Die Gemeinde springt nicht ein

Seit sieben Jahren gibt es das Mehrgenerationenhaus in Illschwang. Ursprünglich im evangelischen Gemeindehaus angesiedelt, zog es heuer an den Dorfplatz ins frühere Landgasthaus Neuberger um. Bild: no

Der Diakonieverein zieht sich als Träger zurück, die Nachbargemeinden drehen den Zuschuss-Hahn zu - im Mehrgenerationenhaus in Illschwang häufen sich in letzter Zeit die schlechten Nachrichten. Der Beschluss des Gemeinderats vom Dienstagabend reiht sich in diese Kette ein.

Dem Mehrgenerationenhaus (MGH) in Illschwang droht zum 31. Dezember das Aus. Bei seiner Sitzung am Dienstagabend lehnte der Gemeinderat den Antrag des Leiters Helmut Kellner ab, dass die Gemeinde das MGH ab 2015 in ihrer Verantwortung fortführt. Vor einigen Wochen hatte der bisherige Träger, der Diakonieverein Illschwang-Kastl, seinen Rückzug beschlossen.

Das voll besetzte Nebenzimmer im Landgasthaus Schmidt in Aichazandt verdeutlichte eindrucksvoll das große Interesse an der anstehenden Entscheidung. Der 1. Bürgermeister Dieter Dehling bedauerte, dass der Diakonieverein Illschwang/Kastl die weitere Trägerschaft für das Mehrgenerationenhaus abgelehnt hat.

Er wies darauf hin, dass die Gemeinde diese Einrichtung zuletzt mit jährlich 4500 Euro unterstützt hat. Bisher zahlten auch die Nachbargemeinden Weigendorf und Kastl etwas dazu. Sie wollen sich in Zukunft aber nicht mehr finanziell beteiligen. Aus dem Birgland erwartet Dehling einen ähnlichen Beschluss.

Die Gemeinde Illschwang sei bereit, ab 2015 einen Beitrag von 10.000 Euro zu leisten. Für 2015 hat bisher nur der Bund eine Förderung von 30 000 Euro bewilligt. Vom Landkreis seien keine Mittel für das MGH zu erwarten. Er wolle keinen Präzedenzfall schaffen.

Vergleich mit Freibad

Der Fraktionssprecher der CSU/BV, Werner Englhard, erkundigte sich bei Kellner nach Alternativen für den Fall, dass die Gemeinde der Übernahme der Trägerschaft nicht zustimmt. "Gegenwärtig gibt es keine anderen Angebote zur Übernahme der Trägerschaft", war die Antwort. Finanziell sei sie für die Gemeinde tragbar, glaubte Kellner. Er zog den Vergleich zum Freibad, das von der Gemeinde weiter betrieben wird, obwohl es Jahr für Jahr ein Minus einfahre. Der neue MGH-Standort konnte aus seiner Sicht kostengünstig auf die Beine gestellt werden.

Verzicht auf Stellungnahme

Zu den momentanen Betriebskosten merkte Hans Pirner an, dass die Heizkosten im Winter erheblich steigen würden. Außerdem wollte er wissen, weshalb es zum Ende der Trägerschaft des Diakonievereins gekommen ist. Der Gemeinderat lehnte es ab, dass der Vereinsvorsitzende Pfarrer Thomas Schertel eine Stellungnahme dazu abgibt.

Die Frage "Was wäre, wenn ..." spielte Bürgermeister Dehling für die Gemeinde als Träger des MGH durch. Sie müsste erst einmal die Stelle des Leiters neu ausschreiben. Sollte Helmut Kellner angestellt werden, müsste er seinen Sitz im Gemeinderat aufgeben. Außerdem könne der in Aussicht gestellte Unterstützungsbetrag von 10 000 Euro nicht gedeckelt werden. "Das würde bedeuten, dass die Gemeinde auch ein Minus des MGH zu tragen hätte", folgerte Dehling.

Heinz Pickel wies darauf hin, dass viele Mehrgenerationenhäuser Förder- und Trägervereine gegründet haben. Kellner entgegnete, dass dies auch vom zuständigen Bundesministerium begrüßt wird, doch fehle dafür das entsprechende Kapital als Basis.

"Unter Zeitdruck gesetzt"

Alfred Ebert und Hubert Sellner fühlten sich unter Zeitdruck gesetzt. Ihrer Auffassung nach hätten ein Finanzplan für die kommenden zwei Jahre sowie ein Haushaltsabgleich für die vergangenen beiden Jahre vorgelegt werden müssen, um dem Gemeinderat eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen. Die Kommune könne sich schließlich nicht auf ein finanzielles Abenteuer einlassen.

Der Gemeinderat folgte der Anregung des früheren Bürgermeisters Hans Pickel, ihre 10 000 Euro an die Bedingung zu knüpfen, dass bis zum 31. Dezember doch noch ein anderer Träger gefunden wird. Die Übernahme durch die Gemeinde lehnten die Räte einstimmig ab. Helmut Kellner nahm als persönlich Beteiligter an der Abstimmung nicht teil.
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