Druck der Demografie wächst

Fast hätte es am Wochenende etwas zum Feiern gegeben. Die Ökumenische Sozialstation wurde am 28. Mai 1973 gegründet. 42 Jahre später belässt es ihr Geschäftsführer Günter Koller mit einer Pressekonferenz.

Sulzbach-Rosenberg. (zm) Nein, in alten Zeiten, als alles mit einer Arbeitsgemeinschaft anfing, möchte der Chef der größten ambulanten Pflegeeinrichtung in Bayern nicht schwelgen. Heute sind aus den einstigen Gründungsmitgliedern der zwei katholischen Kirchenstiftungen und zwei evangelischen Kirchengemeinden Gesellschafter einer gemeinnützigen GmbH geworden.

Von der Hofgartenstraße 10 aus haben im vergangenen Jahr 59 Mitarbeiterinnen in Teil- und Vollzeit 555 pflegebedürftige Menschen in neun Gemeinden versorgt und fast 340 000 Kilometer in 21 Dienstfahrzeugen zurückgelegt. Was Demografie unter anderem bedeutet, das ist für Koller, die Pflegedienstleiterin Brigitte Riederer und ihre Kolleginnen deren tagtägliche Arbeit.

Jede der statistischen Rubriken, die annähernd das Geschäft der Sozialstation beschreiben, weist gegenüber dem Vorjahr eine zum Teil sehr deutliche Steigerung (siehe unten) aus. Die neueste Errungenschaft der Einrichtung ist eine seit bald einem Jahr laufende Photovoltaik-Anlage mit Modulen auf dem Dach der Sozialstation sowie deren Carport. Sie leistet fast 29 Kilowatt Peak (kWp) und zielt darauf ab, den eigenen Strombedarf mit abzudecken. Deshalb gibt es auch einen hauseigenen Batteriespeicher für die Nacht und düstere Tage mit geringer Produktion. Koller beziffert den jährlichen Strombedarf im Hofgarten 10 auf 15 000 Kilowattstunden (kWh). Die Hälfte davon könne durch die eigene Photovoltaik produziert werden, wobei weitere 17 500 kWh ins Netz gehen.

Griffige Leitlinie

Da die Sozialstation zudem über einen Elektro-Pkw verfügt und die Anschaffung eines zweiten plant, hat der Geschäftsführer für die Einrichtung die wortspielerische Leitlinie "ökumenisch, ökonomisch und ökologisch" herausgegeben. Das, betonte Koller, spiegle zugleich Grundwerte der kirchlichen Träger wider. "Wenn wir schon der größte ambulante Pflegedienst Bayerns sind, dann leiten wir daraus auch ab, in verbandspolitischen Fragen mitzureden", unterstrichen der Geschäftsführer und die Pflegedienstleitung als Stimme an der Alltagsbasis.

Demnach zeigt sich das Führungsduo der Sozialstation mit bereits umgesetzten Maßnahmen nach dem Pflegestärkungsgesetz I durchaus zufrieden. Teil II sei auf den Weg gebracht, solle 2017 in Kraft treten und verspreche, Pflegebedürftigkeit nicht mehr nur über körperliche Gebrechen oder einen angegriffenen Gesundheitszustand zu definieren, sondern auch altersspezifische psychische Beeinträchtigungen einzubeziehen. Damit würde beispielsweise Demenzerkrankungen und deren Folgen deutlich mehr Rechnung getragen.

Tariflöhne "einpreisen"

Koller hat außerdem eine Forderung im Köcher, die gewerkschaftliche Züge trägt, weil sie auf die Bezahlung in Pflegeberufen abzielt. Seiner Darstellung nach sind die kirchlichen Arbeitgeber im Spitzenbereich angesiedelt, was den Trägern im Vergleich zu Privatunternehmen gerne entgegnet werde, wenn sie monieren, mit den Gebührensätzen für ihre Dienstleistungen nur sehr schwer wirtschaften zu können.

Koller möchte deshalb erreichen, dass in der ambulanten Pflege künftig die Tarifbindung des Trägers in die Ausgestaltung von Gebührensätzen eingeht. Denn bisher heiße es immer nur, "das ist euer Problem". Dem könne er nicht zustimmen. Die Pflege von alten und kranken Menschen sei eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung und ein Gebot der Humanität.
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