Durch Kunst zu Gott finden

Angedacht war die Ausstellung schon länger - das erste Kirchweihfest in Johannisthal bot schließlich den passenden Termin: Anton Sammet, Rektor im Ruhestand - oder Rektor in Rufweite, wie Direktor Manfred Strigl meinte - zeigt Bilder und Plastiken.

Johannisthal. (wrt) Strigl erklärte in der Vernissage zur Austellung "Mit Kunst durchs Kirchenjahr" am Samstag das Konzept des Exerzitienhauses: Es sei die Konzentration auf das Wesentliche. In diesem architektonischen Umfeld fielen starke Farben, wie der Künstler sie zum großen Teil verwendet, besonders auf. Der Geistliche bescheinigte ihm deren geniale Verwendung und eine ansprechende, deutliche Linienführung. "Soli deo gloria", also "Gott allein zur Ehre" lautete eine Signatur unter den Werken Johann Sebastian Bachs, und auch den Bildern Sammets sei diese Einstellung anzumerken.

Der Windischeschenbacher Künstler erläuterte, wie er zur Malerei gekommen sei. Auf ein Kunststudium habe er zwar wegen der Angst vor "brotloser Kunst" verzichtet, jedoch habe ihn die Kunst stets begleitet und ihm das Malen stressreduzierte und -reduzierende Zeit geschenkt. Sammet erinnerte an das Verbot in verschiedenen Epochen und Religionen, Gott darzustellen. Doch sei durch Kunst die Möglichkeit gegeben, zu Gott zu finden.

Ideen beim Singen

Seinen Malstil beschrieb der Rektor a.D. als "Farb- und Formenspiele", oft mit expressiven Zügen. "Nicht der Maler ist Schöpfer der Bilder, sondern der Betrachter", gab er den Besuchern mit auf den Weg. Sich zu deautomatisieren helfe, eine bewusstere Wahrnehmung zu entwickeln.. Inspiriert habe den Kirchenchor-Sänger oftmals ein Lied, eine Verszeile oder auch eine Aussage in einer Predigt. Einige Werke schuf er für seine Enkelkinder, so eine Holzplastik für Barbara, die mit den Symbolen der Namenspatronin arbeitet. Beim Gang durch die Ausstellung im unterirdischen Trakt, der die Gebäude in Johannisthal verbindet, erzählte der Künstler Interessantes zu Materialien und Techniken. Sammet arbeitet mit Acryl und Ölfarben, mit Metallfolien und Hammerschlagkarton. Er verwendet alte Bretter, Porzellanscheiben, Holzstämme und Bronze-Motive.

Die Rahmen der Exponate habe er selbst erarbeitet oder gekauft und künstlerisch in das Werk integriert, verriet der Redner. So seien beispielsweise die Kreuzwegstationen in einen handelsüblichen Paravent eingesetzt. Etliche Exponate seien um Bronzekreuze herumgearbeitet, die ursprünglich als Grabmotive gedacht waren.

Sammet erinnerte sich bei manchen Werken an knifflige Probleme, die sich aus den Materialien ergeben hätten und die er handwerklich lösen musste. Thematisch orientierten sich die Darstellungen am Kirchenjahr. Neben dem Dreh- und Angelpunkt Advent finden sich Weihnachtsmotive. Zum Hochfest Ostern hat Sammet Kerzen gestaltet, ein originelles Gusseisen-Marien-Werk bietet sogar Platz, um Papier-Röllchen mit Bitten anzubringen.

Die Gedanken sind frei

"Lebenslabyrinth", "Transzendenz" oder "Spes unica" laden laut Künstler dazu ein, sich eigene Gedanken zu machen und für sich selbst zu interpretieren. Im "Bildbaum für Christkönig" verarbeitete Sammet einen Teil des Baumstammes, der von einer der beiden Linden stammt, die zur Erinnerung an die Erhebung Bayerns zum Königreich durch Napoleon gepflanzt worden waren.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.