Dr. Martin Baumeister verstärkt seit Februar das Team
"Biber ein Geschenk"

"Benjamin Zeitler hat ein perfekt geordnetes Büro hinterlassen", lobt Baumeister seinen Vorgänger. Auf dem, was er aufgebaut hat, lasse sich hervorragend weiterarbeiten. Bild: Grüner
Ich bin kein Amerikaner", sagt Dr. Martin Baumeister im fränkischen Dialekt. Der neue Mann im Geschichtspark Bärnau/Tachov im Landkreis Tirschenreuth ist 1964 in Houston in Texas geboren und verbrachte dort seine ersten fünf Lebensjahre. Die Eltern sind Würzburger. Sein Vater war Diplomat. Deshalb lernte Martin Baumeister viele Länder und Städte kennen. Etwa alle vier Jahre änderte sich der Wohnort. Wien, Liberia und Rotterdam waren Stationen. Schließlich landete die Familie in Bonn und wurde dort sesshaft.

Faszinierendes Thema

Martin Baumeister schrieb sein Abitur und studierte Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie. "Das Thema fasziniert mich wahrscheinlich deshalb so, weil ich so viel im Ausland rumgezerrt worden bin. Da waren für mich Antworten auf Fragen 'Wie hat sich eigentlich in der Heimat alles entwickelt?', viel spannender als Fernreisen."

Als Grabungshelfer für Denkmalämter begann Baumeister seine Karriere und arbeitete für Firmen in ganz Bayern. "Wir haben alles Mögliche ausgegraben. Römische, germanische Kultur und sehr viel Mittelalter. Oft wurden wir in Innenstädten fündig. Wenn da gebaut wird, weiß man, da kommt was. Aber bevor man ins Mittelalter vordringt, liegt der Zweite Weltkrieg darüber. Nicht ganz ungefährlich angesichts Bomben und Kampfmitteln."

Baumeister lebt seit zwölf Jahren in Nürnberg. Wie alle seine Berufskollegen wechselt er immer wieder zwischen Grabung und Innendienst. "Das ist ganz wichtig. Man will ja auch veröffentlichen. Also muss man sich hinsetzen, auswerten und aufschreiben, was man draußen erlebt beziehungsweise gefunden hat. Das kann man an der Uni machen oder im Museum. Jetzt rekonstruiere ich hier und werde meine Erkenntnisse weitergeben. Bei Grabungen findet man ja nur schwarze Flecken im Boden, das sagt keinem Laien was. Das ist das Faszinierende an den Rekonstruktionen hier. Die Leute sehen beim Durchlaufen, wie es wirklich gewesen ist. Was hier in Bärnau steht, ist schon sehr echt."

Nach Bärnau kam Baumeister eher unspektakulär. Den wissenschaftlichen Leiter des Geschichtsparks, Stefan Wolters, kennt er schon lange. Von gemeinsamen Ausgrabungen und aus der Darstellerszene. Letztere führte ihn durch ganz Europa. In Bärnau ist er von Anfang an als Darsteller dabei und hat an vielen Häusern mitgebaut. "Nicht nur so zum Spaß, sondern auch, um Bautechniken zu studieren." Baumeister arbeitete im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, als Stefan Wolters dort auftauchte und sagte: Wir haben da ein Projekt, schau's dir mal an."

Erste Ideen was man im Gelände optimieren könnte, habe er bereits im Gepäck. Vor allem Kleinigkeiten fielen dabei ins Gewicht. Eine bessere Verzahnung der Gebäude mit der Landschaft wäre so eine. Auch das Thema Natur könnte im Geschichtspark besser gezeigt werden. "Da ist die natürliche Ansiedelung des Bibers geradezu ein Geschenk - und wir werden unser wissenschaftliches Renommee stärken."
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