Dosis macht's

Die Referenten und der Begründer der Seminare, Prof. Henning von Philipsborn (rechts): Dr. Michael Iwatschenko, Michael Ritz, Dr. Matthias Neumann, Dr. Richard Henkelmann und Dr. Klaus Thieme (von links) Bild: Hartl

Strahlenexperten sind eine kleine Expertengesellschaft. Ihr Fachwissen ist aber in vielen Bereichen alltäglich gefragt.

Sie sind ein exklusiver Kreis und bleiben dem Kulturschloss Theuern treu. Über 80 Teilnehmer waren dort zum 60. Radiometrischen Seminar zusammengekommen, um Themen rund um Radionuklide (laienhaft: strahlende Atome) in der Forschung, Medizin und Schulen zu diskutieren. Bereichert wurde die Tagung durch die Präsentation von 23 Herstellern von Strahlenmessgeräten und Radionuklidquellen.

Diese Seminare stellen eine Veranstaltungsreihe der Universität Regensburg, Fakultät Physik, dar. Auf reges Interesse stieß ein Vortrag von Dr. Richard Henkelmann, der über die Herstellung von Lutetium-177 für radiopharmazeutische Anwendungen referierte. Dieser Stoff stellt einen niederenergetischen Betastrahler mit einer Halbwertszeit von nur 6,6 Tagen dar und wird an dem Garchinger Forschungsreaktor FRM II produziert. Verwendet wird das Element sowohl in der medizinischen Diagnostik als auch Therapie. In diesem Zusammenhang wurde auch F-18 Fluordesoxiglucose vorgestellt, das eine noch kürzere Halbwertszeit aufweist und deshalb in Kliniken, die damit arbeiten, selbst hergestellt werden muss. In der Region verfügen Häuser in Erlangen und Regensburg über die notwendigen Geräte und Kenntnisse.

Im krassen Gegensatz dazu steht beispielsweise Lutetium-176, das mit 38 Milliarden Jahren Halbwertszeit das langlebigste aller natürlichen Radioisotope ist, sich aber durch eine äußerst geringe Strahlung auszeichnet. Damit eigne sich dieses Element in weiterverarbeiteter Form recht gut als Teststrahler. Darüber referierte Dr. Michael Iwatschenko.

Problemlose Strahlenquellen für Schulen, selbstgefertigt aus Luft und Wasser, wurden von Prof. Henning von Philipsborn (Uni Regensburg) vorgestellt. Er betreut diese Seminarreihe seit ihrem Bestehen. In wenigen Minuten wurden beispielsweise Radon-Zerfallsprodukte aus der Raumluft auf geriebenen, elektrostatisch aufgeladenen Kunststoffplatten oder aus Leitungswasser auf Glasfaserfilter messbar gesammelt, um so auch im Unterricht Radioaktivität darstellen zu können.
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