Eckhardt Henscheids besonderer Blick auf die Heimat - Lesung auf Burg Wernberg
Offenes Buch an Hintergründigem

Eckhardt Henscheid las aus seinen Werken. Bild: tie
Wernberg-Köblitz. Eigentlich waren zu wenige Leute da. Bei einem solchen Ereignis hätten durchaus noch mehr kommen sollen. Immerhin ist ihnen eine hochinteressante Lesung zwischen Ernst und Spaß entgangen. Eckhardt Henscheid, bekannter Autor aus Amberg, las auf Initiative des Kulturforums im Fürstensaal der Wernberger Burg Auszüge aus einigen seiner vielseitigen literarischen Werke.

Nicht festgelegt

Henscheid ist ein Schriftsteller, der sich nicht nur auf ein einziges literarisches Gebiet festgelegt hat. Er schrieb Romane wie "Die Mätresse des Bischofs" oder "Die Vollidioten" ebenso wie Fachbücher über Literatur, wobei er Bereiche erfasste, die andere vermeiden, etwa wenn er sich über "Goethe und die Frauen" ausließ oder so manchen Sprachgebrauch unter "Dummdeutsch" einordnete.

In klassischer Musik gar brachte er neue Konstellationen in die Deutung der Epochen, wie sie der Titel des Sachbuchs "Verdi ist der Mozart Wagners" andeutet. Dass er zugleich auch Gründungsmitglied und ständiger Mitarbeiter der Satirezeitschrift "Titanic" war, wundert einen dann nicht mehr. So hatte man das Thema des Abends im Fürstensaal zwar in ernsthafter Formulierung gestaltet - es lautete "Blick in die Heimat. Mittlere Oberpfalz" - es aber mit sarkastischen Aussagen durchsetzt. Henscheid hat es nämlich nicht zu verantworten, wenn kleine Ortschaften südlich von Amberg Namen speziellen Klangs tragen wie "Götzendorf, Sauheim, Ullersberg, Kotzheim". Im Buch "Maria Schnee. Eine Idylle" vertiefte er diese Erkenntnisse, indem er die Maria-Schnee-Kirche westlich von Amberg als Titelvorlage wählte. Immerhin hat man diese schöne Kirche gebaut, um des Wunders zu gedenken, dass es vor einigen hundert Jahren in dieser Gegend im August einmal geschneit hat, obwohl damals noch niemand etwas mit dem Begriff "Klimawandel" anfangen konnte.

Vielfalt des Lebens

Henscheids Absicht ist es eben, kurze, prägnante Vorfälle darzubieten, die passieren können und die unerwartete Vielfalt des täglichen Lebens zeigen. Man ist täglichen Merkwürdigkeiten im Leben ausgesetzt und überlegt dabei ihre innere Bedeutung. Selbst bei Blumen, die "Wegelagerich" heißen. Gerade weil es sich nicht um große Ereignisse handelt, beschäftigt sich der Schriftsteller mit ihnen. Viele seiner Anekdoten und Satiren spielen in der Oberpfalz und erreichen damit die Zuhörer in ihren Heimatgefühlen.

Die sympathische warme Stimme Eckhard Henscheids bewirkte, dass die gelesenen Texte glaubhaft erschienen und gerade deshalb in ihrem aufgesetzten Ernst zum Schmunzeln oder Lachen anregten. Henscheid verstand es, die versteckten witzigen Hintergründe überraschend vorzuführen und dadurch noch mehr Lachen herauszufordern. Ein unterhaltsamer Leseabend, der den Zuhörern viel tiefgründiges Vergnügen bereitete.
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