Drang nach Eigenständigkeit

Die Kürmreuther wollten frei sein. Sie wollten nicht mehr abhängig von der Pfarrei Eschenfelden bleiben und auch nicht von deren Pfarrer versorgt werden. Und was sie sich vornahmen, das setzten sie auch durch.

Lange bevor Königstein eine eigene Kirchengemeinde wurde, war Kürmreuth schon eine selbstständige Pfarrei. Die Kürmreuther Kirche war ursprünglich eine Filialkirche von Eschenfelden. Das Patronatsrecht übte das Kloster Kastl aus, das wahrscheinlich auch der Bauherr der Kirche war. Doch glücklich waren die Kürmreuther mit beidem nicht. Sie wollten eben ihr kirchliches Leben selbst bestimmen.

Erlaubnis des Abts

Sie wandten sich an den Abt des Klosters Kastl und baten, sich von Eschenfelden trennen zu dürfen. Und wirklich, im Jahre 1364 war es soweit: Der Abt des Klosters Kastl gestattete den "Edelleuten und Bauern zu Kürbenreuth", im Bereich des Dorfes eine eigene Pfarrei zu gründen. Jedoch müsse der Pfarrer vom Kastler Abt eingesetzt werden. Ein Pfarrhaus war auch schon vorhanden. Es wurde zwei Jahre zuvor gebaut.

Wahrscheinlich war es die Wohnung des Kaplans von Eschenfelden, der schon zuvor in Kürmreuth wohnte, da er nicht jeden Tag zur Messe den weiten Weg von Eschenfelden nach Kürmreuth gehen konnte. Allerdings war das Pfarrhaus recht unbequem, denn es regnete in die Studierstube, so dass man sich darin nicht aufhalten konnte. Auch erreichten die Kürmreuther im Jahre 1512, dass das Kloster Kastl das Patronat an das Rittergeschlecht derer von Kürmreuth abtrat. Moritz, Sebastian und Balthasar von Kürmreuth hatten nun das Sagen. Im Jahre 1542 nahm das Herzogtum Sulzbach den evangelischen Glauben an.

Bis zu diesem Jahr war Georg Gebhard katholischer Pfarrer in Kürmreuth. Er wurde evangelisch und blieb weiter Pfarrherr von Kürmreuth, insgesamt 21 Jahre lang. Mit ihm traten auch das Rittergeschlecht der Kürmreuther, die Bauern und der Lehrer über.

Im Jahr 1652 gab es einschneidende Veränderungen für Kürmreuth. Durch die Einführung des Simultaneums musste der evangelische Pfarrer den Kirchenbesitz samt Äckern, Friedhof, Kirche und Schulhaus mit dem katholischen Pfarrer teilen. Damit wurden auch die Einkünfte halbiert, so dass weder der eine noch der andere Geistliche seinen Unterhalt aus dieser kleinen Pfarrei bestreiten konnte. Aufgrund der geringen Seelenzahl vereinigte man die katholischen Pfarreien Eschenfelden, Edelsfeld, Kürmreuth und Königstein unter einem einzigen Pfarrer, der in Königstein wohnte. Dieser hielt in Kürmreuth 18 Messen pro Jahr.

Die evangelischen Christen Kürmreuths blieben bis zum heutigen Tag eine selbstständige Kirchengemeinde mit eigenem Kirchenvorstand und Kirchenpfleger. Der Pfarrer allerdings kommt aus Edelsfeld.
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