben gehabt hätte. "Ohne Glauben weiß ich nicht, was aus mir geworden wäre," schmunzelt sie.

Gerne in der Natur

Privat widmet sie sich gerne der Musik, leitet die Musikgruppe bei Regens Wagner. Und wenn ihr doch einmal alles zu viel wird, dann geht Schwester Madlen in die Natur. Im Klausurgarten füttert sie die Vögel oder die Eichhörnchen, geht mit ihren Mitschwestern lange spazieren. "Ich liebe Michelfeld und die Umgebung", sagt sie sichtlich bewegt und hofft, noch lange Zeit in der Gemeinschaft mit ihren Mitschwestern verbringen zu dürfen. Auch wenn sie sich beruflich zurückziehen wird, die Bewohner und die Mitarbeiter liegen ihr immer noch am Herzen. Schwester Madlen ist und bleibt das Herz von Regens Wagner Michelfeld. Dafür und für ihre Engagement wurde sie 2012 mit der Auerbacher Bürgermedaille ausgezeichnet.

Am kommenden Samstag begeht Schwester Madlen Kolbrand mit ihrer Familie und geladenen Gästen ihr Professjubiläum. Dazu sind ein Festgottesdienst und eine kleine Feier vorgesehen.
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