Die Pfarrkirche St. Michael in Königstein feiert im Juni ihr 50-jähriges Weihejubiläum
Als die Katholiken auszogen

(wku) 300 Jahre lang war die Königsteiner St. Georgskirche eine Simultankirche. Das bedeutete, dass sie zu gleichen Teilen sowohl der evangelischen als auch der katholischen Kirchengemeinde gehörte. Dieses Simultaneum gab es nicht aus freien Stücken - war von der Obrigkeit angeordnet worden.

Lieber ein eigenes Gotteshaus

Dieses erzwungene Miteinander führte unschönen Reibereien zwischen Katholiken und Evangelischen. Daher strebten beide Seiten eine Lösung des Simultaneums an. Die katholische Pfarrgemeinde beschloss 1963, eine eigene Kirche zu bauen und sich von der evangelischen Kirchengemeinde eine Ablösesumme auszahlen zu lassen.

Am 27. Juni 1965 war es soweit: Die neue Kirche, die den Namen des Heiligen Erzengels Michael erhielt, wurde vom Eichstätter Bischof Dr. Joseph Schröffer eingeweiht.

Die Kirche, deren Turm 34 Meter hoch ist, wurde aus Naturstein, Holz und Beton gebaut. Der Nürnberger Architekt Peter Leonhardt hatte sie entworfen. Die Giebelwände bestehen aus unverputzten und unverfugten Bruchsteinen. Sie sollen an mittelalterliche Wehrkirchen erinnern.

Im Altarraum sind Priestersitz und Volksaltar mit Blick auf die Gläubigen hin platziert. An den Seitenwänden wurden kleine farbige Fenster eingearbeitet, die besonders bei Sonnenschein eine eindrucksvolle Leuchtkraft entfalten. Die Bilder auf der westlichen Seitenwand stellen Szenen des Alten und Neuen Testamentes dar, die auf der östlichen Wand den Kreuzweg mit seinen 14 Stationen.

Die über 500 Jahre alte gotische Marienfigur ist das einzige Zierstück, das aus der alten Simultankirche zunächst mit in die neue Kirche übernommen wurde.

Die Seitenaltäre, der Kreuzweg und die Heiligenfiguren wurden zwar ebenso entfernt, passten aber stilmäßig nicht mehr in die moderne Kirche. So lagerte sie der katholische Pfarrer auf seinem Dachboden im Pfarrhaus.

Zwanzig Jahre später entdeckte dort der damalige Pfarrer Albert Beyer unter anderem den Marienaltar. Er erkannte, dass es sich um einen sehr wertvollen barocken Akanthusaltar vom Auerbacher Künstler Johann Michael Doser handelte. Bayer ließ ihn restaurieren und 1985 im Altarraum der Kirche anbringen.

Beicht- und Taufkapelle

Eine Besonderheit stellt das Untergeschoss des Turmes dar: Hierin ist eine Beicht- und Taufkapelle eingebaut. Vier Glocken rufen die Gläubigen zur heiligen Messe.

Die katholische Pfarrei Königstein ist eine flächenmäßig sehr große Pfarrei mit 786 Seelen. Sie reicht von Hannesreuth im Osten bis nach Klausen bei Hirschbach im Westen, von Steinbach im Süden bis Funkenreuth im Norden. Am Sonntag, 28. Juni, feiert die Katholische Pfarrei das 50-jährige Weihejubiläum der St. Michaelskirche, zu dem sie neben anderen Ehrengästen den ehemaligen Eichstätter Bischof Dr. Walter Mixa erwartet.
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