Die neue Frauenmode braucht keine Schnörkel
Keine Spielchen mehr

Tiermuster sind im Trend - sie werden aber gerne verfremdet. Bild: Comma
 
Winterlandschaft auf dem T-Shirt. Bild: Marc Cain
Lebhaft sei etwas anderes, sagt die Stilexpertin Ines Meyrose über die Frauenmode im Herbst und Winter. Dunkel ist sie, geradezu trist. Wenn da nicht auffällige Aufdrucke wären und etwas, was man bislang im Laden oft mit einem Augenrollen kommentiert hat: Tiermuster.

Traumtänzer haben es in wirtschaftlichen Krisenzeiten grundsätzlich schwer - so leitet das Deutsche Mode-Institut (DMI) in Köln seinen Trendbericht für die Mode im Herbst und Winter ein. Und der Blick in die Kataloge für Damen bestätigt die trübe Aussicht: Wo im Frühling und Sommer die Kleidung farbig war und fröhlich wirkte, ist nun graue Realität angekommen. Die Kleidung wird düsterer.



Das was nun kommt, sind jene Töne, die auch die Natur zeigt, wenn die Sommerblumen verblüht sind: ein herbstliches Orange, Weinrot und tiefes Grün, aber auch das Grau des Nebels und ein Schwarz wie die Winternacht. Und auch der Trend zu Metall-Applikationen und goldenen Details lässt sich erklären: Er passt wunderbar zu Weihnachten.

"Die Looks sind zunehmend clean, reduziert und mit einer Affinität zur Funktionalität", heißt es im DMI-Trendbericht weiter. Statt Rüschen, Volants und verspielter Schnitte trägt die Frau gerade Formen und Linien.

"Dafür passiert aber viel bei den Mustern und Stoffen", sagt die Stilberaterin Silke Gerloff aus Offenbach. Hier scheint die Frauenmode wirklich ein Hingucker sein zu wollen - eine ganz neue Entwicklung. Es werden verschiedene Stoffe scheinbar wahllos kombiniert - Seide mit Wolle, Stumpfes und Glänzendes, Fell mit Glattem, zählt Gerloff auf. Im Trend liegen besonders lockige Felle.

Realistische Bilder


Das Besondere ist für die Modeberaterin Ines Meyrose aus Hamburg, dass hier neuerdings nicht nur ein Stoff auf einen anderen aufgenäht ist, sondern Kleidungsstücke aus mehreren Stoffteilen verschiedener Qualitäten zusammengenäht sind. "Das ist sehr aufwendig gemacht." Aufdrucke zeigen realistische Bilder, die auch stark verfremdet oder deren Farben überzeichnet sein können. Auf einem Kleid von Louisa Cerano ist eine Art Collage mit einer fein geschnittenen Gartenanlage und einer Dschungel-Landschaft mit Farnen zu sehen - alles in satten grünen Farben. Marc Cain zeigt auf einem T-Shirt eine verschneite Flusslandschaft mit Schwänen - in Rosa getaucht.

Ein vermeintlicher Dauerbrenner sind Tiermuster, im Handel gerne mit dem englischen Begriff "Animalprint" beworben. Sie kommen in jeder Saison irgendwo vor, besonders gerne im Sommer. Nun aber sind sie in den Winterkollektionen zu finden und das gleich bei vielen Herstellern. "Man trägt nun auch oben Leo und unten Dschungeldrucke", nennt Gerloff ein Beispiel. Comma hat etwa ein Oberteil, das erscheint, als wäre das Fell eines Leoparden weich gezeichnet und an den meisten Stellen das Braun ausgewaschen worden.

Noch immer gefragt ist der Kontrast von Engem zu Weitem. Das sei insbesondere den schmalen, teils eng anliegenden Hosen geschuldet, die nun schon einige Saisons da und quasi ein Dauerbrenner geworden sind, erläutert DMI-Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins. Sie brauchen ein weites Oberteil oder mit dicken Garnen und großen Maschen gestrickte Teile, die groß wirkten.

Im wärmeren Herbst trägt die Frau nach Idee der Designer kurze, enge, schwarze und schwere Bikerjacken, häufig mit diagonalem Reißverschluss. "Sie werden im Stilbruch kombiniert", erklärt Meyrose. "Damit es nicht so aussieht, als sei man gerade vom Bike gestiegen." Minx hat so ein Beispiel im Katalog: Das Model trägt einen feinen Tellerrock und ein rosa Oberteil zur Lederjacke. Sisley verwendet Armreifen mit Nieten und das Bikerstück. Aber die Jacke hat ein ausgestanztes blumiges - damit feminin wirkendes - Muster an der Front.
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