Die Schwächen sofort bestraft

Der 2,04 Meter große Auerbacher Rückraumspieler Andreas Wolf (rechts) will den Wurf des Neustädter Rückraumspielers Gary Hines (Mitte oben) abblocken. Von links sind die Auerbacher Kenny Schramm, Tobias Wannenmacher, Felix Müller und Philipp Schöttner Beobachter der Szene. Hines avancierte mit insgesamt fünf Treffern - vor allem im zweiten Abschnitt - zum Matchwinner für die Franken. Bild: Ziegler

Die Handballer des SV 08 Auerbach legen los wie die Feuerwehr, führen gegen Bad Neustadt schon mit 15:6. Manch einer der 400 Zuschauer macht ein Foto von der Anzeigetafel. Aber dann ...

Die Oberpfälzer unterlagen im Auftaktspiel der 3. Liga nach zwei äußerst unterschiedlichen Halbzeiten mit 20:23 (15:8). Dabei taten sich in der ersten Hälfte Andreas Wolf und Maximilian Lux hervor, während sich Lars Goebel über die gesamte Spieldauer als starker Rückhalt für sein neues Team erwies.

Auerbach erzielte bereits nach 30 Sekunden das erste Tor der neuen Saison. Kenny Schramm nutzte die Verwirrung der gegnerischen Abwehr und verwandelte einen Abpraller von Andreas Wolf. Von Beginn an stellte der Aufsteiger eine aufmerksame Abwehr, überlief den Gegner ein ums andere Mal im schnellen Gegenstoß und fand auch im Positionsangriff oft eine erfolgreiche Lösung. Dabei half den Oberpfälzern einerseits eine glänzende Leistung ihres jungen Torhüters Lars Goebel, wie auch ein völlig überfordert wirkendes Team aus Bad Neustadt. Auerbach konnte fast nach Belieben schalten und walten und man konnte durchaus fragen, wer denn nun der Aufsteiger sei. Schnell bauten die Gastgeber ihren Vorsprung aus und als HSC-Trainer Margots Valkovskis in der 19. Minute erstmals die grüne Karte auf den Zeitnehmertisch legte, lagen sie bereits mit 10:5 in Front. Ein Zwischenstand, der manchen verwunderten Zuschauer veranlasste ein Foto von der Anzeigentafel zu machen.

Nichts lief zusammen bei den Gästen und der SV 08 begeisterte sein Publikum von Minute zu Minute mehr. In der 26. Minute nahm Valkovskis beim Stande von 14:5 seine zweite Auszeit, konnte aber auch diesmal keine sofortige Wirkung erzielen, auch wenn es seinem Team in den letzten zwei Minuten vor der Pause gelang, den Rückstand auf 15:8 zu verkürzen. Acht Tore in 30 Minuten gegen einen Aufsteiger, selten hatte man eine so schwachen HSC Bad Neustadt gesehen und selten hatte der SV 08 Auerbach einen so starken Auftritt in der 3. Liga gezeigt.

Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte, mit zwei Toren für die Gäste. Noch machte man sich auf den Tribünen keine übermäßigen Sorgen. Dennoch legten die Gastgeber in der 36. Minute die Auszeitkarte auf den Tisch und versuchten damit, den Ansturm der immer stärker werdenden Unterfranken etwas zu unterbrechen.

Aber der HSC Bad Neustadt zeigte nun, warum er seit langem zu den Spitzenteams der 3. Liga gehört und dass er gewillt ist, den 9. Platz der Vorsaison als Ausrutscher zu entlarven. Mit einer deutlich aggressiveren und offensiveren Abwehr stellten die Gäste die Heimmannschaft immer mehr vor Probleme. Auerbach verrannte sich in der Mitte, agierte plötzlich ideenlos. Nichts wollte mehr gelingen. In dieser Phase zeigte sich ein Grundproblem im Auerbacher Team: Es fehlt eine Führungspersönlichkeit, die alle mitreißt, der Verantwortung übernimmt. Andreas Wolf, der in den letzten zehn Minuten versucht hatte, diese Verantwortung zu übernehmen, als er sich den Ball nahm und einen Strafwurf verwandelte, hatte im Anschluss Pech, denn seine eigentlich guten Aktionen verpufften ergebnislos.

Auerbach unterlag zwar knapp und erwartet, aber nach der sehr guten ersten Halbzeit umso enttäuschender mit 20:23. "Ich weiß nicht, ob es an dem geplatzten Reifen auf der Herfahrt lag, dass mein Team in den ersten 30 Minuten nichts zustande brachte, aber wir haben uns in das Spiel zurückgekämpft", fasste Margots Valkovskis zusammen. Für Tobias Wannenmacher offenbarte das Spiel die selben Probleme wie schon in den Jahren zuvor. "Wir haben immer wieder kurze Phasen der Schwäche in unserem Spiel. Das kann man sich in der Bayernliga bei den meisten Gegnern erlauben, aber in der 3. Liga wird das sofort bestraft."
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