Dunkel glühende Tonsprache

Die lebendige Musikszene Estlands vermittelte der Chor "Vaikuse Muusika" bei einem Konzert in der Stadtpfarrkirche Eschenbach auf Einladung des Kulturkreises Pressath. Die 18 Sänger und Instrumentalisten erinnerten mit einem begeisternden Auftritt an die tiefe musikalische Seele des Baltikums und an die Zeiten der Unfreiheit. "Wenn ich kein Land und keinen Wald habe, bin ich kein ich", beschrieb ein Chormitglied diese Zeit. Bild: do

Die Musik im Baltikum war in Zeiten sowjetischer Okkupation ein Zeichen des Widerstandes. Heute hat sich die Situation geändert. Die Musik aus dem Nordosten Europas hat einen Siegeszug um die Welt angetreten und ist längst noch nicht auf dem Gipfel ihrer Popularität.

Legendär ist besonders die Qualität estnischen Chorgesangs. Sängerfeste gehören zu den wichtigsten Kulturtraditionen Estlands. Die "Singende Revolution" war es auch, die 1989 zur Unabhängigkeit des Baltenstaates führte.

Klänge aus Estland, den gregorianischen Gesängen ähnelnd, verzauberten am Samstagabend auch die wenigen Besucher in der Stadtpfarrkirche in Eschenbach. Der Ausdruck von Leid und Trauer, von Verzweiflung und Hoffnung, religiöses Empfinden, und dann wieder die Stimmbilder des Schönen und der Fröhlichkeit: All diese verzaubernden Klangbilder vermittelte im gotischen Gotteshaus der Chor Vakuse Muusika aus Tartu in Estland. Einfühlsam, in schöngeistiger Romantik, verwurzelt in zeitlosen Volksmelodien und in der estnischen Folklore entwickelten die 18 Sänger eine dunkel glühende Tonsprache.

Kontrastreich durchdrang geistliches Volksliedgut diese organisatorische Einheit. Spielerische Melancholie, inspiriert von deutschen Kirchenliedern aus vergangenen Jahrhunderten und mittelalterliche Klangfarben vermischte der Chor lieblich und inspirierend mit originellen Bauernmelodien aus dem Land an der Ostsee, die Tiefe, Vitalität, Fantasie und beachtliches Stimmvolumen vermittelten. "Uigasi, uigasi, ich habe gerufen und gerufen", hieß es da schon zu Beginn des Programms in vertrauter Melodienfolge und auch die weiteren Liedbeiträge kündeten von Gottes Lobpreis. Der Chor aus dem "neuen Europa" überraschte in seiner Landessprache und dann wieder im akzentfreien Deutsch von "Gebet zu Gebet" mit religiöser Tiefe und Innigkeit. Zum Konzertprogramm gehörten auch Kompositionen des weltberühmten estnischen Tonartisten Arvo Pärt. "Da pacem Domine" und "Drei Hirtenkinder aus Fatima" interpretierte das Ensemble in durchdringender Reinheit.

Charmant führte Paul Lääne durch das anspruchsvolle Programm und Dirigent Tonu Sepp zeichnete mit seinen kräftigen Männerstimmen und der Zärtlichkeit aus "Sopran und Alt" ein Bild vom christlichen Werdegang seines Landes nach. Mit landestypischen Instrumenten verstärkte Vaikuse Muusika die Nachhaltigkeit seines Auftrittes. Maultrommel, Knieharfe, Fidel, Dulzian, Psalterium und Flöten bereicherten die Liedbeiträge des Chores. Das Konzert war Bestandteil des Herbstprogrammes des Kulturkreises Pressath und der Kulturfreunde Pirk. Chor und Besucher begrüßte Kulturkreis-Vorsitzender Eckhard Bodner.
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