Die Sprache öffnet Türen

Elisabeth Klein ist in ihrem Element. Sie und Maria Hirsch haben sich gerne bereit erklärt, den Deutschkurs zu leiten. Ihre Schüler - Syrer und Kosovaren - sind konzentriert bei der Sache. Sie wollen die Sprache lernen, sie wollen arbeiten. Bilder: Völkl (2)

"Ich heiße Frau Klein und wie heißen Sie?" Der junge Mann gegenüber - in Syrien ein bekannter Fußballer - fängt den Ball der Sprachlehrerin auf. "Ich heiße Amer Al Ahmad".

Wernberg-Köblitz. (cv) Er ist einer der Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber, die seit kurzem in Wernberg-Köblitz leben. Die Marktgemeinde hat über die Volkshochschule einen Sprachkurs organisiert - und nicht nur das. Bürgermeister Georg Butz und Verwaltungsleiter Stefan Falter sind Praktiker. Von der Zuweisung der Flüchtlinge erfahren die Kommunen erst kurz bevor die neuen Bürger die vom Landratsamt angemieteten Privathäuser beziehen. Die Marktgemeinde bat zwei Mal soziale Organisationen und Vereine an den "runden Tisch", um unbürokratisch Unterstützung zu organisieren.

Derzeit sind 18 Kosovaren im Weiherner Weg und in der Weidener Straße untergebracht. In der Bergstraße leben sechs Syrer. Stefan Falter ist froh, dass die Bewohner im Weiherner Weg die Nachbarinnen Doris Schöner und Claudia Lang als Ansprechpartner haben. Er hat die Männer aus Syrien besucht, für die der in Wernberg-Köblitz ansässige Physiotherapeut Mahrous Abd El-Rehim manche Sprachbrücke baut. Falter hat "fast bedauert", unbedacht nach den Familienangehörigen gefragt zu haben: "Einer hat 13 Verwandte verloren, die restliche Familie lebt im Libanon in einem Flüchtlingslager. Die Männer erzählen von Aleppo und Homs. Da steht kein Stein mehr auf dem anderen".

Aus Spende finanziert

Die Flüchtlinge wissen, dass die Sprache der Schlüssel zur Verständigung, zum Verständnis und zur Arbeit ist. Die EMZ Hanauer hat der Volkshochschule zweckgebunden 10 000 Euro für Sprachkurse gespendet. Auch der Kurs in Wernberg-Köblitz wird daraus finanziert. Elisabeth Klein und Maria Hirsch haben sich bereit erklärt, den zehnwöchigen Kurs in der Grund- und Mittelschule abwechselnd an zwei Tagen in der Woche zu leiten. Die erste Unterrichtsstunde bei Elisabeth Klein vergeht wie im Flug. Namenskärtchen, erstes Beschnuppern und rein in die deutsche Sprache. Die pensionierte Lehrerin baut im Nu Vertrauen auf - alte Schule eben. Konzentriert sind die Schüler bei der Sache, bis es "Auf Wiedersehen, Frau Klein" heißt.

"Wir werden uns auch um Fortsetzungskurse bemühen", so Bürgermeister Butz. Er wäre froh, wenn sich Sprachpaten für die vier in Regelklassen untergebrachten Schulkinder aus dem Kosovo finden würden. Das würde die Förderlehrerin entlasten, die Zusatz-Sprachunterricht gibt. Auch Sport integriert: Die Kinder haben die Möglichkeit, in der Jugend des FC Wernberg mitzutrainieren. Die Fußballer werfen ein Auge auf Amer Al Ahmad - in seinem Heimatland ein bekannter Spieler.

Kontakte zu Firmen

In der alten Schule entsteht derzeit eine Kleiderkammer für den ersten Bedarf. Sie wird von den beiden Frauenbund-Gruppen betreut. Am Samstag ist von 10 bis 12 Uhr Annahme und Abgabe von Kleidung, Spielsachen und Fahrrädern. Danach werden spezielle Termine vereinbart. Auskunft erteilt auch Stefan Falter, Telefon 09604/921124. Da die Asylbewerber, die derzeit den Hartz IV-Satz erhalten, nach drei Monaten arbeiten dürfen und damit zu rechnen ist, dass vor allem die Syrer "länger bleiben", versucht Bürgermeister Butz Kontakte zu örtlichen Firmen zu knüpfen. Die Arbeit suchenden Männer haben gute Berufe: Zimmermann, Motoradmechaniker, Koch, Schneider, Maschinen- und Elektroingenieur, Hochspannungselektriker. Eine denkbare Beschäftigungsmöglichkeit wären auch Ein-Euro-Jobs - sei es bei der Gemeinde oder in der Nachbarschaftshilfe.
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