Dr. Irina André-Lang hilft Kindern in Lesotho - Vortrag in der Stadtbücherei
Sie ergreifen jeden Strohhalm

Dr. Irina André-Lang berichtete über die Lebensweise in Lesotho und ihren Einsatz für die Pitseng-Highschool. Bild: laz
Pfreimd. (laz) Wegen der großen positiven Resonanz ihrer Lesung in Pfreimd im Jahr 2010, hatte das Pfreimder Büchereiteam die Kinderärztin und Autorin Dr. Irina André-Lang erneut in die Stadtbücherei eingeladen. Die Zuhörer erlebten einen lebendigen Vortrag über das afrikanische Land Lesotho.

Dr. Irina André-Lang skizzierte ihr Leben, das sie bereits als junge Ärztin nach Afrika geführt hatte, wo sie sich auf die Behandlung schwerst unterernährter Kinder spezialisierte. In einer Powerpoint-Präsentation berichtete sie über die Lebensweise der einheimischen Bevölkerung des Königreichs Lesotho, das als Enklave vollständig vom Nachbarland Südafrika umschlossen wird.

Durch Zufall wurde Irina André-Langs Zwillingsschwester Bettina in Bremerhaven auf einen Arbeitskreis Lesotho aufmerksam, der sich für die Missionsschulen eines kanadischen Schwesternordens einsetzt. Die beiden Schwestern reisten 2008 zum ersten Mal nach Lesotho und besuchten die Pitseng High School, in der 700 Schüler unterrichtet werden. Etwa 300 von ihnen, die meisten davon Aids-Waisen, leben unter erbärmlichen Umständen im angeschlossenen Internat. Auf den meisten Betten lag noch nicht einmal eine Decke. Die Kinder klammerten sich in Frostnächten aneinander, um nicht zu erfrieren. Bettina André weinte: "Ich konnte mir bisher nicht vorstellen, dass Kinder so leben müssen." Trotzdem ist es für die Kinder ein Glück hier unterrichtet zu werden, da der Schulbesuch für viele aus finanzieller Not nur ein Traum bleibt.

Seit ihrem Schlüsselerlebnis setzt sich Dr. Andre-Lang für die Schule ein. Noch im selben Jahr brachte sie den ersten Hilfskonvoi nach Pitseng mit Decken, Schulkleidung, Schulmaterialien und Hygieneartikeln. Zwei Jahre später gründete sie die Hilfsorganisation "Yes we care! e.V." (www.yes we care-ev.de). Seit 2008 finden jährlich Hilfstransporte statt. Die Aids-Waisen sind "Überlebende", erzählte André-Lang, "sie ergreifen jeden Strohhalm".

Die Referentin berichtete von Utloang Motsohi, einem bis dahin mittelmäßigen Schüler, der durch das von "Yes we care" gegründete Patenprogramm ein Chance bekam und sie nutzte. Er schloss die Highschool als Drittbester der Schule ab und studiert seit einem Jahr Jura. Der Verein vermittelte bisher 80 Paten. 30 von ihnen besuchten bereits ihre Patenkinder. Am Ende des Vortrags bedankte sich Zweite Bürgermeisterin Dr. Johanna Mertins bei der Ärztin mit den Worten, "Es ist gut, dass es so engagierte Menschen wie Sie gibt".
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