Eigener Bereich

"Wir zeigen die komplette Kulturgeschichte der deutschen Bahn", sagt Rainer Mertens, der für die Ausstellung im Nürnberger DB-Museum verantwortlich zeichnet, mit Stolz. Kein anderes Bahnmuseum präsentiert die Entwicklung der Eisenbahn in einem Land auf so umfassende Weise.

Wenn Grube eine Grube gräbt, fällt er selbst hinein", steht auf einem Schild. Es stammt vom Originalzaun, der damals die Baustelle am Stuttgarter Bahnhof absperrte. Das blecherne Symbol des Widerstands gegen den geplanten Tiefbahnhof kann nun in Nürnberg bewundert werden. Und Bahnchef Rüdiger Grube kam selbst angereist, um die neue Dauerausstellung im DB Museum zu eröffnen. Gezeigt wird nun auch die jüngste Geschichte des Verkehrssystems von 1989 an. Der Bauzaun und die Erinnerung an "Stuttgart 21" zeigen, dass nicht nur die hellen Seiten der Historie aufbereitet werden.

Bisher wurde der Zeitraum von der ersten Fahrt des "Adler" von Nürnberg nach Fürth im Jahr 1835 bis zur deutschen Wiedervereinigung gezeigt. Nun sind 30 weitere Jahre hinzugekommen. Es wird sogar ein Blick in die künftige Konzernstrategie bis 2020 geworfen.

Die Jahre nach dem Mauerbau zählen zu den ereignisreichsten Zeiten deutscher Bahngeschichte. Die Bahnreform 1994 sorgte dafür, dass ein völlig neues Unternehmen entstand. Die digitale Revolution, die Globalisierung und der Klimawandel veränderten die Welt und beeinflussten die Entwicklung des 200 Jahre alten Verkehrssystems Eisenbahn.

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Diese Ära erhält nun einen eigenen Museumsbereich. Damit ist erstmals auch die "moderne Bahn" dauerhaft museal in Szene gesetzt. Ein futuristisch gestalteter Raum mit moderner Videotechnik und ausgeklügelten 3-D-Effekten versetzt die Besucher in eine Atmosphäre wie aus einem Science-Fiction-Film. Die präsentierten Themen entstammen jedoch nicht der Fantasie eines Autors, sondern beruhen auf Realität. Große Erfolge wie die Überwindung der deutsch-deutschen Teilung und der rasante Ausbau der Infrastruktur gehören dazu.

Aber auch die dunklen Facetten werden beleuchtet: Eine Hör-Station erinnert an das schlimmste Eisenbahnunglück der Bundesrepublik: 1998 entgleiste bei Eschede der ICE "Wilhelm Conrad Röntgen" und riss 101 Menschen in den Tod. Dokumentiert wird zugleich, welche Sicherheitsverbesserungen die Bahn nach dieser Tragödie entwickelte. Im zweiten Teil der Dauerausstellung, der die Bahn auf dem Weg in die Zukunft zeigt, wurde eine Weltneuheit verwirklicht: Wie auf dem berühmten "Holo-Deck" des Raumschiffs Enterprise werden hier bewegte Bilder in einen schwarzen Raum mit einer Matrix aus weiß leuchtenden Linien projiziert. Mit 3-D-Effekten werden Strategien der DB für kommende Herausforderungen aufgezeigt: Sicherheitstechnik, Umwelt und Logistik im Zeitalter der Globalisierung. Wer dann gesättigt ist von technischer Raffinesse, sollte die "alten" Ausstellungsbereiche des Museums nicht verpassen, um die Anfänge der Eisenbahngeschichte zu erleben.

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"Adler" und "Nordgau"

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Nicht versäumen darf man die beiden Fahrzeughallen mit legendären Lokomotiven wie den "Adler" und die älteste erhaltene Dampflok Deutschlands, die "Nordgau". Auf dem neu gestalteten Freigelände sind Gleise von 1835 zu sehen und Hand gesteuerte Signalanlagen aus fast 180 Jahren Vergangenheit.

Der historische Bahnsteig, das Museumsstellwerk mit seiner Schaltzentrale und der originalgetreue Nachbau des Dampfwagens von Cugnot von 1769 im Schaudepot sind weitere Höhepunkte. Spätestens hier zeigt sich: Wer das DB-Museum in Nürnberg besucht, steigt in einen Hochgeschwindigkeitszug ein. Mit der neuen Dauerausstellung eröffnet sich eine Schwindelerregende, aber in den Bann ziehende Zeitreise vom Adler bis zum ICE.
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