Diplomingenieur verkaufte wertlose Biomasse-Heizkraftwerke - Dreieinhalb Jahre Haft
Millionenbetrüger muss einpassieren

Deutschland und die Welt
23.11.2013
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Amberg-Sulzbach/Regensburg. Ein 66-jähriger Diplomingenieur aus dem nördlichen Landkreis wurde von der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Regensburg wegen Betrugs großen Ausmaßes in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er sitzt seit Mai in Untersuchungshaft.

Nach einem Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten hatte der Angeklagte nach sechs Verhandlungstagen ein Geständnis abgelegt. Für diesen Fall war ihm eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten bis zu drei Jahren und neun Monaten zugesichert worden. Wie berichtet, betrieb der Angeklagte ein Unternehmen für Verfahrenstechnik und Anlagenbau. Während sein Bruder formal als Geschäftsführer auftrat, bestimmte er als Generalbevollmächtigter das Geschäftsgeschehen.

Eine Referenzanlage

Vor zwei Jahren verkaufte er in Oberfranken, Thüringen und Nordrhein-Westfalen von ihm konzipierte Biomasse-Holzgas-Heizkraftwerke. Diese waren gemäß seiner vertraglich festgehaltenen Zusicherungen ausgereift und brachten entsprechende Leistungen. Dabei hatte er sich auf eine Referenzanlage berufen, obwohl ihm bekannt war, dass diese Anlage die von ihm behauptete Leistung gar nicht erbringt.

In einem anderen Fall bediente er sich einer gefälschten Eon-Abrechnung. Daraufhin hatte er von seinen Auftraggebern Zahlungen von rund 1,6 Millionen Euro erhalten. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass in keinem Fall eine funktionsfähige Anlage wurde.
In ihrer mündlichen Urteilsbegründung hob die Gerichtsvorsitzende Elke Escher hervor, dass es sich bei dem Angeklagten keinesfalls um einen klassischen Betrüger handle. Aus Liebe zur Technik habe er Tag und Nacht gearbeitet. Seine Behauptung, nur von 800 Euro im Monat gelebt zu haben, konnte ihm nicht widerlegt werden. Dennoch habe er seine Kunden getäuscht und hierdurch einen Vermögensschaden von rund 1,6 Millionen Euro verursacht. Dem stand einem Gutachten zufolge nur ein Wert von knapp 300000 Euro gegenüber. Dabei habe der Angeklagte sich auch gefälschter Referenzunterlagen bedient. Einer seiner Kunden habe Haus und Hof verpfänden müssen, um die gelieferte Anlage durch aufwendige Nachbesserungsarbeiten überhaupt funktionsfähig zu machen.

Reue und Schuldeinsicht

Zugute kam dem Angeklagten sein Geständnis und seine an den Tag gelegte Reue und Schuldeinsicht, sowie sein fortgeschrittenes Alter. Zu seinen Lasten werteten die Richter seine einschlägigen Vorstrafen und den hohen Vermögensverlust.

Im Frühjahr war der Angeklagte abgetaucht und wurde deshalb im Mai in Untersuchungshaft genommen. Den Haftbefehl hielt die Wirtschaftsstrafkammer aufrecht, da weiterhin Fluchtgefahr bestehe.
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