Die Symbiose zweier Welten

Fast ist es wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Wer war zuerst da, das Wirtshaus oder die Kirche?

Kirche und Wirtshaus gehören zumindest in Bayern nach landläufiger Ansicht untrennbar zusammen. Auf reges Interesse stieß deshalb eine Führung mit dem Titel "Von der Kirche in die Brauerei". Angeboten hatte sie die AOVE, Uli Märkl und Rainer Dähne leiteten den Rundgang von der Brauerei über den Schlossberg in Freudenberg zur Kirche St. Martin in Wutschdorf und wieder zurück.

Am Anfang stand kurz die Geschichte Freudenbergs, die Märkl aufschlussreich rekapitulierte. Erstmals 1250 erwähnt, fällt diese Ära in die reichsfreie Adelsherrschaft der Freudenberger, die bis 1594 andauerte. Viele Rechte wie das Geleit-, Markt-, Holznutzungs-, Wasser- und Mühlenrecht hatte die Herrschaft inne. Und natürlich das Braurecht. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkaufte der letzte Freudenberger Hans II. sein Herrschaftsvermögen an die pfälzischen Fürsten in Amberg.

Von dem einstigen Schloss seien allerdings nur noch unscheinbare Reste von Terrassenfutter-Mauern zu sehen. "Grabsteine an der Friedhofsmauer und drei weitere von Hans I., Hans II. von Freudenberg und seiner Gemahlin Elisabeth erinnern in der Kirche an diese Zeit", ergänzte Dähne den Vortrag. Der Patron der Kirche St. Martin weise schließlich auf die Epoche der fränkischen Könige zwischen Ende des 8. bis Anfang des 10. Jahrhunderts hin. Der genaue Baubeginn sei nicht bekannt, und Märkl konnte problemlos die unterschiedlichen Baustile in und an der Kirche aufzeigen. So seien das Turmuntergeschoss und der Taufstein der Romanik zuzuordnen, die Taufkapelle müsse hingegen als ein Teil einer gotischen Vorgängerkirche eingeordnet werden.

Auch die Figuren des St. Nikolaus und des St. Blasius stammen aus der Gotik. Die heutige Pfarrkirche sei hingegen ein heller barocker Saalbau aus dem 17. Jahrhundert. Nach der Kirchenführung ging es zurück zur Brauerei, die 1466 das erste Mal urkundlich genannt wird und seit 1784 im Besitz der Familie Märkl ist. Somit gilt sie als älteste in und rund um Amberg.

Seit 1990, so Märkl, sei sein Bruder Alwin der Braumeister und habe zugleich die Leitung des Betriebs inne. Gebraut werde bis heute in einem aus dem Mittelalter stammenden Gebäude und natürlich streng nach dem bayrischen Reinheitsgebot. Märkl erläuterte danach die Bierherstellung aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. "Die Freudenberger Biere waren beim internationalen World Beer Cup bereits sehr erfolgreich. So konnten in den letzten Jahren Spitzenplatzierungen mit Freudenberger Hell, Freudenberger Pils, Weizen, Freudenberger Märkator und Leicht erreicht werden", erzählte er nicht ohne Familienstolz. Im November 2010 folgte ein weiterer renommierter Preis, der goldene European Beer Star für das Freudenberger Dunkel. Völlig zu recht, befanden die Teilnehmer der Führung nach der abschließenden Verköstigung.
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