"Die will doch niemand sehen"

Geschafft: Die Spieler des FC Carpi feiern den Aufstieg in die Serie A. In der Saison, die am Wochenende beginnt, wollen sie für die eine oder andere Überraschung sorgen. Bild: dpa

Sie haben Mini-Etats, setzen auf ihre Heimstärke und gelten als krasse Außenseiter: Die Provinz-Clubs FC Carpi und Frosinone Calcio treten erstmals in der Serie A an. Ihr Ziel lautet Klassenverbleib - doch die ersten mächtigen Feinde haben sie sich bereits gemacht.

Für die italienischen Medien war es ein "Wunder". Für die Fans war es die Erfüllung eines Traumes und für Lazio Roms Präsident Claudio Lotito schlicht eine Zumutung: Der Sensations-Aufstieg der beiden krassen Außenseiter FC Carpi und Frosinone Calcio in die Serie A hat in Italien Schlagzeilen, Jubel und Diskussionen ausgelöst. Die beiden Provinz-Clubs gehen voller Euphorie in ihre am Samstag beginnende erste Saison in Italiens erster Liga. Trotz ihrer Mini-Etats und fehlender großer Stars wollen sie mit Heimstärke und Teamgeist die großen, finanzstarken Clubs ärgern und die Klasse halten.

Zwei No-Name-Clubs aus Kleinstädten als Neulinge in der Serie A - für Claudio Lotito ist das ein Alptraum. "Wer kennt Scheiß-Carpi? Die will doch niemand sehen", schimpfte der Boss von Miroslav Kloses Club Lazio Rom in einem abgehörten Telefongespräch, das vor einigen Monaten veröffentlicht wurde. "Wenn solche Teams aufsteigen, zahlt das TV demnächst keine Milliarde mehr." Lotitos Schimpftirade und die beeindruckenden Leistungen in der vergangenen Saison brachten den beiden Außenseitern aber eine Menge Sympathien ein.

Riesige Euphorie

Die Euphorie um die Clubs vor dem Ligastart ist riesig. Frosinones knapp 10 000 Zuschauer fassendes Stadion ist für den Auftakt gegen den FC Turin seit langem ausverkauft, Tausende Fans hofften vergeblich auf Karten. Und auch beim FC Carpi ist man stolz, denn die Geschichte des Clubs taugt in der vom Geld und Prestige dominierten Welt des italienischen Fußballs allemal zum "Märchen" oder "Wunder", wie die italienischen Medien den Aufstieg nannten.

2000 wurde der Verein aus dem 70 000-Einwohner-Städtchen in der Emilia Romagna für Pleite erklärt, musste in der Amateurliga neu anfangen. Die Biancorossi kämpften sich mit bescheidenen Mitteln wieder nach oben, schafften 2013 den Sprung in die Serie B und feierten nun als Abstiegskandidat sensationell die Meisterschaft.

Für die Spiele in der Serie A muss der Club allerdings ins etwa 20 Kilometer entfernte Modena umziehen, da das eigene Stadion mit nicht einmal 5000 Plätzen zu klein ist. "Unsere Philosophie wird die gleiche bleiben, wir können beim Geld ausgeben nicht mit den Top-Clubs mithalten", kündigte Präsident Claudio Caliumi an. In der vergangenen Saison lag der Etat des Clubs bei etwa 2,5 Millionen Euro - ein Bruchteil dessen, was Vereine wie Juventus Turin ausgeben.

Doch Carpi gefällt sich in seiner Rolle als Außenseiter. "Jedes Mal, wenn wir aufgestiegen sind, haben sie mir gesagt: "Wenn du nichts investierst, gewinnst du nicht." Aber man sieht, wie es gelaufen ist", sagte Club-Patron Stefano Bonacini. "Und wenn wir sofort wieder absteigen sollten, wäre das keine Tragödie."

Ähnlich sensationell wie der Aufstieg Carpis war auch der von Frosinone Calcio. Dem Club aus der 46 000-Einwohner-Stadt bei Rom gelang in den vergangenen Jahren sogar der direkte Durchmarsch aus der dritten Liga. Das Erfolgsrezept: Der Club hat seit Jahren gesunde Bilanzen, setzt auf Nachwuchstalente, Leihen und ablösefreie Zugänge. Für die Serie A blieb der Kader größtenteils zusammen und wurde gezielt verstärkt, etwa mit Talent Daniele Verde vom AS Rom.

Ein wichtiges Schaufenster

"Die Serie A ist ein wichtiges Schaufenster, ich persönlich kann es kaum abwarten, dass es endlich losgeht", sagte Torjäger Federico Dionisi. "Wir wollen wieder überraschen." Um mit den Top-Clubs mithalten zu können, setzt das Team vor allem auf die Fans in der "Hölle" Matusa, wie Trainer Roberto Stellone das Stadion nennt: "Die Heimspiele könnten uns den Klassenerhalt bringen."
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