EHC: Kampf gegen Schleicher-Altlasten

Der neue Vorstand des EHC Stiftland (von links Vorsitzender Thorsten Lauber, Schatzmeister Christian Baumgärtner und zweiter Vorsitzender Peter Wölfel) will gerichtlich gegen Ex-Boss und Sponsor Jakob Schleicher vorgehen. Bild: Gebert

Vor gut einem Jahr sorgte Jakob Schleicher für ein mittleres Beben in der Mitterteicher Sportwelt. Der Geschäftsmann aus Selb warf als Vorsitzender und Sponsor des EHC Stiftland unvermittelt die Brocken hin. Das Beben wirkt bis heute nach. Der Eishockey-Klub will nun gerichtlich gegen Schleicher vorgehen.

Mitterteich. Monatelang hatte die jetzige Vereinsführung das Gespräch gesucht. Vergeblich. Schleicher, einst in Personalunion Klubchef und Mäzen, blockte alle Bemühungen rigoros ab. Zuletzt hatten die Rechtsanwälte das Wort. Zwischen den Advokaten beider Parteien gingen Schriftwechsel hin und her. Ohne ein Zeichen der Annäherung.

"Alle unsere Versuche, eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen, haben nicht gefruchtet. Jetzt ist Schluss", sagt Peter Wölfel. Der zweite Vorsitzende spricht von einer "Vereinsführung, die an Verantwortungslosigkeit ihresgleichen sucht". Schleicher habe seine eindeutigen Zusagen als Sponsor nicht eingehalten und den EHC Stiftland "ins offene Messer" laufen lassen. "Wir wollen, dass die Öffentlichkeit dies weiß. Wir wollen Schadensersatz", erklärt Wölfel kämpferisch.

Aktuell prüfen Juristen, welche rechtlichen Möglichkeiten der Verein hat. Hinter der Aktion steht nicht nur Wölfel, sondern der gesamte EHC-Vorstand um den jetzigen Vorsitzenden Thorsten Lauber. Aus gutem Grund. Der plötzliche Rückzug von Schleicher im Januar 2014 hatte den gerade erst in die Bayernliga aufgestiegenen EHC in existenzielle Nöte gestürzt. Spielervergütungen, Verbandsabgaben, Buskosten, Schiedsrichterspesen - alles kostspielige Ausgaben, wofür Schleicher mit seinem Wort geradestand, musste der Verein urplötzlich selbst schultern.

Etwa 50 000 Euro Kosten

Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit - wenn nicht Peter Wölfel und Kassier Christian Baumgärtner tief in die eigene Tasche gegriffen hätten. Das Ergebnis der Ära Schleicher, so Wölfel, seien Kosten von etwa 50 000 Euro, "entstanden durch offensichtlich nicht eingehaltene oder nicht einhaltbare Zusagen". Rund 24 000 Euro schossen Wölfel/Baumgärtner aus privaten Mitteln zu. "Sonst wären zu Saisonende 2013/14 die Lichter ausgegangen", betont Wölfel.

Dieses Geld wollen sie sich auf gerichtlichem Weg wieder holen. "Aufgabe eines Vorsitzenden ist es, den Verein nach dessen Satzung zu führen", erklärt Wölfel: "Benutzt man die Position nur als Alleinherrscher, steht man auch alleinig in der Haftung." Und eigene Fehler? "Wenn wir uns etwas vorzuwerfen haben, dann das, dass wir zu wenig misstrauisch waren. Aber wir waren ja von jeder Mitsprache ausgeschlossen", so Wölfel.

Als Beleg dafür, dass der seit Mai 2010 als EHC-Vorsitzender amtierende Schleicher gegebene Versprechen gebrochen hat, dienen vor allem E-Mails. In seinen ersten beiden Rücktritts-Mails am 6. Januar 2014 gibt der Unternehmer aus Selb nicht nur zu: "Ich habe versagt, ich bin gescheitert ... Ich räume mir alle persönlichen Fehler ein." Nachdrücklich betont er auch, dass "der Verein durch mein Sponsoring bis Saisonende handlungsfähig bleibt und der Spielbetrieb nicht gefährdet ist".

Unwürdig und hinterhältig

Eine Zusage, die aber nicht lange Bestand hatte. Drei Wochen später folgte, ebenfalls auf elektronischem Weg, der Rückzieher: "Leider müssen wir ihnen mitteilen, dass das Sponsoring für die laufende Saison nicht aufrechterhalten werden kann." Die Kehrtwende begründete Schleicher damit, dass die "Firma Active Metal Products Corporation Hongkong einen Geschäftsführerwechsel vollzogen hat, der nicht mehr bereit ist, Spenden zum EHC zu transferieren." Dass der EHC Stiftland bislang von einer chinesischen Firma gesponsort wurde, wusste bis dato niemand im Verein. Von dieser Mitteilung war der bis dahin vertrauensvoll zurückgebliebene Restvorstand wie vor den Kopf gestoßen. "Das war absolut unwürdig und hinterhältig", urteilt Wölfel selbst ein Jahr später.

Ausstieg lange geplant

Dass Schleicher seinen Ausstieg von langer Hand geplant hatte, beweist ein Mail, das er bereits im Oktober 2013 an einen EHC-Fan geschickt hatte und erst Monate später bekannt wurde. Darin kündigt er seinen Rücktritt vorab an: "Ich habe mich daher entschlossen, dir mitzuteilen, dass ich als Vorstand am 20. Januar 2014 meinen Rücktritt bekanntgeben und mich komplett aus der Eishockeyszene zurückziehen werde."

Die Quittung für Schleicher folgte auf dem Fuß: Im April 2014 verweigerten ihm die EHC-Mitglieder die Entlastung. Seitdem kämpft der Eishockey-Klub, der sich in die Bezirksliga zurückgezogen hat, unter einer neuen Vereinsführung vehement um die finanzielle Konsolidierung. Mit vielversprechenden Ansätzen. Aber noch immer warten von Schleicher verpflichtete Ex-Dragons-Spieler auf ihr Geld, bedrohen Altlasten die Sanierung.

Der EHC Stiftland kämpft aber auch um den Wiederaufbau der zerstörten Jugendarbeit, um seine Reputation und letztlich auch um sein Recht. "Wir stehen für den Neubeginn. Aber wir stehen nicht für die Konsequenzen gerade, für die sich unser Vorgänger zu verantworten hat", meint Wölfel.
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