Drama, Drogen, Rebellion

Julian Mühlmeier als Johnny Cash und Michelle Völkl als June Carter bezauberten das Publikum am Schafferhof. Bild: gge

Die Gitarre hielt er in Johnny-Cash-Manier unter dem linken Arm, zwei korrekte Scheitel brachten eine mit viel Gel fixierte Haartolle zum Vorschein. So stand der Bärnauer Julian Mühlmeier vor dem alten, silbernen Vector-Retro-Mikrofon.

Seine Eltern im Publikum waren stolz auf ihren talentierten und wandlungsfähigen Sprössling, der in schwarzem Anzug und weißem Hemd dem "Man in Black" Johnny Cash sehr ähnlich sah. Unterstützung bekam der Sänger von Andreas Bauer (Schlagzeug), Lennart Frank (Bass), Michael Rüth (Gitarre) und Frederik Frank (Gitarre).

Gemeinsam erzählte das Quintett die Lebensgeschichte des US-amerikanischen Country-Sängers und Songschreibers mit der markanten Bassbariton-Stimme und dem "Boom Chicka Boom"-Rhythmus seiner Musik. Mühlmeier und die Frank-Brüder dürften einigen bekannt vorgekommen sein. Die drei gehören der Formation mit den "Endow-County"-Ukulelen an.

Vom Musical zur Band

Die Fans kennen die Biographie von Cash, besonders seit dem Film "Walk the Line". Dieser innerlich zerrissene, sensible Mensch, dem es trotz aller Anstrengung nie gelang, die Liebe seines Vater zu erringen, hat Musikgeschichte geschrieben. Das Moderne Theater führte 2013 das Musical "Cash" im Kettelerhaus Tirschenreuth auf. Regisseur war Daniel Grünauer. Nach dem Erfolg hatten sich die Musiker überlegt, das Konzert "Hello, I'm Johnny Cash" auf die Bühne zu bringen.

Mühlmeier startete mit "Cry, cry, cry" und "Hey Porter". Mit seinen Bewegungen und seiner Stimme überzeugte er das Publikum sofort. Der Erfolgstitel "Folsom Prison Blues" animierte das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen. Mit dem Auftritt von Michelle Völkl als June Carter und dem Titel "Flesh and Blood" bekam der bis dahin eher melancholische Grundton Leben und Farbe. Völkl begeisterte mit ihrer Stimme und mit ihrem Outfit. Mit weitem Rock, langen Haaren, Pumps und den betont lässigen Bewegungen lockerte sie die Männerband auf. Carter war Cashs große Liebe. Beim Titel "Jackson" machte er ihr auf der Bühne einen Heiratsantrag. Nachdem sie ihn bis dahin sechs Jahre lang hatte abblitzen lassen, nahm sie diesen an.

Leben schreibt Geschichte

Immer wieder erzählten nun abwechselnd Mühlmeier und Völkl vom Leben der beiden. Der von June Carter geschriebene Hit "Ring of Fire" erzählte von der Drogensucht Cashs. Die Lieder hatten immer etwas Persönliches. Auch "Get Rhythm" durfte nicht fehlen. Ihre klare Stimme präsentierte Michelle solo bei "The Circle will be unbroken", während Julian die Verletztheit des Sängers mit "Hurt" fühlbar ausdrückte. Besonders begeisterte das Publikum das Duett "Times a Waistin", das Julian und Michelle auch nochmals als Zugabe anhängten, ebenso wie das nicht minder beliebte "Jackson".

Als die beiden sich dabei kurz liebevoll berührten - natürlich als Johnny und June - jubelte das Publikum. Der nächste Auftritt? "Wir sind buchbar", bestätigte Daniel Grünauer.
Weitere Beiträge zu den Themen: Neuhaus (1343)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.