"Die Jungs haben das im Kreuz"

Sie sind in der Republik beste Werbung für die Stadt Weiden. Die SV-Wasserballer starten am Samstag, 8. November, mit dem Spiel in Krefeld in ihre achte Bundesligasaison. Dabei halten sie unbeirrt an ihrem Konzept fest, während andere Clubs fröhlich einkaufen gehen.

Weiden. (mr) Kleinster Etat, kleinster Spielerkader, kleinste Ansprüche: Die Wasserballer des SV Weiden wissen, dass sie in der Hauptrundengruppe B erneut vor einer schweren Bundesligasaison stehen. Trainer Gerhard Wodarz spricht im Interview über Überraschungen, Rückkehrer neue Regeln und das Saisonziel.

Hallo Herr Wodarz! Sie gehen in Ihre zweite Saison als Bundesligatrainer. Sie können also gut einschätzen, wie stark die Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr ist ...

Wodarz: Die Mannschaft ist von der Stärke her in etwa gleich geblieben. Aber jetzt zeichnet sich ja schon wieder ein Problem ab ...

Welches?

Wodarz: Jakob Ströll steht uns auf der sehr wichtigen Centerposition wahrscheinlich nicht komplett zur Verfügung. Er hat Abitur gemacht und zunächst keinen Studienplatz bekommen. Jetzt geht er demnächst auf Reisen. Er ist ein extrem wichtiger Spieler für uns. Er ist eigentlich der Einzige, der diese ganz typische Centerposition zu hundert Prozent ausfüllen kann, wenn er fit ist.

Immer wieder brechen dem Team Spieler weg, auch weil die Leute zum Studieren oder Arbeiten weggehen ...

Wodarz: Wir haben nach wie vor das Problem, dass der Kader zu dünn ist. Wir haben einen Stamm von sieben, acht Spielern, die auf dem gewünschten Niveau ein Spiel bestreiten können. Wenn wir einen starken, gleichwertigen Gegner haben, können wir nicht mit diesem Stamm voll durchspielen. Da müssen wir auch junge Spieler einsetzen können.

Über all die Jahre war es kein Thema: Aber war es zuletzt doch nicht einmal eine Überlegung wert, gezielt Neuzugänge zu holen?

Wodarz: Natürlich haben wir uns die Frage gestellt. Aber es ist weiter unser Ziel, junge Spieler einzubauen. Das ist meine und die Meinung von Irek (Luczak; Spartenleiter Wasserball). Das ist der richtige Weg. Die Jungs müssen Erfahrung sammeln, anders funktioniert das nicht.

Gibt es den einen Jungen, der in der Vorbereitung richtig auf sich aufmerksam gemacht hat?

Wodarz: Nikolaj Neumann ist so einer. Er macht ganz gute Fortschritte, aber er braucht noch ein bisschen Masse. Aber er hat vom Spielverständnis her alles, was man braucht. Auch Spieler wie Matthias Kreiner oder Louis Brunner zeigen sehr gute Ansätze. Die brauchen zwar noch ein, zwei Jahre, aber man sieht deren großes Potenzial.

Sie können jeden gebrauchen, der sich gut entwickelt ...

Wodarz: Ja, einen wie Michael Trottmann etwa. Er hat sich sehr gut gemacht. Aus einem Ersatzspieler ist da einer geworden, der das Geschehen im Wasser gestaltet. Er bringt sehr viel Druck für den Angriff, er ist auch sehr spritzig nach vorne, sehr konterstark und solide in der Verteidigung.

Immerhin haben Sie jetzt einen deutschen Meister in Ihren Reihen. Wie wichtig ist die Rückkehr von Thomas Kick von Spandau 04 zu seinem Heimatverein?

Wodarz: Er ist sehr wichtig für uns. Mit ihm bietet sich die Möglichkeit, die Verteidigung noch einmal zu stärken. Wir sind mit ihm da sehr gut aufgestellt. Schwierig wird es bei uns, wenn es nach vorne geht, da gibt es noch viel zu tun.

Vor der Saison ist die Ausländerregelung geändert worden. Jetzt können unbegrenzt ausländische Spieler eingesetzt werden ...

Wodarz: Sicher hätte uns da der ein oder andere Neue gut getan. Viele Vereine haben sich mit Ausländern verstärkt. Neustadt an der Weinstraße hat fast nur noch Ausländer in der Mannschaft. Selbst die Plauener haben sich nochmals mit zwei oder drei Ungarn verstärkt. Gegen solche Vereine wird es künftig schwerer. Wenn da vier Leute ausgewechselt werden und vier Neue reinkommen, dann ist das keine Schwächung. In solch einer Luxussituation sind wir nicht.

Wenn der Kader so dünn ist, greifen dann ein paar Oldies, wie etwa Alex Schäfer, wieder an?

Wodarz: Auf Alex können wir nur ganz sporadisch und auch nur in Heimspielen zurückgreifen. Er hat auch Trainingsrückstand. Und Serkan Dogdu hat ja schon vergangene Saison verletzungsbedingt aufgehört.

Die Junioren der U 17 spielen nächste Saison erstmals Bundesliga. Ist das ein Fluch oder ein Segen für die "Erste"?

Wodarz: Beides. Fluch, weil wir zumindest in der ersten Hälfte der Saison auf diese Spieler nicht zurückgreifen können. Segen, weil es sehr wichtig ist, dass diese Spieler Spielpraxis sammeln. Sie hatten bisher in der Jugend kaum ernstzunehmende Gegner. Da ging es in Bayern gegen Würzburg, das war's schon.

Wer sind Ihre Favoriten?

Wodarz: Definitiv Krefeld und Plauen. Und auch noch Potsdam, die haben sich, denke ich, gut verstärkt. Nachdem in Neustadt so viele Ausländer dazugekommen sind, kann man deren Stärke nicht einschätzen.

Wie lautet das Saisonziel?

Wodarz: Klassenerhalt. Von was anderem können wir nicht träumen. Die Hauptrunde A ist überhaupt kein Thema. Passieren darf personell überhaupt nichts. Ich will gar nicht daran denken.

Sind Sie trotzdem sicher, dass es klappt?

Wodarz: Absolut sicher. Die Jungs haben das im Kreuz.
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