Die Stadt als Mieter?

Der Interessent fürs Eschenbacher Vermessungsamt wagt sich aus der Deckung: Seinen Namen möchte er zwar vorerst nicht in der Zeitung lesen, dass der "Neue Tag" über seine Pläne fürs Gebäude am Karlsplatz berichtet, dagegen hat der Geschäftsmann aber nichts.

(wüw) Mit zwei weiteren Selbstständigen will er das alte Vermessungsamt kaufen - um Büroräume für ihre Geschäfte unterzubringen. Wenn es nach den Interessenten geht, bleibt außerdem genug Platz für Wohnungen - und für Amtsräume: Stadt oder Landratsamt könnten das Erdgeschoss nutzen. "Der Bau ist in hervorragendem Zustand, könnte sofort bezogen werden", erklärt der Käufer in spe. Sogar das Mobilar des Vermessungsamts sei noch vorhanden und gut in Schuss, wie er versichert. "Die Räume wären ideal als Stadtbibliothek, für die Volkshochschule oder auch fürs Kfz-Meldeamt."

Dies habe er auch den Verantwortlichen der Stadt erklärt. Am Montag hatten die potenziellen Käufer einen Termin im Rathaus. Wie der gelaufen sei, könne er nicht sagen. "Ich sehe die Chancen bei 50:50." Die Stadtverantwortlichen hätten viele Frage gestellt. "Vor allem wollten sie wissen, ob wir Asylbewerber in dem Gebäude unterbringen wollen." Diese Überlegungen habe es gegeben. Bald hätten die Geschäftspartner diese verworfen. "Schon die Brandschutzbestimmungen machen das fast unmöglich." Auch der Schnitt der Räume spreche dagegen. "Das würde einfach nicht passen."

Deshalb entwickelten die Geschäftspartner andere Pläne. Alle drei sind in der weiteren Region jeweils selbstständig im Handel tätig und wollen ihre Geschäfte ausweiten. Womit sie handeln, wollte der Mann am Telefon nicht sagen. "Wir würden in dem Geschäft sicher keinen Einzelhandel betreiben", vielmehr gehe es um Büroräume für die Verwaltung ihrer Geschäfte. Weil sie dafür nicht alle Räume brauchen, bieten die Käufer das Erdgeschoss Stadt oder Landratsamt an. Wenn die Behörden ablehnen, gäbe es dennoch kein Problem. "Wir würden eine Nutzung finden."

Ob es so weit kommt, entscheidet sich bis Ende der Woche. Der Stadtrat beschließt in nichtöffentlicher Sitzung über den Kauf. Am Freitag sollen die drei Interessenten das Ergebnis erfahren. Dann endet für sie eine fast sechswöchige Zeit der Unsicherheit. Schon Anfang August haben sie beim Notar den Kaufvertrag für das Gebäude abgeschlossen, 120 000 Euro soll es ihnen wert sein.

Weil die Stadt Eschenbach ein Vorkaufsrecht besitzt, hat sie noch bis Mitte Oktober Zeit zu entscheiden, ob sie den Kaufvertrag übernimmt und selbst neuer Besitzer des alten Vermessungsamts wird.
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