Die Gaststube dient als Bühne

Mitten im Publikum spielten die Akteure ihre Szenen in der Ossingerhütte, hier von links Ben Luber, Günter Seibold und Jannik Renner. Bild: wku

Zwei Krankmeldungen kurz vor der Aufführung können eine Schauspieler-Truppe schon mal aus der Bahn werfen. Nicht so die Jugend des Königsteiner Bauerntheaters. Sie greift dann eben auf einen etwas reiferen Ersatzmann zurück.

Das Königsteiner Bauerntheater lud zu einem zünftig-bayerischen Abend auf der Ossingerhütte ein. In einem "vollen Haus" ging es urgemütlich zu. Der Abend gestaltete hauptsächlich der Nachwuchs.

Gleich zu Beginn kündigte Günter Seibold, der Leiter und Regisseur des Bauerntheaters, an, dass improvisiert werden müsse. Kurz zuvor hatten sich zwei jugendliche Schauspieler krank gemeldet. Um den Abend nicht ausfallen zu lassen, übernahm er kurzerhand selbst eine Rolle.

Mit der Jugendgruppe wolle er neue Schauspieler heranziehen, erklärte Günter Seibold. "Das Anliegen unseres Bauerntheaters ist es, die Oberpfälzer Mundart zu pflegen und weiter zu geben", erklärte er. "Als ich selbst noch jung war, lernte man den Oberpfälzer Dialekt und kein Englisch. Heutzutage lernt man Englisch, aber leider keine Mundart mehr" - und das bedauert Seibold sehr. Die jungen Darsteller allerdings zeigten, dass sie des Oberpfälzer Dialekts sehr wohl mächtig sind.

Begonnen wurde der Abend traditionell mit dem Ossingerlied, das Günter Seibold und Paul Pesold mit Hermann Bruhn an der Zither vortrugen. Eine Zeile darin heißt: "Die Hütte, das ist unser liebstes Haus". Die Ossingermusikanten sorgten mit Polkas und Zwiefachen für gute bayerische Unterhaltung. Günter Seibold unterhielt das Publikum mit - nicht immer jugendfreien - Witzen.

Im Sketch "Bierdimpfl-Unterhaltung" ging es um drei Bauern, die ihre Freizeit stets im Wirtshaus verbringen. Gespielt wurden sie von Jannik Renner, Ben Luber und Günter Seibold, der für den erkrankten Marius Köller einsprang. Auch der Ossingerwirt Gerhard Pirner spielte spontan mit. "Die dunkelste Gaststu'm is ma lieber als der hellste Arbeitsplatz", stellte Jannik Renner fest. Günter Seibold alias Alois eilte es nicht mit dem Heimgehen: "Lieber im Wald bei einer wilden Sau als daheim bei einer bösen Frau!"

Im Stück "Die Beichte" spielte Amelie Seibold einen reuigen Sünder, der dem Pfarrer (Sebastian Pirner) eine gestohlene Sau beichtet. Hans-Jürgen Pirner trug das Gedicht "Der dürre Jouasgang" vom Königstein Heimatdichter Georg Weiß vor. Linda und Christian Hirsch führten ein Zwiegespräch im Dunkeln. Die Zuschauer brüllten vor Lachen beim Stück "Im Biergarten", als Sebastian Pirner seiner Tischnachbarin Amelie Seibold erklärte, warum er ein schwarzes Kind adoptiert hatte: "Da weiß ich wenigstens, dass der Vater kein Preuße ist!"

Kilian Guttenberger spielte auf seinem Akkordeon zusammen mit seinem Großvater Paul Pesold. Schön anzuhören war auch der Zwiegesang zwischen Paul Pesold und seinen Enkeln Jakob und Benedikt.

Zum Schluss kündigte Günter Seibold an, dass das Königsteiner Bauerntheater im Juni auf der Freilichtbühne das Stück "Einmal König Ludwig sein" spielen wird.
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