Dr. Andreas Angerstorfer im Beruflichen Schulzentrum: Gefahren auch aus dem Internet
Ungenierte Werbung für Rechts

Sulzbach-Rosenberg (bba/lz/shu). Die sich der Vergangenheit nicht erinnern, sind dazu verpflichtet, sie noch einmal zu erleben: Studiendirektor Reinhard Kretschmer eröffnete mit diesen Worten des Schriftstellers Santayana die Wanderausstellung über Rechtsradikalismus in Bayern im Schulzentrum.

Der stellvertretende Schulleiter begrüßte die Initiatoren, Dr. Andreas Angerstorfer und Detlef Staude vom Regionalbüro der Friedrich-Ebert- Stiftung, beide aus Regensburg, zusammen mit dem Organisator vor Ort, Studiendirektor Heinz-Ulrich Schmidt.

Bürgermeister Gerd Geismann erinnerte an das seit Jahren existierende Bündnis gegen Rechts und forderte die Auszubildenden des Berufsschulzentrums auf, hinzuschauen und wachsam zu sein. Dazu lobte das Stadtoberhaupt die exzellente Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Detlef Staude erläuterte das Bemühen für eine freiheitliche, demokratische Grundordnung und gegen die menschenverachtende Ideologie des Rechtsextremismus.

Referent Dr. Andreas Angerstorfer, stellte die Ausstellung vor, die von Annemarie Dengg konzipiert worden sei, und diagnostizierte, dass die rechtsextremistische Propaganda immer noch Zulaufhabe. Bei der Vielfalt der Parteienlandschaft beschränke er sich auf die NPD und ihre Vorgehensweisen. Gearbeitet werde dabei in verschiedene Richtungen.

Propaganda überall

Hier erwähnte Dr. Angerstorfer die regionale Monatszeitung "Die Deutsche Stimme", aber auch das Internet als Propagandamedium. Er erläuterte an Beispielen aus München und Freising, wie die Menschen durch Bildzeilen eingefangen werden sollten. Ähnliche Seiten gäbe es auch aus Amberg oder Cham, um heimatpolitisch zu instrumentalisieren.

Aber auch andere Ereignisse wie der Gewinn der Handballweltmeisterschaft würden als Einstieg über eine angeblich urdeutsche Sportart genutzt, um die Menschen vor den rechtsextremen Karren zu spannen.

Dazu will nun die NPD auch das "Modell Sachsen" auf Bayern übertragen, durch das vor allem junge Leute geködert werden sollten. Im Angebot steckten vordergründig Nachhilfe, angebliche Vermittlung von Lehrstellen oder das Üben von Vorstellungsgesprächen.

In der Realität sollen durch diese Lockvogelangebote lediglich neue und junge Mitglieder rekrutiert werden. Dabei gehe es den Verantwortlichen der Partei auch nicht um Wählerstimmen sondern um Nachwuchsgewinnung, ein Modell, wie es auch in der Weimarer Zeit von radikalen Parteien häufig praktiziert wurde.

Sonnenblume als Symbol

Auf Flugblättern werde Fremden "Gute Heimreise" angeboten. Selbst die grüne Thematik wurde von der NPD entdeckt, und die Sonnenblume mutierte zu einem braunen Symbol, dozierte Dr. Angerstorfer.

Viel werde auch mit der braunen Esoterik gearbeitet. Logos anderer Parteien werden ebenfalls ungeniert benutzt.
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