Die Kunst und der Alltag

So ist das immer, wenn der Willi, pardon, wenn Wilhelm Koch was anpackt. Schon in Amberg war das so, mit dem Luftmuseum. Jetzt will er unbedingt einen Tempel bauen. Das Museum dazu gibt es schon.

Natürlich steht und fällt alles mit Wilhelm Koch, jenem Mann, den in Etsdorf jeder Willi nennt, der aber in der Zeitung partout nur seinen vollen Vornamen lesen möchte. Ohne ihn gäbe es das alles nämlich gar nicht, was hier im östlichen Landkreis Amberg-Sulzbach in Sichtweite der A 6, der neuen Autobahn von Nürnberg nach Prag also, seit fünf Jahren gewachsen ist. Allen voran das Tempelmuseum in der Rangersgaß.

Demzufolge würde dann nämlich auch das Schulgebäude, in dem dieses Museum untergebracht ist, gar nicht mehr existieren. Es wäre nämlich vielleicht abgerissen worden. Und so hätte sich auch der SV Etsdorf, der Sportverein am Ort, mangels Turnhalle auflösen müssen. Und die Frauen und die Kinder, für die der Verein vor allem existiert, die müssten nach Freudenberg, nach Lintach oder nach Paulsdorf fahren.

In Amberg, im alten Klösterl am Eichenforstplatz, hat er vor bald zehn Jahren mit dem Luftmuseum einen Ort der Kunst geschaffen, der mittlerweile weit über die Grenzen des Freistaats Beachtung findet und in dem das Thema "Luft" in all seinen ästhetischen Dimensionen durchdekliniert wird.

Vielleicht lässt sich die Erfolgsgeschichte ja am besten mit dem Aufblasen eines Luftballons vergleichen. Am Anfang, da ist alles ein bisschen schwierig. Man muss erst einen Widerstand überwinden. Aber sobald diese Hürde genommen ist, dann kommt die zweite Luft und die dritte Welle, neue Ideen und bisher nicht Erahntes fluten den Hohlkörper und sorgen für pralles Leben. Amberg hat sich mittlerweile offiziell zum "Luftkunstort" gemausert.

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Auch in Etsdorf, an seinem Geburts- und Wohnort, da verknüpft Wilhelm Koch das "Spielerische mit dem Notwendigen, die Kunst mit dem Alltag der Menschen und somit die Utopie mit der Realität". Wer das sagt, das ist nicht irgendwer, das ist Toni Schmid, Ministerialdirigent in Ludwig Spaenles Haus und damit sowas wie der oberste Kunstbeamte im Freistaat. Und der beobachtet, schätzt und unterstützt das Wirken des Wilhelm Koch, diese Suche nach dem antiken Erbe Europas mit der oberpfälzischen Seele, seit vielen Jahren. Ausgangspunkt des Koch'schen Engagements ist tatsächlich eine Utopie: Droben auf einem Hügel südlich von Etsdorf, da will er einen Tempel errichten. Einen Tempel aus Beton.

Mitten in der Landschaft der Oberpfalz. Das Grundstück hat er schon, und der Spatenstich ist auch längst erfolgt. Was fehlt, ist das nötige Kleingeld. Und natürlich sagen auch manche: "Der spinnt doch, der Willi!" Aber von solchen Petitessen lässt sich Überzeugungstäter Koch nicht beirren. Sondern verweist auf Bayernkönig Ludwig (den Ersten natürlich, und nicht den g'spinnerten Nachnachfolger!), dessen Glyptothek in München (in deren Nachbarschaft, an der "Akademie der Bildenden Künste", er einst studierte) und die Walhalla bei Regensburg. Seine Glyptothek Etsdorf freilich, das muss betont werden, soll nicht aus Marmor, sie soll aus Beton entstehen.

Koch geht bei allen Arbeiten mit eminentem Fleiß und gutem Beispiel voran. Ein abgehobener Intellektueller ist er nicht. Eher ein zupackender Kunstmissionar und Macher. Sorgt mit dem Tempelmuseum für eine neue Mitte des Dorfs. Holt den Sportverein mit ins Boot: Jetzt kann dieser im Winter die Turnhalle nutzen, die dann im Sommer als Ausstellungsraum für Kunst dient. Richtet alle zwei Jahre den Tempelmarathon aus. Holt Kunstlehrerinnen ins Dorf, die Ferienkurse für die Kinder abhalten. Sodass Sandra Preitschaft, die Vorsitzende des SV Etsdorf, zufrieden resümieren kann: "Mein wichtigstes Anliegen ist: Dass im Dorf was los ist. Und das haben wir nicht zuletzt dem Willi zu verdanken!"

Im Augenblick gibt es im Tempelmuseum in Etsdorf neben der respektabel gewachsenen ständigen Sammlung noch zwei weitere Ausstellungen zu sehen. Draußen, da wehen im Wind der Oberpfalz 12 Fahnen, die allesamt der in die Jahre gekommenen derzeitigen blauen Europaflagge mit den zwölf goldenen fünfzackigen Sternen ein neues, zeitgemäßes Logo entgegenhalten. Und drinnen sind jetzt im Sommer ganz grandiose Abbilder der Walhalla bei Regensburg zu sehen, die allesamt von dem Berliner Architekten und Fotografen Marcus Ebener stammen.

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Ein Ideenkosmos

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Bei der Europawahl vor einem Jahr, da war das Tempelmuseum Wahllokal. Barbara Lanzinger, die örtliche Bundestagsabgeordnete, sprach damals von der Einzigartigkeit des Ideenkosmos des Wilhelm Koch. Und davon, wie meisterhaft es einer aus der Region versteht, das Große und Schwierige mit dem Kleinen und Einfachen zu verknüpfen. Tja: In Etsdorf steht und fällt einfach alles mit der Dorfgemeinschaft, die den Willi unterstützt!
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