Die Macht des Wortes

Der Autor Amos Oz erhält den ersten Siegfried-Lenz-Preis. Bild: dpa

Die Verleihung des Siegfried-Lenz-Preises an Amos Oz war zu gleichen Teilen eine Ehrung des israelischen Autors und des Namensgebers. Lenz war vor wenigen Wochen im Alter von 88 Jahren gestorben.

Der israelische Schriftsteller Amos Oz (75) ist mit dem erstmals vergebenen Siegfried-Lenz-Preis geehrt worden. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in seiner Laudatio in Hamburg, sowohl Oz als auch Lenz seien Brückenbauer. Lenz habe früh die Verständigung zwischen Deutschen und Israelis vorangetrieben.

Lenz habe sich so sehr auf diesen Tag gefreut, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Oz und Lenz habe eine tiefreichende persönliche und literarische Freundschaft verbunden, sagte Steinmeier.

Oz habe mit seinem Hauptwerk "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" eine Art nationale Chronik Israels geschaffen, sagte Steinmeier. Die Konfrontation zwischen dem alten und dem heutigen Israel durchziehe sein ganzes Werk. Dabei gehe es um das richtige Gesellschaftsmodell, das Zusammenleben mit den Arabern und die Nazi-Vergangenheit, aus der sich die Angst speise, "immer von Feinden umgeben zu sein". Wie Steinmeier ist auch Oz ein Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung der Israelis und der Palästinenser. Oz, Mitgründer der Friedensgruppe "Peace now", begann seine Rede mit den Worten: "Shalom to all of you."

Zugleich beschwor Oz die Macht der Literatur. Er selbst sei in einer Umgebung voller Feindseligkeit gegen Deutschland aufgewachsen. Als junger Mann habe er dann angefangen, deutsche Autoren zu lesen. Besonders Lenz' "Deutschstunde" habe ihn nachdenklich gemacht und ihm geholfen, die alten, simplen Schwarz-Weiß-Bilder zu vertreiben.

Die Auszeichnung ist mit 50 000 Euro verbunden und damit einer der höchstdotierten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Die in diesem Jahr gegründete Siegfried-Lenz-Stiftung will den Preis künftig alle zwei Jahre an internationale Autoren verleihen, "deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist".
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Hamburg (1951)November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.