Durchblick im Detail

Mit Hilfe mehrerer Bildschirme überprüft Gebietstopograph Werner Schäffer (links) zusammen mit Mitarbeiter Johann Ostermayer, ob Straßen, Wege oder markante Gebäude noch mit den bisherigen Plänen übereinstimmen. Was mehr als fünf Meter abweicht, wird korrigiert. Bild: Bugl

Regen und Schnee sind die schlimmsten Feinde von Gebietstopograph Werner Schäffer. Im Schlamm versagt auch der Allrad-Antrieb, dann steckt er fest in seinem rollenden Büro. Doch dafür verirrt er sich eigentlich nie.

Im Auftrag des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung ist Werner Schäffer an diesem Sommertag unterwegs nach Flossenbürg. Die Höhenlagen im Grenzbereich spart er sich immer für die wärmere Jahreszeit auf, denn bei Schnee bis zum März ist sein Job nur auf geräumten Straßen und Wegen möglich. 5000 Quadratkilometer groß ist die Fläche, die er jedes Jahr von neuem aktualisiert. Das Ergebnis belegt eine topographische Karte.

Bis kurz vor Bayreuth im Nordwesten, Selb im Nordosten, Illschwang im Südwesten und den Grenzübergang Höll im Südosten erstreckt sich die Fläche, auf der er nach neuen Straßen, einem eben erst angelegten Kreisverkehr oder dem jüngsten Windrad fahndet. "Ich kann sagen, dass ich auf jedem Quadratkilometer schon mal war", erklärt der 57-Jährige aus Niedermurach und fügt hinzu: "Aber irgendwann ist die Festplatte im Kopf voll, das kann man nicht alles speichern." Dafür gibt es den Computer.

Laptop angeschnallt

Im VW-Bus von Werner Schäffer ist der Laptop fest angeschnallt. Kurz vor dem Areal, das an diesem Tag untersucht werden soll, kommt die GPS-Antenne aufs Dach. Kleine rote Punkte tauchen auf dem Bildschirm auf, die Route deckt sich zunächst mit der eingezeichneten Straße, doch plötzlich weicht sie ab. "Das sind mehr als sechs Meter", stellt Schäffer fest und klickt mit der Maus auf die neue Trasse. Die alte wird gelb markiert, das steht für Löschen. Beim Umkehren entdeckt der 57-Jährige noch das Schild mit dem Straßennamen: Gedächtnisallee. Damit ist die nächste topographische Karte für diese Gegend schon wieder ein Stück präziser.

Manches wird auch ausradiert. "Hier auf dem Plan haben wir noch Grundmauern, auf dem Gelände sieht man jetzt nichts mehr", sagt Schäffer und zeigt auf die Umrisse im Computer. Auch das wird gelb markiert und verschwindet von der Landkarte. "Zurzeit werden in der nördlichen Oberpfalz viele alte Porzellanfabriken abgebrochen", weiß der Topograph, der täglich nach solchen Veränderungen Ausschau hält.

"Wir sind fixiert auf hellen Beton, schwarzen Teer und Kräne", erzählt Mitarbeiter Johann Ostermayer. Schwerpunkt sind allerdings die Straßen. Die Beschäftigten des Landesamt unternehmen dabei keineswegs eine "Fahrt ins Blaue". Jeden Freitag fragt Schäffer bei den Kommunen nach Neuerungen, die werden dann gezielt angepeilt. Und alles "ab Kreisstraße" hat "Spitzen-Aktualität" und muss spätestens innerhalb von drei Monaten erfasst werden. "Bis eine Landkarte druckt wird, ist sie im Prinzip schon veraltet", seufzt Schäffer. Allerdings sind die Veränderungen in der Oberpfalz nicht so gravierend wie beispielsweise in Oberbayern. "In Baugebieten, die vor zehn Jahren ausgewiesen wurden, steht manchmal immer noch nichts", so die Erfahrung des Topographen. Allzu weit voraus greifen will er deshalb lieber nicht. Die Windräder bei Deindorf sind aber schon drin im System, obwohl im vergangenen Jahr nur Pflöcke den Ort markiert haben.

Selten zu Fuß

Viel Zeit zum Überlegen bleibt den Landvermessern bei einem Pensum von wöchentlich 130 Quadratkilometern ohnehin nicht. Nur wenn es nicht anders geht, wird mal ein Wanderweg zu Fuß erkundet, die meiste Zeit klebt der Blick im VW-Bus auf dem Bildschirm. Passiert es dann auch den Fachleuten, dass sie sich verlaufen? "Das wär ein schlechtes Zeichen, wenn wir uns verirren", sagt Schäffer und schmunzelt: "Aber manchmal kommen auch wir woanders raus, als wir geplant haben."
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.