Die Schrecken des Krieges und die Erleichterung über Befreiung erfuhren die Ehenfelder Grundschulkindern aus erster Hand. Die Kombiklasse 3/4 mit Klassenlehrerin Susanne Kasberger hatte sich Zeitzeugen eingeladen.
Jedes Weihnachten gleiche Puppe

Geduldig stellten sich die Ehenfelder und Massenrichter Zeitzeugen den Fragen der Schulkinder. Auf dem Bild hinten Tanja Schumann vom Elternbeirat der Ehenfelder Grundschule; vorn (von links): Agnes Kummer, Pfarrer Konrad Kummer, Maria und Franz Luber sowie Heidi Schuhmann. Bild: schß
(schß) In den vergangenen Tagen wurde in Europa und ganz besonders in Deutschland an den Tag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und der Befreiung vom Nazi-Regime vor 70 Jahren gedacht. Lehrerin Kasberger nahm diesen Gedenktag zum Anlass, um mit ihrer Klasse Zeitzeugen über deren Erlebnisse in diesen schlimmen Zeiten zu befragen.

Die Lehrerin hatte die Schüler im Vorfeld behutsam auf die besonderen Ereignisse vor 70 Jahren hingewiesen und das bereits vorhandene Wissen aufbereitet. Auf Vermittlung von Tanja Schumann vom Elternbeirat der Ehenfelder Grundschule kamen einige Dorfbewohner in die Schule, um über ihre Erlebnisse während und nach dem Krieg zu berichten. Sie sollten aus der Sicht und den Augen damaliger Kinder ihre Eindrücke von dieser Notzeit schildern.

Agnes Kummer mit Bruder Pfarrer Konrad Kummer sowie das Ehepaar Maria und Franz Luber hatten den Krieg in Ehenfeld beziehungsweise Massenricht verbracht. Heidi Schumann war Flüchtling. Geboren 1943 in Hamburg, war sie in Obersteinbach einquartiert. Sie berichtete von der Flucht, eingezwängt im Zug, über die katastrophalen hygienischen Zustände und den Hunger. Ihre Erinnerung waren, aufgrund ihres damaligen Alters, oft aus zweiter Hand.

Pfarrer Konrad Kummer hat die Namen der Gefallenen gezählt. Aus Ehenfeld, Massenricht, Obersteinbach und Kindlas waren rund 70 Männer gefallen oder als vermisst gemeldet. Sie waren zwischen 16 und 50 Jahre alt.

Oft Kriegsspielzeug

Und wie sah damals der Alltag der Mädchen und Buben aus? Die Spielsachen bestanden überwiegend aus Holzklötzchen. Auch die Kinder spielten damals oft Krieg und hatten hölzerne Gewehr und Panzer. Später gab es auch Stoffpuppen, die zu Weihnachten manchmal ein neues Kleid bekamen. Es gab Puppengeschirr, teils selbst hergestellt aus Kartonagen und Papier. An Weihnachten habe man vielleicht ein Spielzeugauto bekommen, das an Lichtmess wieder weggepackt und nächstes Weihnachten wieder geschenkt worden sei, erzählte Maria Luber.

Sie erzählte, dass sie mehrere Weihnachten hintereinander eine wunderschöne Puppe erhalten habe. Diese sei in einem Karton gelegen und nie herausgeholt worden. "Die Puppe hatte ein Porzellanköpfchen und ein wunderschönes Kleid mit Rüschen, auf das kleine Entchen gestickt waren. Das war das schönste Geschenk, das ich je hatte", erzählte die ältere Dame mit Tränen in den Augen. Einige Jahre später schenkte Luber die Puppe einer Verwandten. Diese legte sie in den Puppenwagen und gab diesem einen Schubs. Der Wagen fiel um, die Puppe hinaus und das Köpfchen zerbrach. "Das werde ich nie in meinem Leben vergessen!", meinte sie.
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