Drohnen für den Frieden: Unbemannte Flugsysteme sind nicht nur beim Militär auf dem Vormarsch
Sensoren statt Bomben

Die Wissenschaftler Andreas Scholtz und Barbara Altstädter vom Braunschweiger Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme bereiten den nächtlichen Einsatz eines unbemannten Fluggerätes vom Typ Carolo MMAV während einer Klima-Messung in der Antarktis vor. Bild: Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme/Matthias Krüger/dpa
Lokales
Deutschland und die Welt
04.11.2013
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Beim Wort "Drohne" verzieht Philipp Schnetter das Gesicht. Mit Krieg und Zerstörung per Fernbedienung will er nichts zu tun haben. "Das wird strikt vermieden. Die heißen hier unbemannte Flugsysteme", sagt der 28-Jährige. Seit mehr als zehn Jahren baut eine Handvoll Braunschweiger Maschinenbauer an der Technischen Universität kleine Flugzeuge.

Statt Bomben sind sie mit Digitalkameras und Sensoren bestückt. Durch ein kleines Glasfenster am Boden knipsen sie Bilder aus dem Himmel.

Die Möglichkeiten der Flugmissionen sind unbegrenzt: Katastrophen überwachen, Klima messen, Lawinenopfer suchen, Reaktorschäden an Atomkraftwerken aus ungefährlicher Distanz überprüfen. Ein Schwerpunkt am Braunschweiger Institut ist die Entwicklung der Autopiloten. Nur für militärische Zwecke werden die Drohnen aus Braunschweig nicht eingesetzt, wie Schnetter versichert. "Weil wir wissen, mit wem wir arbeiten."

Der Teamleiter hat im Studium selbst Modellflieger gebaut, einer liegt noch auf dem Schrank in seinem Büro am Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme. "Erst kam der Modellflug, dann die leichte, leistungsstarke Elektronik", berichtet der 28-Jährige. Der Autopilot der Fluggeräte wird durch winzige Handy-Prozessoren gesteuert, die Flieger bestehen aus leichten Glas- oder Kohlefasern, nicht mehr aus schwerem Holz. "Durch die kleinere und leichtere Technik wächst das Feld unglaublich schnell", sagt Schnetter.

Per Katapult in die Luft

Zwar besitzen die medienwirksamen Oktokopter mit ihren acht Rotoren die bessere Flugmechanik für die Ausspähung von Sportübertragungen oder Demonstrationen. Doch die Braunschweiger Flugzeuge in Miniaturform haben den längeren Atem und können dabei mehr Nutzlast transportieren. "Die Flächenflugzeuge brauchen weniger Energie als die Schwebeplattformen", sagt Andreas Scholtz. Der Maschinenbauer hat die Carolo P200 gebaut. Mit ihren zwei Metern Spannweite wiegt sie nur rund sechs Kilo. Per Bungee-Seil wird sie beim Start in die Luft katapultiert. Mit ihren zwei Akkus bleibt die P200 über eine Stunde lang rund 70 Kilometer pro Stunde in der Luft.

Im Sommer hat Scholtz mit seiner Braunschweiger Drohne in der Antarktis Temperatur, Feuchtigkeit und Wind in bis zu 500 Metern Höhe über dem Eismeer gemessen. Mit dem Nachfolger P360 kontrollieren Agrarforscher aus Brandenburg Schädlingsbefall und Pflanzenwachstum in ihren Wäldern. Dem Technischen Hilfswerk demonstrierten die Forscher, wie die Fluggeräte zur Überwachung von Waldbränden eingesetzt werden können. "Dafür haben wir auf dem Modellflugplatz den Grill ordentlich angeheizt", erzählt Schnetter.

Rechtliche Grenzen

Begrenzt sind nur die rechtlichen Möglichkeiten für die ferngesteuerten Flieger. Bis zu 25 Kilo dürfen sie wiegen, sonst benötigen sie eine Fluggenehmigung von der Landesbehörde. "Und außerhalb des Sichtbereichs ist das Fliegen noch nicht erlaubt", sagt Schnetter. "Wenn es die technischen Regularien nicht gebe, könnte man ganze Cargo-Frachter automatisch fliegen."
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