Drei Neuerscheinungen erzählen Geschichten von Erleben und Überleben in eisigen Höhen
Der spannende Kampf um die Berge

Man kann 2015 eigentlich von einem Jahr der Berge sprechen, das am 11. Dezember mit dem Internationalen Tag der Berge gekrönt wird. Denn im Juli vor 150 Jahren haben es sieben Männer zum ersten Mal geschafft, das Matterhorn zu besteigen. Ein Jubiläum, das die Welt feierte. Drei Neuerscheinungen befassen sich mit diesem Jubiläum und der Geschichte des Alpinismus.

Edwardy Whymper: "Matterhorn. Der lange Weg auf den Gipfel" (288 Seiten, 22,90 Euro, AS-Verlag):Das Matterhorn ist nicht nur der berühmteste Gipfel, sondern auch ein weltweit bekanntes Wahrzeichen der Schweiz. Seine Ersteigung ist der grösste Wunsch zahlreicher Bergsteiger. Rund 3000 von ihnen erreichen jeden Sommer über den Hörnligrat, den leichtesten Weg, den Gipfel. Die dramatische Erstbesteigung durch Whymper und seine Gefährten am 14. Juli 1865 - nach allein sieben erfolglosen Versuchen durch ihn selbst und zahllose andere - ist eine der spannendsten Episoden, welche die Alpingeschichte zu bieten hat.

Der Engländer Edward Whymper und der Italiener Luigi Carrel lieferten sich einen harten Konkurrenzkampf um die Ehre, als Erster auf dem Matterhorn zu stehen. Whymper bezahlte seinen Gipfelsieg mit der Tragödie im Abstieg, die vier seiner Begleiter das Leben kostete. Die Ausgabe stellt Whympers Matterhorn-Erlebnisse aus seinem berühmtesten Werk "Scrambles amongst the Alps" zusammen und ist mit den Holzschnitten des Autors illustriert.

Daniel Anker: "Matterhorn. Berg der Berge" (336 Seiten, 510 Abbildungen, 54.90 Euro, AS-Verlag): Vor 150 Jahren standen sieben Männer zuoberst auf dem umworbenen Matterhorn: die Briten Edward Whymper, Francis Douglas, Douglas Robert Hadow und Charles Hudson sowie die Bergführer Michel-Auguste Croz aus Chamonix, Peter Taugwalder Vater und Sohn aus Zermatt. Der erste Abstieg vom Matterhorn mit vier Toten sorgte für viel mehr Schlagzeilen als der erste Aufstieg. Die Londoner "Times" stellte die Frage: "Ist Bergsteigen nicht kriminell?" Den Hoteliers konnte die Frage nur recht sein, denn nun kamen die Touristen, um diesen Schicksalsberg aus der Nähe zu sehen. Zermatt und Breuil Cervinia wurden zu sehr bekannten Fremdenverkehrsorten der Schweiz bzw. Italiens. Der Gipfel selbst wird heute während einer Sommersaison von 1000 bis 1500 Menschen erklommen. Zugleich erfuhr das Matterhorn eine weltweite Vermarktung: Es ist zum Werbeträger für alles Mögliche und Unmögliche aufgestiegen.

Stefan König: "Alpingeschichte(n). Von den Anfängen bis auf den Mount Everest" (288 Seiten, 26,90 Euro, AS-Verlag):Statt Tausende von Daten und Fakten zu servieren, nimmt Stefan König die Leser mit auf eine erzählerische Reise durch die Zeiten, durch die Alpen, durch die Bergregionen der Welt. Große Berge und große Persönlichkeiten treten in den Blickpunkt: Montblanc, Matterhorn, Drei Zinnen. El Capitan und Cerro Torre. Annapurna, Everest und Nanga Parbat. Whymper und Messner, Buhl und Bonatti, Herzog und Hasse. Kaltenbrunner und Destivelle. Und zudem: Große Fragen, auf die er in seinen 24 Essays oft ganz unkonventionelle Antworten gibt. Faszinierende und höchste unterhaltsame "Alpingeschichte(n)".

Zu den herausragenden Eigenschaften des Buches gehört aber, dass nicht nur die alpinistischen Höchstleistungen und Sensationen geschildert werden, sondern dass die Aspekte Kultur, Spiritualität und Tourismus gleichberechtigt Raum einnehmen - wenn der Autor die Themen Krieg, Kolonialismus, ökologische Ausbeutung anspricht, wird klar, dass die Gebirge nie eine heile Welt waren.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Dezember 2015 (2649)
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