Druck von der Straße

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer sowie die Altbürgermeister Josef Zilbauer und Johann Walbrunn (von links) kämpfen für den Erhalt der Sollstellen bei der Polizei Vohenstrauß. 5136 Unterschriften wollen sie in Kürze Innenminister Joachim Herrmann in München übergeben. Bild: dob

Die Bevölkerung im Altlandkreis kämpft für ihre Polizei. Exakt 5136 Unterschriften wird Bürgermeister Andreas Wutzlhofer in den nächsten Tagen Innenminister Joachim Herrmann überreichen.

Vohenstrauß. (dob) Wenn es nach Bürgermeister Wutzlhofer ginge, wäre die vom bayerischen Innenministerium und dem Präsidium Oberpfalz angedachte Personalsollstellenreduzierung bei der Polizeiinspektion längst vom Tisch. Erst am Wochenende zogen Vandalen von der Stadthalle bis hinunter zum Marktplatz eine Spur der Verwüstung und im Ortsteil Böhmischbruck wurde in einem Autohaus eingebrochen. "Wir sind längst nicht mehr eine Insel der Seligen."

Zusammen mit den Altbürgermeistern aus Vohenstrauß und Pleystein, Josef Zilbauer und Johann Walbrunn, die zugleich Vorsitzende des Vereins "Bürger und Polizei - Partner für Sicherheit" sind, ist das amtierende Stadtoberhaupt Strippenzieher der erfolgten Unterschriftenaktion für den Erhalt der Personalstellen bei der Vohenstraußer Inspektion. Alle drei kämpfen für den Erhalt der bisherigen Sollstärke und für die Gewährleistung eines persönlichen Ansprechpartners bei der Dienststelle rund um die Uhr.

Und dabei ist das Trio nicht alleine, der Widerstand gegen dieses Ansinnen formierte sich: Insgesamt 5136 Unterschriften haben die Initiatoren auf dem Tisch liegen. "Der Aufschrei in den verschiedenen Ortschaften ist groß", bestätigen die Organisatoren. "Wir brauchen eine direkte Anlaufstelle bei der Polizei in Vohenstrauß. Es dürfen keine Personalstellen gestrichen werden, und altersmäßig ausgeschiedene Beamte müssen durch jüngere ersetzt werden." Mit noch weniger Beamten als bisher sei es zunehmend schwierig, den "normalen" Schichtdienstbetrieb bei der Inspektion aufrecht zu erhalten.

Polizei auch in der Fläche

Viele Bürger zeigten sich in den Gesprächen sehr besorgt, über die Pläne des Innenministeriums in München und des Präsidiums in Regensburg. Nicht nur große Städte wie München oder Regensburg brauchen Polizeibeamte, sondern auch in der Fläche sei Polizeipräsenz vonnöten. Allein in Vohenstrauß haben 2600 Leute für dieses Anliegen unterschrieben. 2000 davon nahmen eigens den Weg ins Rathaus in Kauf. Sogar gehbehinderte Menschen hätten keine Mühen gescheut, um mit ihrem Autogramm deutlich ihr Begehren zu äußern.

Stark schnitt auch die Stadt Pleystein ab. Knapp 1300 Bewohner unterstützten die Petition. "Der Druck muss von der Straße kommen", lautete die Devise der Vereinsvorsitzenden. "Wenn die Sollstellen erst einmal gestrichen sind, dann ist es zu spät für einen Aufschrei."

Sollte die Kürzung wirklich erfolgen, werde der gut funktionierende Verein "Bürger und Polizei - Partner für Sicherheit" - der als einmalig in ganz Bayern gilt - und in den zurückliegenden Jahren viel für die Prävention der Bevölkerung getan hat, sofort aufgelöst, droht Altbürgermeister Zilbauer.

Er macht seinem Ärger am deutlichsten Luft und sieht auch die erfolgte Polizeireform kritisch. Die gestrafften Strukturen sollten eigentlich mehr Polizisten im Streifendienst auf die Straßen bringen, ob sie durch die Reform präsenter sind, bleibe dahingestellt.

Am Rande der Plenarsitzung in der vergangenen Woche vermittelte Landtagsabgeordnete Petra Dettenhöfer Bürgermeister Wutzlhofer ein Telefonat mit Innenminister Joachim Herrmann, in dem das Stadtoberhaupt um einen Gesprächstermin bat. Diese Gelegenheit, bei der auch die Unterschriften übergeben werden, bekommen die Vorsitzenden nun mit Bürgermeister Wutzlhofer Ende November oder Anfang Dezember. "Wir wollen dem Innenminister unsere Besorgnis entsprechend darlegen und keine überzogenen Ansprüche stellen."

Viele Beamte schon älter

Der Rathauschef wird aber auch die Neueinstellungen junger Beamter fordern. Denn eines sei gewiss: "Ein junger Beamter ist allein aus physiologischer Sicht belastbarer als ein älterer, insbesondere beim Schichtdienst". Sonst drohe die Gefahr der Überalterung. Der aktuelle Altersdurchschnitt bei den Polizisten der Vohenstraußer Inspektion liege bei 50,7 Jahren und bei den Schichtdienstbeamten exakt bei 50 Jahren.
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